Die Geschichte der Honigkuchenfabrik

Achims süße Vergangenheit

Eine Ansichtskarte der Firma anno 1907.

Achim - Von Günter Schnakenberg. Ist es der Nikolaus oder der Weihnachtsmann? Diese Frage wird oft gestellt, wenn Besucher unserer Stadt vor dem Giebel des Hauses Obernstraße 59 stehen. Die Antwort sollte jeder Betrachter für sich entscheiden.

Die Bedeutung dieses schön verzierten Giebels klärt ein Blick auf die Klinkerfassade neben diesem Schmuckgiebel. Rieke’s Honigkuchen-Fabrik steht dort mit typisch norddeutschen Apostroph-S in großen Buchstaben geschrieben und deutet darauf hin, dass einst hinter diesen Mauern köstliche Leckereien hergestellt wurden.

Angefangen hatte alles im Jahre 1862. Diedrich Adolph Oelfke, jüngster Sohn des Brinksitzers und Gastwirts Johann Friedrich Oelfke, hatte 1860 aus dem väterlichen Nachlass ein Nebenhaus der Brinksitzerstelle geerbt. Dieses Nebenhaus lag gegenüber dem Amtsgericht, Obernstraße, Ecke Am Schmiedeberg. Diedrich Oelfke hatte Bäcker gelernt, und was lag näher, als in seinem Haus eine Bäckerei zu gründen? Das war 1862.

1864 heiratete er die Tochter des Baumanns Elfers aus der Feldstraße, Marie Elisabeth Elfers. Aber das junge Glück währte nicht lange. Anfang 1869 verstarb Diedrich Oelfke plötzlich. Nun saß die junge Witwe mit zwei kleinen Kindern und dem Geschäft da.

Zwar lief die Bäckerei dank tüchtiger Gesellen weiter, aber auf lange Sicht gesehen gehörte wieder ein Mann ins Haus. Diesen fand Elisabeth Oelfke in Peter Heinrich Rieke aus Suttorf bei Melle, einem Bäcker, der vermutlich auf seiner Gesellenwanderung eine Zeit lang in der Oelfkeschen Bäckerei gearbeitet hatte.

Mit der Heirat im Jahre 1872 begann nun die Ära der Bäckerei Rieke. Zunächst wurden in der Backstube gängige Backwaren, wie Brot, Brötchen und Kuchen hergestellt.

Wann nun genau die ersten Honigkuchen im Hause Rieke gebacken wurden, ist nicht bekannt. In die Öffentlichkeit trat Peter Heinrich Rieke mit dem Angebot an Honig- und Braunkuchen in der Weihnachtszeit 1897. Das waren vermutlich die ersten Schritte des Sohnes Albert, der neben dem Bäcker- auch das Konditorhandwerk erlernt hatte.

Doch zunächst blieb es erstmal bei der Honigkuchenherstellung zur Weihnachtszeit. Aber es zeigte sich, dass neben der Bäckerei der Platz für die Konditorei in dem alten Haus nicht ausreichte. Deshalb wurde das alte Haus 1901 abgerissen und es entstand ein sehenswerter zweistöckiger Neubau.

Den Entwurf hatte Bäckermeister Peter Heinrich Rieke dem Achimer Architekten Johann Hinrich Meislahn übertragen. Das Gebäude wurde von der Firma. Hinrich Meislahn unter Mitwirkung der Firma Johann Warnken erbaut. Und so entstand bis 1902 dieses Wohn- und Geschäftshaus im Stil des Historismus.

Sehr wahrscheinlich hatte Sohn Albert an der Konzeption des Hauses mitgearbeitet, denn nachdem er 1903 die Meisterprüfung mit Erfolg bestanden hatte, richtete er im Januar 1904 eine Kaffee-Stube im elterlichen Hause ein. In diesem ersten und damit ältesten Achimer Café konnte nun die hiesige Damenwelt die Köstlichkeiten der Riekeschen Konditorei an Ort und Stelle probieren.

In der nächsten Folge:

Albert Rieke lässt das alte Backhaus abreißen und ein zweistöckiges erbauen.

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