Stadt kontra Heimatverein

Ärger um Zigarrenmacherstube
im Achimer Rathaus

Die Zigarrenmacherstube, die der Heimatverein im Rathausfoyer eingerichtet hatte, zeigt die Geräte des letzten Achimer Zigarrenmachers Hinrich Klenke.
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Die Zigarrenmacherstube, die der Heimatverein im Rathausfoyer eingerichtet hatte, zeigt die Geräte des letzten Achimer Zigarrenmachers Hinrich Klenke.

Achim – An die Zigarrenmacher, die vor mehr als 100 Jahren und auch noch danach Achim zu einer Hochburg ihrer Zunft machten, erinnert eine Skulptur vor dem Rathaus. Der örtliche Heimatverein hatte dem alten Handwerk aber ebenfalls im Verwaltungsgebäude selbst ein Denkmal gesetzt, was nun allerdings in der Versenkung verschwunden ist. Das wiederum hat die Lokalhistoriker auf die Palme gebracht.

Aber warum ist die 2003 vom Verein im Erdgeschoss des Rathauses eingerichtete Zigarrenmacherstube vom angestammten Platz im Glaskasten nahe des Bürgerbüros verschwunden?

Es hat mit der Corona-Pandemie und den daraus resultierenden Kontaktbeschränkungen und Hygieneregeln zu tun, verrät Erster Stadtrat Bernd Kettenburg auf Nachfrage. „Die Zigarrenmacherstube hatte ihren Standort im Foyer in einem Bereich, wo Gehbehinderten ein barrierefreier Zugang zum Rathaus ermöglicht wird. Wegen Corona mussten wir den Besucherverkehr seit dem Frühjahr vergangenen Jahres kanalisieren und nutzen den Glaskasten seitdem als Empfangs- und Registrierungsstelle“, erläutert Kettenburg.

Die Exponate des Heimatvereins seien im Keller des Rathauses eingelagert worden. „Es ging ruckzuck, zugegebenermaßen“, räumt der Vizeverwaltungschef ein.

Heinz-Dieter Schütte, Vorsitzender des Heimatvereins, schäumt immer noch. „Die Art und Weise, wie die Stadt mit uns umgegangen ist, hat mir nicht gefallen“, sagt er auf Nachfrage. Eine Sekretärin aus dem Rathaus habe ihm damals mitgeteilt, dass die Vitrine innerhalb von drei Tagen leergeräumt sein müsse. „Dieses Verhalten war gegenüber dem Heimatverein respektlos“, stellt Schütte fest. „Warum hat man uns nicht rechtzeitig zu einem Briefing zusammengeholt?“

Seit Beginn der Corona-Beschränkungen dient der einst die Ausstellung beherbergende Glaskasten als Registrierungsstelle für Besucher des Rathauses. Aber auch künftig will die Stadt dort einen Empfang betreiben und hat dafür Rosa Nieto (l.) eingestellt.

„Ich kann nachvollziehen, dass der Heimatverein sich überrumpelt fühlte“, antwortet Kettenburg auf die Vorwürfe. „Aber es ging um die Gesundheit von Menschen.“

Ursprünglich sei die Verbannung der musealen Gegenstände und der im Glaskasten geschaffene Empfang als eine vorübergehende Lösung angedacht gewesen, doch die Pandemie ziehe sich hin. Und das Provisorium habe sich inzwischen bewährt.

„Es hat sich herausgestellt, dass der Empfangstresen für Besucher mit kleinen Anliegen sinnvoll ist“, sagt Kettenburg. „Wir haben niedrigschwellige Angebote aus dem Bürgerbüro ausgelagert.“ Gelbe Säcke oder Vordrucke für die Einkommenssteuererklärung seien nun im Foyer zu bekommen. Zudem wolle die Stadt den Bürgern mit der „zentralen Anlaufstelle“ auch eine bessere Orientierung im Rathaus bieten.

Ansprechpartnerin ist dort Rosa Nieto. „Für viele ist es schwierig, sich in dem recht großen Gebäude zurechtzufinden“, bestätigt die 46-Jährige, die seit Februar als „Lotsin“ bei der Stadt tätig ist, auch gerne Post entgegennimmt. Der Empfang solle in den kommenden Wochen noch durch Bilder, Blumen, Schränke einladender und funktionaler gestaltet werden. „Auch zwei Aufsteller für Flyer sind hier noch vorgesehen.“

Die Zigarrenmacherstube solle auf der anderen Seite des Foyers, an der Flanke zum „Atrium“, neu aufgebaut werden, lässt Kettenburg abschließend wissen. „Dort dürfte sie wesentlich mehr Beachtung finden als am bisherigen Standort“, zeigt er sich überzeugt, und spricht von einer „Win-Win-Situation“ für alle Beteiligten.

Mit ihm habe darüber noch keiner gesprochen, entgegnet Heinz-Dieter Schütte. Die eigens für die kleine Ausstellung aus Glas und Aluminium gebaute Vitrine habe den Verein immerhin 5 000 Euro gekostet. „Aber wir sind bereit, mit einem Architekten über einen neuen Standort zu sprechen.“

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