Bessere Anbindung für Logistikzentrum

Achimer Stadtrat stellt wichtigste Weiche für Amazon-Ansiedlung

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Im Rathaus Achim hat der Rat der Stadt am Donnerstag über die bessere Erschließung des Gewerbegebiets „Uesener Feld“ abgestimmt.

Achim - Mit deutlicher Mehrheit hat der Rat der Stadt Achim am Donnerstagabend die Umsetzung des Bebauungsplans „Verkehrsentwicklung Achim-Ost“ beschlossen und so die wichtigste Hürde auf dem Weg für eine Ansiedlung des Online-Riesen Amazon in Achim aus dem Weg geräumt.

Die durch den Plan gewährleistete bessere Anbindung des Gewerbegebiets „Uesener Feld“ an die L156 und die A27 gilt als die wichtigste Bedingung, damit der US-Konzern in Achim ein Logistikzentrum errichtet. Von Achim aus sollen in weniger als zwei Jahren Amazon-Kunden aus Bremen und der Region mit Paketen versorgt werden.

26 Ratsmitglieder sprachen sich für die Umsetzung und damit für die Ansiedlung Amazons aus, neun verweigerten ihre Zustimmung, zwei enthielten sich einer Stimme. Damit folgte der Rat der einer Woche zuvor gefallenen Entscheidung des Ratsausschusses für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr.

In der Diskussion im Ratsaal der Stadt betonten die Redner unter anderem die Chance, neben vielen Arbeitsplätzen für unqualifizierten Arbeitskräfte auch zahlreiche Jobs für hochqualifizierte Menschen zu schaffen. Achimer, die bislang nur außerhalb der Stadt eine Anstellung finden würden, hätten bei einer Ansiedlung Amazons eine neue Perspektive, in ihrer Heimatstadt zu arbeiten. Über die Straßenbauarbeiten im Bereich des Gewerbegebiet „Uesener Feld“ hinaus gehe es nun darum, angemessene ÖPNV-Verbindungen zu schaffen.

Streitpunkt: Verkehrsaufkommen

Die Ansiedlung hatte im Vorfeld der Ratsentscheidung trotz aller finanziellen Vorteile für die Stadt auch zu Bedenken geführt. Kritiker fürchten eine weitere Erhöhung des Verkehrsaufkommens in Achim. Der Ausbau der umliegenden Straßen rund um das Gewerbegebiet „Uesener Feld“ sowie der Umbau der Ueser Kreuzung sind ein Resultat dieser Diskussionen.

Grünes Licht für Amazon-Logistikzentrum in Achim

Achim: Grünes Licht für Amazon-Logistikzentrum

Amazon plant, zwischen 100 und 150 Millionen Euro in das geplante Logistikwerk zu stecken. Pro Jahr rechnet die Stadt Achim wegen der Ansiedlung mit neuen Gewerbesteuer-Einnahmen in Höhe von 500.000 Euro jährlich. Aktuell verfügt Achim pro Jahr über insgesamt 19 Millionen Euro an Gewerbesteuer-Einkünften, die von vielen eher kleinen Betrieben im Stadtgebiet in die Kasse fließen. 

Aufgrund der Ansiedlung weiterer Firmen, die im Fahrwasser von Amazon mit großer Sicherheit nach Achim kommen werden, rechnet Erster Stadtrat Bernd Kettenburg mit zusätzlichen Einnahmen in Form von Gewerbesteuern.

Mehr als 2000 Arbeitsplätze geplant

Deutlich mehr als 2000 Mitarbeiter, zu einem großen Teil aus den umliegenden Gemeinden und Bremen, sollen beim US-Konzern in Zukunft tätig sein. Amazon kündigte bereits an, 300 dieser Stellen für hochqualifizierte Arbeitskräfte zu schaffen.

Einen detaillierteren Bericht über die facettenreiche Diskussion im Rathaus gibt es bis Freitag auf kreiszeitung.de.

Kommentar zur Amazon-Entscheidung

Von Michael Mix

Ob Stadt profitiert, wird sich noch zeigen

Jetzt ist es also klar: Amazon errichtet sein Logistikzentrum für den Nordwesten in Achim. Ob das für die Stadt gut ist oder nicht, wird sich noch zeigen.

Die vom Konzern versprochenen 2000 Arbeitsplätze sind für die Mehrheit des Stadtrates ein unschlagbares Argument gewesen. Zudem locken die zusätzlichen Steuereinnahmen. Und dass der Verkehrsgutachter versichert hat, dass mit dem Bau von neuen Zufahrten und Abbiegespuren rund um das künftige Versandhandelszentrum nahe der Autobahn-Anschlussstelle Achim-Ost sich die Verkehrssituation dort eher verbessern als verschlechtern wird, bestärkte viele Volksvertreter darin, sich der Ansiedlung von Amazon nicht in den Weg zu stellen.

Dabei ist es unzweifelhaft, dass mit dem Start des Logistikcenters die Zahl der Fahrzeuge insbesondere auf der Uesener Feldstraße, aber auch darüber hinaus, erheblich zunehmen wird. Fracht von A nach B transportierende Lkw und zu den Schichtwechseln zusätzlich die Autos von Mitarbeitern werden die Fahrbahnen und Knotenpunkte wie die Ueser Kreuzung noch mehr als sonst verstopfen, den Lärmpegel und die Abgasbelastung in die Höhe treiben. Nur wenn Amazon und die Stadt es hinbekommen, für auswärtige Kräfte ansprechende Bahn- und Busverbindungen zu schaffen und eine ähnlich hohe ÖPNV-Quote wie beim Logistikzentrum in Winsen (Luhe) erreichen, könnte der Alptraum vom Dauerstau in Achim nicht zur bitteren Realität werden.

Noch ist nicht abzusehen, ob Bürgermeister Rainer Ditzfeld und Bernd Kettenburg, sein Stellvertreter in der Verwaltung, der als Geschäftsführer der Grundstücksvermarktungsgesellschaft EVG das Vorhaben energisch vorangetrieben hat, sowie die mit im Boot sitzende Kreissparkasse und Kommunalpolitiker mit der Ansiedlung von Amazon in Achim tatsächlich einen Coup gelandet haben. Die Größenordnung – Amazon wird mit Abstand Achims größter Arbeitgeber sein – und die weit über die Region hinausreichende Aufmerksamkeit für das Projekt sprechen dafür.

Aber neben dem zu erwartenden Verkehrsproblem gibt es noch weitere heikle Punkte, die nicht zuletzt von einer Bürgerinitiative ins Feld geführt worden sind. Etwa die Arbeitsbedingungen mit Überwachung und mäßiger Entlohnung sowie die vielfach beklagte unzureichende Zahlung von Gewerbesteuern an die Kommune. Angekreidet wird Amazon zudem, sich gegen Betriebsräte und Tarifverträge zu sperren. Darüber hinaus ist noch ungeklärt, ob die Stadt nun rund zwei Millionen Euro EU-Fördermittel, mit denen eigentlich ein Gewerbeareal für kleine und mittlere Unternehmen angelegt werden sollte, zurückzahlen muss.

Unter dem Strich: Rechnungen mit einigen Unbekannten. Will Amazon nicht weiter in Verruf geraten, steht es in der Bringschuld. Ansonsten könnte auch das Ansehen der Stadt Schaden nehmen, anstatt dass Achim, wie von vielen erhofft, als großer Gewinner dasteht.

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