Landtagsabgeordnete Dr. Dörte Liebetruth legt SPD-Konzept der Grundrente als Lösungsansatz nahe

„Altersarmut ist ein sehr weibliches Phänomen“

Dörte Liebetruth, Landtagsabgeordnete der SPD. Foto: ldu

Achim - „Lebensleistung verdient Respekt“ lautet das Prinzip, mit dem die SPD für ihre Grundrente wirbt. Zentral ist, dass mit „Lebensleistung“ nicht nur Berufstätigkeit, sondern auch Zeiten der Kindererziehung oder Pflege gemeint sind. Denn: „Altersarmut ist ein sehr weibliches Phänomen“, sagte die SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Dörte Liebetruth. Auf Einladung des Vereins „Gemeinsam mit Senioren“ referierte sie zum Thema Altersarmut. Forum war der Clubraum im Achimer Kasch mit einem überschaubaren, aber sehr interessierten Publikum.

Die deutschen Rentner nagen zwar nicht am Hungertuch: Die absolute Armutsgrenze liegt bei 1,90 Dollar zum täglichen Leben, so Liebetruth. Armut in Deutschland definiere sich relativ, über gesellschaftliche Teilhabe. Die Grundsicherung betrug 2018 für Singles 416 Euro und für Ehepartner 374 Euro monatlich. Liebetruth zufolge wächst in Deutschland die Zahl dieser relativ armen Alten: 2010 lebten 2,6 Prozent, 2017 schon 3,2 Prozent der Rentner von Grundsicherung.

Als Ursachen nannte Liebetruth niedrige Löhne und wechselhafte Biografien. Emil Gitz von „Gemeinsam mit Senioren“ ergänzte noch als Faktoren teure Mieten und Niedrigzinsen, die das Sparen erschweren.

Die SPD will die Grundrente für alle, die mindestens 35 Jahre (im Sinne von Lebensleistung) gearbeitet haben. „Eine Friseurin, die 40 Jahre auf dem Niveau des Mindestlohns voll gearbeitet hat, kommt derzeit auf eine monatliche Rente von 512,48 Euro. Mit einer Grundrente wären es 960,90 Euro“, so Liebetruth. Ein Zankapfel in den Verhandlungen mit dem Koalitionspartner CDU: Das Konzept der Grundrente enthält keine Bedürftigkeitsprüfung. „Wir wollen Leistung honorieren. Das verträgt sich nicht mit einer Bedürftigkeitsprüfung“, bemerkte Liebetruth. Als Berechnungsgrundlage dienen Entgeltpunkte, die aufgrund der gezahlten Versicherungsbeiträge vergeben werden sollen.

Die Anwesenden diskutierten zudem über Mindestlohn und sozialen Wohnungsbau: „Deutschland zahlt im europäischen Vergleich Dumping-löhne“, so Emil Gitz. Ein Missstand, den nicht nur die Politik, sondern auch die Gewerkschaften angehen müssten, war man sich einig. Beim sozialen Wohnungsbau sei vieles, was früher in öffentlicher Hand lag, an private Baugesellschaften verkauft worden. „Umweltminister Olaf Lies, der auch für das Ressort Bauen zuständig ist, engagiert sich sehr für eine soziale Wohnungspolitik“, so Liebetruth.  ldu

Beratung und Hilfe

Senioren- und Pflegestützpunkt des Landkreises (Kontakt: Oliver Rothhardt, Telefon 04231/15374 oder senioren@landkreis-verden.de); in Achim: Senioren- und Behindertenbeirat (mittwochs von 10 bis 12 Uhr, Raum 156 des Rathauses), die Sozialverbände SoVD und VdK sowie Deutscher Mieterbund (zweimal monatlich, montags von 14.30 bis 16.30 Uhr, Raum 150 des Rathauses).

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