SERIE JUGENDARBEIT WÄHREND DER PANDEMIE Verein Sofa bietet vielfältige Alternativen

Aktiv bleiben und Angebote anpassen

Mit einer Pandemie hatten sie bisher keinerlei Erfahrung, aber mit kreativen Ideen und Angeboten sind die Jugendsozialarbeiter vom Verein Sofa auch in der Krise immer aktiv mit Jugendlichen im Kontakt geblieben. Beim Angebot „Offene Tür“ sind für Jan-Henning Göttsche und Johannes Graf (vorne von links) nun wieder gemeinsame Spiele mit Besuchern möglich.
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Mit einer Pandemie hatten sie bisher keinerlei Erfahrung, aber mit kreativen Ideen und Angeboten sind die Jugendsozialarbeiter vom Verein Sofa auch in der Krise immer aktiv mit Jugendlichen im Kontakt geblieben. Beim Angebot „Offene Tür“ sind für Jan-Henning Göttsche und Johannes Graf (vorne von links) nun wieder gemeinsame Spiele mit Besuchern möglich.

Achim – Mit den Corona-Kontaktbeschränkungen wurde dem Verein Sozialpädagogische Familien- und Lebenshilfe (Sofa) praktisch die Arbeitsgrundlage entrissen: „Unsere Kerntätigkeit liegt in Beziehungsarbeit, Nähe herzustellen ist unser zentrales Ziel“, erklärt Jan-Henning Göttsche, Jungenarbeiter im Achimer Jugendtreff, „deshalb haben wir alles daran gesetzt, mit den Kindern und Jugendlichen weiter in Kontakt zu bleiben.“

Der Verein Sofa, mit Sitz an der Feldstraße 11 in Achim, besteht seit mehr als 20 Jahren. Seit Gründung ist die Einrichtung kontinuierlich gewachsen und zählt inzwischen rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in der gesamten Region Familien begleiten und Kinder, Jugendliche sowie junge Erwachsene in Krisensituationen unterstützen. Die Stadt Achim nimmt das Fachangebot seit vielen Jahren bedarfsweise in Anspruch und hatte Anfang 2019 die Zusammenarbeit vertraglich auf ein neues Fundament gesetzt.

Im Bereich der Jugendarbeit betreibt der Verein den Jugendtreff an der Langenstraße 1 a und zusätzliche mobile Projekte: Unter dem Titel „Carmeleon“ schaffen die Pädagogen und Therapeuten spezielle Anlaufpunkte in den jeweiligen Stadtgebieten. Außerdem möchten die Jugendsozialarbeiter über die Initiative „Campus“ in Kooperation mit Schulen Kindern und Jugendlichen alternative Freizeitangebote im Schulumfeld bieten. „Die Paletten-Insel war ein solcher Versuch“, beschreibt Göttsche die Ambitionen. „Leider mussten wir erkennen, dass die Schüler nach dem Unterricht nicht gerne auf dem Gelände bleiben oder in ihrer Freizeit dorthin zurückkehren.“

Stattdessen wurde der „Wave-Club“ ins Leben gerufen. Dieser Kreativ-Treffpunkt liegt im Schulgebäude und wird von der Schule und Sofa gemeinsam genutzt. All diese Angebote durften aber nach der ersten Corona-Verordnung Mitte März nicht mehr stattfinden. Das war für die Fachleute jedoch kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. „Gar nichts machen war für uns einfach keine Option“, sagt Kunsttherapeut Johannes Graf.

Dabei habe sich die große Bandbreite der zur Verfügung stehenden Fachkräfte als Vorteil erwiesen: Ein Sorgentelefon wurde eingerichtet sowie ein „Offenes Fenster“ am Jugendtreff. Mit dem Instagram-Account Achim_was_los wurde eine Online-Präsenz aufgebaut, und die Kochgruppe fand einfach per Video-Kanal statt. Viele Kreativangebote wurden entwickelt, wie zum Beispiel Bastel-Sets zur Abholung, Tanzanleitungen via Youtube oder ein „Mal- und Kritzelbuch“. Ein Vorteil sei gewesen, dass über die Familienhilfe des Vereins weiterhin Kontakt zur Zielgruppe bestanden habe. Aber man sei auch mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, habe die Jugendlichen draußen aufgesucht und über neue Angebote informiert.

Später, als erste Lockerungen beschlossen wurden und kleinere Gruppentreffen wieder möglich waren, haben die Jugendsozialarbeiter „Action-Bound“ ins Leben gerufen, eine GPS-Schatzsuche im Stadtgebiet. Auch ein Graffiti-Lehrgang lag nahe, weil das gestalterische Sprühen sowieso draußen und mit Maskenpflicht stattfindet. Schließlich, seit Anfang Juli, kehrte mit einem selbsterstellten Hygienekonzept langsam wieder Normalbetrieb im Jugendtreff ein. „Die Jugendlichen halten sich sehr gewissenhaft an die Vorgaben“, loben Göttsche und Graf die jungen Besucher und freuen sich über wiedergewonnene Kontaktmöglichkeiten. Man habe in der Jugendarbeit während der Pandemie eine vollkommen absurde Situation erlebt: „In einer Zeit, in der man besonders füreinander da sein sollte, war genau das nicht möglich“, beklagt Göttsche.

Die Themen Corona und Kontaktbeschränkungen bleiben auf jeden Fall weiter bestehen, darin sind sich die Fachleute einig, aber man sei nun besser aufgestellt und vorbereitet. Generell könne man aus der Krise lernen und in Zukunft Videokonferenzen und digitale Kommunikation unterstützend einbeziehen – und dadurch gleichzeitig die Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen schulen. Handynutzung könnte auf diese Weise konstruktiv eingesetzt werden.

Von Ingo Schmidt

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