Hallenhülle im Juni fertig

250 Pfähle ragen in den Himmel - Amazon-Baustelle in Achim schreitet voran

Auf der Baustelle für das große Logistikzentrum im Uesener Feld herrscht seit Februar geschäftiges Treiben. Immer mehr sind die Ausmaße des Projekts zu erkennen. Fotos: mix
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Auf der Baustelle für das große Logistikzentrum im Uesener Feld herrscht seit Februar geschäftiges Treiben. Immer mehr sind die Ausmaße des Projekts zu erkennen.

Achim - Riesenspargel ragen im Uesener Feld in den Himmel. In den vergangenen Wochen und Tagen sind es immer mehr geworden.

Nein, Gemüse schießt an der Autobahn-Anschlussstelle Achim-Ost nicht aus dem Boden, eine wachsende Formation von Stahlträgern steht dort in Reih und Glied. Amazon lässt in verkehrsgünstiger Lage ein Versandhandelszentrum errichten, eines von beachtlichen Ausmaßen.

„Meines Wissens nach wird es eine der größten Logistikhallen in Deutschland“, sagt Jan Dietrich Hempel beim Besuch auf der Baustelle im Gespräch mit dieser Zeitung. Der 55-Jährige ist Geschäftsführer von Garbe Industrial Real Estate, dem Projektentwickler für das „E-Commerce-Center“, und verrät beim Ortstermin nahe der unablässig Material transportierenden, Staub aufwirbelnden Lastkraftwagen und bisweilen übertönt vom durchdringenden Lärm der Stahlträger-Ramme allerlei Einzelheiten zu dem Vorhaben.

Amazon-Baustelle in Achim: Arbeiten im Zeitplan

„Wir sind im Zeitplan. Corona hat hier bisher zu keinen Verzögerungen geführt“, stellt Hempel zunächst mal zufrieden fest. Die Firmengruppe Max Bögl als von Garbe beauftragtes Generalunternehmen beschäftige zwar auch ausländische Arbeitskräfte auf der Baustelle, aber anders als bei den Spargelbauern und anderen Branchen stünden diese auch in Zeiten der Pandemie problemlos zur Verfügung.

Ein Großteil der Stahlträger, jeweils 18 Meter lang, wurde bereits in die Erde gerammt.

Vor allem Polen sind neben einheimischen Spezialisten und Angelernten seit Februar im Uesener Feld tätig. Anfangs, beim Abschieben des Mutterbodens für die Baufelder, habe ein gutes Dutzend Kräfte die Arbeiten erledigt, berichtet Hempel. Aber diese Zahl erhöhe sich nun deutlich. „Beim Gießen der Bodenplatten in den kommenden Wochen packen hier mehr als 100 Leute rund um die Uhr an.“

Sie werden alle Hände voll zu tun haben. „Denn wir bauen in Achim praktisch drei Hallen übereinander, auf einer Fläche von über 42.000 Quadratmetern“, erläutert Hempel. Dazu komme noch ein Bürogebäude.

Amazon-Baustelle in Achim: 2000 Arbeitsplätze entstehen

Genutzt werden soll das Logistikcenter mit seinen geplanten 2000 Arbeitsplätzen für die Lagerung von Waren sowie die Distribution von Onlinebestellungen an Endverbraucher, teilt Garbe mit. Dazu werde die 270 Meter lange, 153 Meter breite und 18 Meter hohe Halle mit 64 Lkw-Ladetoren, 6 für Van-Fahrzeuge sowie 2 ebenerdigen Toren ausgestattet.

Das Grundgerüst für das Monstrum bilden 250 Stahlträger. Aufgeteilt auf vier Baufelder, wurden und werden die 18 Meter langen Pfähle in die Erde gerammt. Lautstarke Erschütterungen, die bis zum Wohngebiet an der Potsdamer Straße zu hören sind. Anwohner schimpfen über „wochenlange starke Lärmbelästigung“.

„Baustellen sind nie ganz leise“, antwortet Jan Dietrich Hempel. Wegen des „etwas softeren Baugrunds“ im Uesener Feld sei eine Pfahlgründung unumgänglich gewesen. „Aber dabei stehen wir kurz vor dem Abschluss.“

Amazon-Baustelle in Achim: Mutterboden ist verteilt worden

Später soll eine Lärmschutzwand die Bewohner von Achim-Nord vor Geräuschen aus dem Logistikzentrum schützen. Deren Bau werde, wie auch ein Teil der neuen Zufahrten zu dem Gelände, von Garbe beziehungsweise dem Auftraggeber für das Projekt, bezahlt, gibt Hempel auf Nachfrage preis.

Ähnlich wuchtig wie die Stahlträger sind die Deckenelemente. Diese lagern bereits an der Max-Naumann-Straße und werden zusammen mit Querstreben den Hallenbau komplett machen. „Etwa Mitte Juni soll alles stehen“, informiert der Garbe-Geschäftsführer. „Und sobald das Dach dicht ist, wird der Hallenboden gegossen.“

Die Deckenelemente, sogenannte Pi-Platten, lagern bereits an der Max-Naumann-Straße.

Apropos Boden. Schätzungsweise 10.000 Kubikmeter auf der Baustelle abgetragener Mutterboden seien auf landwirtschaftlichen Flächen im Kreisgebiet verteilt worden, sagt Melanie Winter-Lücking, Leiterin der Abteilung Wasser, Abfall und Bodenschutz beim Landkreis Verden. An einer Stelle des Areals habe Bögl beziehungsweise ein Subunternehmen jedoch einen „ärgerlichen Fehler“ begangen. „Wertvoller Mutterboden wurde zu einer Miete aufgetürmt und planiert“, bemängelt die Behördenleiterin. Diese Erde dürfe nicht abgefahren werden. Sanktionen drohten den Beteiligten aber vorerst nicht. Denn insgesamt handele es sich um eine „super aufgeräumte Baustelle“. Die Arbeitssicherheit oder der Grundwasserschutz seien dort gewährleistet.

Das sieht auch Jan Dietrich Hempel so. Am 19. Juni soll ihm zufolge damit begonnen werden, die Be- und Entlüftung in der Halle einzubauen. „Das ist ein sehr langer Prozess, der sich bis zum Fertigstellungstermin des Projekts am 5. April 2021 hinziehen wird.“ Parallel werde der Mieter „millionenteure Technik“ in dem Gebäude installieren. Denn Ende kommenden Jahres will Amazon den Betrieb in Achim aufnehmen.

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