Achimer Versammlung vor der Kapitulation

Nach Hölle des Krieges Heimweh und Hunger

Achim - Von Manfred Brodt. Am 21. April 1945 waren mit der britischen Besatzung die Kampfhandlungen in Achim beendet. Am 8. Mai kapitulierte Deutschland und setzte so dem mörderischen Blutvergießen im Namen des Rassen- und Größenwahns zumindest in Europa ein Ende. Wenige Tage vorher, am 4. Mai 1945, waren in einer Achimer Gaststätte auf Einladung des damaligen Bürgermeisters Fritz Rübeck 14 Achimer zusammengekommen, um die „Trümmer aufzuräumen“ und die Grundlagen für den Neuaufbau zu legen.

Die Niederschrift der Versammlung beginnt mit den Worten: „In Rücksicht auf die am 21. April erfolgte Übernahme der Macht durch die englische Militärregierung und namentlich in Rücksicht auf die durch den Kriegsbeschuss und die Truppen und Kriegsgerätebewegungen entstandenen Schäden an Straßen und Gebäuden und öffentlichen Anlagen, ferner in Rücksicht auf die durch die Schließung der Kriegsindustriebetriebe eingetretene Arbeitslosigkeit waren zur Beratung über die Beseitigung eingetretener Missstände die in der Anwesenheitsliste bezeichneten Gemeindeangehörigen zusammengetreten.“

17 Punkte listen die Achimer Einwohner auf. Sie geben einen kleinen Einblick in die damals herrschende Not und die vorhandenen Probleme. Es heißt da in der Achimer Niederschrift vom 4. Mai 1945:

„Die Anfangszeit der Bewegungen der Einwohner außerhalb ihrer Wohnungen zum Melken und Torfgraben ist zu spät.

Die Ausländer, untergebracht in der Landwirtschaft, arbeiten nicht mehr.

Die Ausländer haben Sehnsucht nach Hause.

Das von vielen Einwohnern aus Weserkähnen geholte Korn muss zur Brotversorgung wieder zur Verfügung gestellt werden.

Die längere Öffnung der Schlachter- und Bäckerläden zur Vermeidung des Schlangestehens der Käufer auf den Straßen wird angeregt.

Wer selbst kein Brotkorn hat, muss auch Brot haben.

Es wird eine Versorgungskommission gebildet. Wegen Inordnungbringung wird eine Bau- und Aufräumungsaktion gebildet.

Arbeitswillige dürfen keine Lebensmittelkarten erhalten.

Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass in Thedinghausen noch Teerpappe und in Achim noch 70 Sack Kalk lagern.

In Rücksicht darauf, dass das staatliche Arbeitsamt nicht mehr arbeitet, wird die Bildung eines lokalen Arbeitsamtes empfohlen. Es wird eine Kommission dafür gewählt.

Es wird auf die Notwendigkeit der Wiederinstandsetzung des elektrischen Ortsnetzes hingewiesen.

Es wird auf dei Sicherstellung von Material aus den Flakstellungen hingewiesen, das zum größten Teil viele Einwohner sich schon angeeignet haben.

Es ergeht der Hinweis, dass die Bänke im Bremer Durchgangslager von der Bremer Stadtverwaltung verkauft werden.

Ein Bürger weist auf erforderliches Stubbenaufheben hin. Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass im Öllager in Uesen noch Kohlen vorhanden sind.

Es wird empfohlen die Abgabe von aus Thedinghausen erhaltener Butter der Nummern 21 und 60 der Lebensmittelkarte abzuschneiden, weil dies in Thedinghausen auch geschehen ist.“

Dem Krieg folgten die „arme Zeit“ und viele Flüchtlinge, Vertriebene aus den verlorenen deutschen Ostgebieten.

Mehr zum Thema:

CDU siegt bei Saar-Wahl - SPD profitiert nicht von Schulz

CDU siegt bei Saar-Wahl - SPD profitiert nicht von Schulz

Gewinner und Verlierer: Der Saarland-Wahltag in Bildern

Gewinner und Verlierer: Der Saarland-Wahltag in Bildern

4:1: Deutschland gelingt souveräner Sieg in Aserbaidschan

4:1: Deutschland gelingt souveräner Sieg in Aserbaidschan

Bilder und Noten: DFB-Elf holt souveränen Sieg in Aserbaidschan

Bilder und Noten: DFB-Elf holt souveränen Sieg in Aserbaidschan

Meistgelesene Artikel

Betrunkener Schwertransport-Begleiter verursacht Unfall auf A27

Betrunkener Schwertransport-Begleiter verursacht Unfall auf A27

Reh ausgewichen: Audi Cabrio überschlägt sich drei Mal 

Reh ausgewichen: Audi Cabrio überschlägt sich drei Mal 

„Achim ist jetzt Teil der Coca-Cola-Familie“

„Achim ist jetzt Teil der Coca-Cola-Familie“

Fahrer verursacht Unfall und flüchtet

Fahrer verursacht Unfall und flüchtet

Kommentare