Sparkasse wird Rathaus-Entscheidung respektieren

„Amazon-Entscheidung liegt bei der Stadt“

Silke Korthals, Vorstandschefin der Kreissparkasse: Die Entscheidung über Amazon obliegt den Gremien der Stadt.

Achim - Zur Diskussion über eine mögliche Ansiedlung eines Amazon-Logistikwerkes in Achim nimmt nun auch die Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Verden, Silke Korthals, Stellung. Die Kreissparkasse ist neben der Stadt Achim Gesellschafterin der EVG Achim GmbH, die für die Vermarktung und Entwicklung von Gewerbegrundstücken in Achim zuständig ist, und war so auch in die öffentliche Kritik geraten.

Die KSK-Vorstandsvorsitzende stellt fest: „Eine mögliche Ansiedlung von Amazon wird in Achim zurzeit intensiv diskutiert. Diese kontroverse Diskussion wird nicht von der Kreissparkasse Verden entschieden. Die demokratisch gewählten Vertreter der Stadt müssen die Vor- und Nachteile einer Ansiedlung abwägen und eine wohlüberlegte Entscheidung treffen. Wir halten es für angebracht, wenn die Meinungen, die Sorgen und Wünsche der Bürger dabei gehört werden.“

Die Sparkasse werde als Gesellschafterin der EVG die Entscheidung der Stadt respektieren. „Die Gremien der Stadt haben es in der Hand, ob Amazon kommt oder nicht“, stellt Korthals fest.

Seit jeher gebe es bei der EVG eine Arbeitsteilung. Der Stadt Achim oblägen die Vermarktung der Grundstücke und die Auswahl der Kaufinteressenten. Die Sparkasse kümmere sich um die operativen Maßnahmen der Grundstückserschließung und die Verwaltungsaufgaben.

Positive wirtschaftliche Entwicklung im Sinn

Diese Kompetenzen zugunsten einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung des Standortes Achim einzubringen, sei die Motivation der Kreissparkasse, sich an der EVG zu beteiligen.

Finanzielle Interessen stünden dabei nicht im Vordergrund. „Die EVG steht auch nicht unter wirtschaftlichem Druck. Die Werthaltigkeit der vorrätigen Grundstücke ist unabhängig von einem potenziellen Käufer“, heißt es in der Erklärung der Sparkassen-Chefin.

Die Stadt Achim andererseits hatte jüngst, wie das Achimer Kreisblatt aufdeckte, in einem vom Bürgermeister unterzeichneten Brief an die Landesregierung geschrieben, dass der Stadtrat die Entscheidungen über Gewerbeansiedlungen bis Ende 2021 an die EVG, die gemeinsame Gesellschaft mit der Kreissparkasse, abgetreten habe. Deshalb habe weder der Rat noch der Bürgermeister direkten Einfluss auf diese Entscheidungen.

Einer von zwei Geschäftsführern der EVG ist allerdings der stellvertretende Verwaltungschef im Rathaus, der Erste Stadtrat Bernd Kettenburg, der mit der Amazon-Zentrale verhandelt. 

mb

Ein Kommentar von Manfred Brodt:

Wirkt fast wie ein Schwarzer-Peter-Spiel

Bürgermeister Rainer Ditzfeld schreibt ans Ministerium für Wirtschaft, Umwelt und Verkehr des Landes, der Achimer Stadtrat habe die Entscheidung über Ansiedlungen bis Ende 2021 an die selbständige und gemeinsame Gesellschaft von Stadt und Kreissparkasse EVG (Entwicklung und Vermarktung von Grundstücken) übertragen. Die sei zuständig, dem Rat und selbst dem Bürgermeister und Verwaltungsausschuss der Stadt, fehle rechtlich die Möglichkeit der direkten Einflussnahme.

Die Kreissparkasse wiederum, die plötzlich als das gierige Geldinstitut dasteht, kontert in Person ihrer Vorstandsvorsitzenden, sie respektiere die Entscheidungen der Stadtgremien, die müssten schon entscheiden.

Was nun? Wer hat recht? Ist das ein Schwarzer-Peter-Spiel?

Formal hat vermutlich die Stadt Recht, die sich so fein aus der Affäre ziehen kann und selbst entmachtet hat.

Faktisch aber überlässt ja die Kreissparkasse die Ansiedlungsentscheidung der Stadt und stellt die Stadt in Person des stellvertetenden Verwaltungschefs Bernd Kettenburg einen der zwei Geschäftsführer der EVG. Der könnte sich als Chefverhandler mit Amazon zwar formal gegen einen Beschluss des Stadtrats stellen, würde es aber wohl nicht tun.

Dazu wird es auch gar nicht kommen, denn auch die Mehrheit des Stadtrats scheint nur die versprochenen gut 2000 Arbeitsplätze und Eurozeichen in den Augen zu haben.

Da begnügt sie sich auch mit mehr kosmetischen Änderungen an der Ueser Kreuzung mit ihren oft kilometerlangen Staus.

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