Zögerliche Reaktion

Achimer Amazon-Massen: Mehr Züge frühestens ab 2022

Weißblauer Zug in der Landschaft.
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Mehr Züge soll es laut Landesnahverkehrsgesellschaft ab dem kommenden Fahrplanwechsel noch nicht geben. Die bisherigen aber wechseln ihre Farbe. Die Nordwestbahn kommt weiß statt gelb daher.

Der Schichtwechsel bei Amazon führt zu Menschenmassen auf dem Bahnhof Achim. Die Landesnahverkehrsgesellschaft Hannover greift den Fall auf. 

Achim/Verden – Menschenmassen auf den Bahnsteigen, Abstände werden nicht mehr eingehalten, Gedränge in den Zügen. Die unhaltbaren Zustände mehrmals täglich auf dem Achimer Bahnhof, sie hatten wie berichtet die Achimer Stadtpolitik auf den Plan gerufen, sie haben inzwischen auch ein Echo bis nach Hannover ausgelöst. Und zwei Nachrichten. „Eine schnelle Lösung noch in diesem Jahr ist nicht möglich“, heißt es aus der Zentrale des Landesnahverkehrs, „für den Fahrplanwechsel im Dezember nächsten Jahres sollen aber Verbesserungen zumindest geprüft werden.“ Die Hoffnung: Zwar gilt die Bahnlinie Bremen-Hannover als stark ausgelastet, eine weitere Verdichtung sei aber nicht völlig ausgeschlossen.

Der wiederkehrende Trubel auf dem Achimer Bahnhof trifft die Nahverkehrsunternehmen der Region zum ungünstigen Zeitpunkt. Die Nordwestbahn, die die Strecke Verden-Bremen bedient, steht an der Schwelle zum Neuvertrag, der zum Fahrplanwechsel vollzogen wird. Der Erixx, auf der Linie von Soltau über Langwedel und Achim nach Bremen unterwegs, übergibt die Verkehrsrechte in sechs Wochen an die DB-Regio. Auf beiden Abschnitten sind Neuerungen bis zu komfortableren Wagen geplant, werden aber eben nicht sofort umgesetzt. Das einzige, was sich aktuell abzeichnet, ist eine neue Optik. Statt der gelb-blauen Züge soll die Regionalbahn mit Stopps in Verden, Langwedel, Etelsen, Baden und Achim künftig in Weiß daher kommen. Auf den Bahnhöfen selbst will die Nordwestbahn zum Fahrplanwechsel mit neuen Ticketautomaten den Sprung in die aktuelle Technik vollziehen.

Zusätzliche Zug-Kapazitäten in Achim nicht so einfach zu erreichen

Ein dauerhaft hohes Fahrgast-Aufkommen wie in Achim, drei unterschiedliche Verkehrsbetriebe, die um zahlende Kundschaft buhlen – da dürfte es doch ein Leichtes sein, fix mal zusätzliche Kapazitäten auf die Schiene zu bringen und damit neue Kundenströme für sich zu gewinnen. Meinen Außenstehende. Aber leider gefehlt. „Geht nicht“, sagt etwa Steffen Högemann von der Nordwestbahn in Osnabrück. Die Länge der Züge sei ausgereizt, sie orientiere sich nicht etwa an der Zugkraft der Lokomotive, sie orientiere sich an den Bahnsteiglängen, pardon: an der kürzesten Bahnsteiglänge. „Auf die Schnelle läuft da nichts.“

Überhaupt gelten im gleisgebundenen Personenverkehr eigene Gesetze. Zwar liefern sich die Bahnunternehmen einen lebhaften Wettbewerb bei der Vergabe von Regionalbahn- und Regionalexpress-Linien. Ist aber der Zuschlag erteilt, ist es vorbei mit dem Konkurrenzkampf. „Die Unternehmen vor Ort arbeiten mit sogenannten Bruttoverträgen, sie stellen sicher, dass die Züge zu den festgelegten Zeiten verlässlich fahren, aber wie viele Fahrgäste tatsächlich das Angebot nutzen, spielt keine Rolle mehr“, sagt ein Insider. Hintergrund: Der ÖPNV ist defizitär, selbst bei den hohen Zuwachsraten der vergangenen Jahre im Verbund Bremen-Niedersachsen immer noch defizitär. In Niedersachsen wird er über die Landesnahverkehrsgesellschaft organisiert und bezahlt.

Schnelle Lösung wäre ein Entzerren des Schichtsystems bei Amazon

Deren Pressesprecher Dirk Altwig hält sich bezüglich der Amazon-Problematik bedeckt. Er spielt den Ball zurück. „Wenn ein Unternehmen, in diesem Fall also Amazon, eine schnelle Lösung will, dann geht das höchstens über ein Entzerren des Schichtsystems.“ Für den Fahrplanwechsel 22/23 wolle man prüfen, ob ein Einsatz zusätzlicher Fahrzeuge möglich sei. Beobachter halten weitere Fahrten für möglich. Zwar sei die Strecke Verden-Bremen-Bremerhaven stark frequentiert, die Auslastung liege oberhalb der Schwelle von 100 Prozent, aber der Abschnitt sei differenziert zu betrachten. „Zwischen Bremen und Bremerhaven dürfte tatsächlich nichts Zusätzliches mehr gehen, da sind sehr viele Güterzüge unterwegs“, heißt es, „aber im Südabschnitt zwischen Hauptbahnhof und Verden könnten eventuell weitere Verbindungen eingearbeitet werden.“

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Denkbar sei auch eine höhere Taktung der Züge zwischen Soltau und Bremen mit künftig auch dem Bahnhalt in Kirchlinteln. Der Erixx ist aktuell im Zweistunden-Rhythmus unterwegs, die DB-Regio wird es auf derselben Strecke nach der Fahrplanumstellung am 12. Dezember ebenfalls sein. Langfristig aber, so Altwig, sei an einen stündlichen Takt gedacht. Noch sind auf diesem Abschnitt Dieselaggregate im Einsatz. Eine nächste Generation mit umweltschonender Wasserstoff-Technik kündigt sich bereits an. Zwischen Cuxhaven und Buxtehude sollen noch in diesem Jahr erste Brennstoffzellen-Züge verkehren. In Bremervörde ist eigens eine Wasserstoff-Tankstelle entstanden.

Mehr Komfort künftig auch im Regionalexpress: Für das Kreuz Bremen-Niedersachsen sind 34 Doppelstockzüge bestellt.

Auch für den schnelleren Regionalexpress kündigt die Landesnahverkehrsgesellschaft mehr Komfort an. Statt der alten Garde der Züge mit Stufen beim Einsteigen soll das Expresskreuz Bremen-Niedersachsen ab 2024 mit barrierefreien Doppelstockfahrzeugen ausgestattet werden. Allerdings kein ganz billiges Vergnügen. Die 34 Züge, die jetzt bei Alstom in Salzgitter in Auftrag gegeben wurden, kosten das Land Niedersachsen satte 420 Millionen Euro.

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