Internetriese will Logistikzentrum mit 2000 Arbeitsplätzen schaffen

Amazon zieht es nach Achim

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Das Gewerbegebiet Uesener Feld (hinten), in dem Amazon sich ansiedeln könnte, wird über die viel befahrene Landesstraße 156 erschlossen. An der Kreuzung mit dem Gewerbepark und ein Stück weiter an der Autobahn-Anschlussstelle staut sich oft der Verkehr.

Achim - Von Michael Mix. Kommt Amazon bald nach Achim und schafft im Gewerbegebiet Uesener Feld ein riesiges Logistikzentrum mit bis zu 2000 Arbeitsplätzen? Der Internetkonzern hat Interesse an einer Ansiedlung dort.

Doch ob nach Coca Cola und Mercedes, die sich erst vor kurzem in Achim-Ost niedergelassen haben, erneut tatsächlich ein namhaftes Unternehmen in die kleine Weserstadt zieht und damit den großen Nachbarn Bremen aussticht, ist vollkommen offen. Erhebliche Verkehrsprobleme müssten gelöst werden.

Vier Unternehmen zeigen Interesse an dem Areal

Amazon wollte sich auf Anfrage dieser Zeitung nicht konkret zu seinen Plänen äußern. Andere Eingeweihte gaben zu dem Vorhaben, für das die Beteiligten aus Stadtrat, -verwaltung und Projektentwickler zum jetzigen Zeitpunkt „Stillschweigen“ vereinbart hatten, nach mehrmaligem Nachhaken immerhin sparsam Auskunft.

Der Rat habe die Gesellschaft „Entwicklung und Vermarktung von Grundflächen“ (EVG), die je zur Hälfte der Stadt Achim und der Kreissparkasse Verden gehört, beauftragt, Nutzer für das 15 Hektar große Gewerbegebiet Uesener Feld zu finden, bestätigte Geschäftsführer Bernd Kettenburg. „Aktuell verhandeln wir mit vier Unternehmen, die an Flächen in unterschiedlicher Größe interessiert sind.“

Die Belastung der L156 spielt eine gewichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung

Amazon beansprucht dem Vernehmen nach das gesamte Areal und will eine etwas kleinere, dafür aber höhere Logistikhalle bauen als der frühere Interessent Log4Real, der mehr als 80.000 Quadratmeter in dem Gebiet beanspruchte. Das Suchen der Waren im Lager sollen Roboter übernehmen, für das Packen der Pakete werden jedoch Arbeitskräfte benötigt.

Der US-amerikanische Internetriese, ein Global Player, wollte sich vor Jahren im Bremer Güterverkehrszentrum ansiedeln. Nun sollen rund um die Hansestadt mehrere Standorte im Gespräch sein.

Bei der Entscheidungsfindung in Achim spiele natürlich auch die Verkehrsbelastung auf der Landesstraße 156 von der Weserbrücke über die Ueser Kreuzung bis zur Autobahn-Anschlussstelle Achim-Ost eine wichtige Rolle, sagt Kettenburg, der auch Vizechef der Verwaltung ist. „Spätestens im Baugenehmigungsverfahren müsste das betreffende Unternehmen Erschließungspläne auf den Tisch legen.“ Log4Real hatte es im vorigen Jahr versäumt, das von der Stadt geforderte Verkehrsgutachten beizubringen.

„Was sind ein paar Millionen Euro Straßenbaukosten bei dem gewaltigen Gegenwert?“

Und das könnte der Knackpunkt bei diesem möglichen Ansiedlungscoup sein. „Verkehrlich haben wir dort doch schon jetzt beklagenswerte Zustände“, räumt SPD-Fraktionschef Herfried Meyer ein. Was jedoch nicht als Absage an Amazon zu verstehen ist. In Sachen Verkehrsproblematik hält Meyer ein Entgegenkommen des Landes Niedersachsen und des Landkreises Verden für notwendig. Der SPD-Fraktionschef argumentiert: „Was sind ein paar Millionen Euro Straßenausbaukosten bei einem gewaltigen Gegenwert an Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen?“

Der Engpass L 156 könne nur in „überregionaler Planung“ gelöst werden, sagt auch Hans Baum (FDP). Eine Abbiegespur, die von der A 27 direkt ins Gewerbegebiet führt, könnte den Verkehr entzerren, überlegt er. Wenn sich morgen der Verwaltungsausschuss in nicht öffentlicher Sitzung mit dem Thema befasst, dürfte sich auch Baum pro Amazon aussprechen. „Die wollen wohl viele Teilzeitstellen anbieten“, und für das Weihnachtsgeschäft würden womöglich 2000 Arbeitskräfte benötigt.

WGA glaubt Amazon sei für Achim eine Nummer zu groß

Für die CDU überwiegen ebenfalls die Vorteile. „Wenn die Fläche in einem Rutsch vermarktet werden kann, ist das positiv“, äußert Fraktionschef Karl-Heinz Lichter.

Anders positioniert sich die WGA. „Wir sehen das für Achim als eine Nummer zu groß an“, sagt Wolfgang Heckel. Wenn Amazon Tag für Tag zig Lkw auf die Strecke schicke, würde auf den umliegenden Straßen nur noch Stillstand herrschen. Heckel ist „skeptisch, ob ein Verkehrsgutachten überzeugende Lösungen bieten könnte“.

Die Grünen, die vermutlich eine ähnliche Haltung haben, hüllen sich in Schweigen. „Das ist eine Sache, die die EVG in der Hand hat, und Vertraulichkeit ist für mich ein hohes Gut“, erklärt Fraktionsvorsitzende Silke Thomas zu den Spekulationen, ob Amazon nach Achim kommt.

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