Logistikzentrum in Achim verhindern

Amazon-Ansiedlung: Bürgerinitiative appelliert an Sparkasse

Achim - Die Kreissparkasse Verden müsse ihren Einfluss geltend machen und das geplante Logistikzentrum von Amazon in Achim verhindern. Das fordern Hans-Dieter Pöhls und Thomas Wendt, Sprecher der „Achimer Bürgerinteressenvertretung in Sachen Amazon-Ansiedlung“.

Denn das Geldinstitut sei ja neben der Stadt Achim zu 50 Prozent an der in dieser Angelegenheit entscheidenden Gesellschaft EVG („Entwicklung und Vermarktung von Grundflächen“) beteiligt. Pöhls und Wendt appellieren an Silke Korthals, Vorsitzende des Vorstands der Kreissparkasse: „Überdenken Sie bitte noch einmal intensiv die Konsequenzen und nachteiligen Folgen einer für den vorgesehenen Standort Achim völlig überdimensionierten Mega-Ansiedlung.“

Die Kreissparkasse und die EVG sollten zur „ursprünglich verfolgten Konzeption der Schaffung eines gesunden und nachhaltigen Branchenmixes für Klein- und Mittelunternehmen“ zurückkehren und das Gewerbegebiet Uesener Feld nicht an Amazon oder einen anderen Investor verkaufen, heißt es weiter in dem Schreiben. Als „Kapitänin des Sparkassen-Dampfers“ habe Korthals noch die Möglichkeit einer Kurskorrektur, könne „das Ruder herum reißen, bevor es zu einer fatalen Kollision mit dem riesigen Amazon-Tanker kommt“.

„Ihre gute Reputation könnte kippen“

Obwohl sie selbst in ihrer Aufgabenstellung der Öffentlichkeit verpflichtet sei, habe sich die Kreissparkasse, was die Amazon-Ansiedlung angeht, bisher „in ihrer Positionierung sehr zurückgehalten. Sie hat sich bedauerlicherweise nicht zu diesem gigantischen Vorhaben geäußert oder sich den Fragen der verunsicherten, verängstigten Bürger dieser Stadt gestellt“.

Dabei spreche nicht viel für eine Ansiedlung. Der US-Konzern sei für seine Steuervermeidungsstrategien bekannt und schaffe kaum hochwertige Arbeitsplätze. „Es könnte schnell der Punkt erreicht sein, an dem die Meinung der Bürger dieser Stadt und der Region hinsichtlich der Kreissparkasse und ihrer Grundstücks- beziehungsweise Ansiedlungspolitik umschlägt und damit Ihr bisher gutes Image Schaden leiden wird“, schreiben die BI-Vertreter an Korthals. „Ihre gute Reputation könnte kippen, mit erheblichen finanziellen Folgen.“

Gemeinnützigkeitsprinzip in Frage gestellt

Und wie stehe es mit dem Gemeinnützigkeitsprinzip der Sparkasse? Sollte die Ansiedlung von Amazon „durchgemauschelt“ werden, „hätte die Öffentlichkeit berechtigterweise mehr als starke Zweifel, ob Sie sich als Anstalt des öffentlichen Rechts dieser Prämisse noch verpflichtet fühlen“, formulieren Pöhls und Wendt.

Und nehmen dann die EVG Achim GmbH näher unter die Lupe. Laut der publizierten Zahlen sehe die Bilanz für das Fiskaljahr 2016 „sehr ungünstig“ aus mit einem Verlust von etwa 1,4 Millionen Euro, „Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten (wahrscheinlich der Muttergesellschaft KSK) in Höhe von 8,2 Millionen Euro“.

Zu Besorgnis Anlass gebe der Zusatz: „Die Erkenntnisse aus den zum Bilanzstichtag vorliegenden Planungsrechnungen lassen zum Ausgleich des Fehlbetrages erforderliche Jahresüberschüsse bei Abverkauf der Vorratsgrundstücke zu den kalkulierten Verkaufspreisen in den Folgejahren sowie bei Berücksichtigung von Ausgleichsansprüchen erwarten.“

Druck der Muttergesellschaft vermutet

Hans-Dieter Pöhls und Thomas Wendt gehen davon aus, dass mit „Vorratsgrundstücken“ im Wesentlichen das Areal Uesener Feld gemeint ist. „Wir schließen daraus, dass die EVG Achim GmbH unter erhöhtem Druck der Muttergesellschaft steht, das Uesener-Feld-Grundstück in einem Stück an einen einzigen Käufer zu verkaufen, was unweigerlich auf Amazon hinausläuft.“

Dieser Hintergrund sei ihnen lange nicht bewusst gewesen, merken die Schreiber süffisant an, daran werde aber „deutlich, was das eigentliche Motiv für die Hau-Ruck-Ansiedlung von Amazon in Achim ist. Bei dieser Interessenlage kann dann auch kein Raum für eine transparente demokratische und bürgerorientierte Vorgehensweise mehr sein.“

Rubriklistenbild: © Archivbild: dpa

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