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Verein „Lost & found animals“ unterhält Futterstellen für Streuner und Tiertafel

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Von: Lisa Duncan

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Mit dem Transporter sind die Mitglieder von „Lost and found animals“ oft in Sachen Tiertafel unterwegs. Kater Mr. Grey fühlt sich bei Sabine Puvogel, Nicole Asendorf und Rebecca Holle (v.l.) wohl.
Mit dem Transporter sind die Mitglieder von „Lost and found animals“ oft in Sachen Tiertafel unterwegs. Kater Mr. Grey fühlt sich bei Sabine Puvogel, Nicole Asendorf und Rebecca Holle (v.l.) wohl. © Duncan

Achim – 40 Katzen hatte ein Nachbar im Mai 2020 in einer Scheune in Cluvenhagen entdeckt, und unter anderem Sabine Puvogel verständigt, die sich zu dieser Zeit noch für die Tierhilfe Achim engagierte. „Allein 22 Kitten haben wir da rausgeholt und alle erwachsenen Katzen kastriert“, erzählt Puvogel, deren Interesse am aktiven Tierschutz nach eigenen Angaben vor allem durch Vorfälle wie diese geweckt wurde.

Als Melanie Windolf umzugsbedingt die Tierhilfe Achim verließ, löste sich der Verein auf. Vor rund einem Jahr formierte sich mit Sabine Puvogel als Vorsitzende ein Nachfolgeverein: „Lost & found animals“ nimmt sich des Problems mit den Streunern an, unterhält eine Tiertafel für bedürftige Tierhalter und ist dabei, das Projekt „Umweltschule“ aufzubauen.

Sabine Puvogel hat selber Katzen und bekam bei der Tierhilfe viele Fälle mit, in denen Menschen Streunern helfen wollten, aber von Behördenseite wenig oder keine Unterstützung erhielten. „Für uns fängt Tierschutz damit an, nicht wegzuschauen oder sich hinter Zuständigkeiten zu verstecken“, heißt es im Flyer des Vereins, der offiziell im Juli 2021 gegründet wurde. Puvogel stehen Nicole Asendorf als Stellvertreterin und Rebecca Holle als Kassenwartin zur Seite. 13 Mitglieder zählt der noch junge Verein.

„Das Leben auf der Straße ist hart, auch für Streuner“

Wie streunende Katzen auch zur Belastung für die Nachbarschaft werden können, erfuhr das Vorstandstrio gleich bei seiner ersten Aktion auf dem Industriegelände in Westertimke (Gemeinde Tarmstedt), wo sich unkastrierte, besitzerlose Katzen exponentiell vermehrt hatten. „Das Leben auf der Straße ist hart, auch für Streuner. Im Durchschnitt überleben nur drei Katzen eines Wurfs“, erklärt Puvogel, und rechnet vor: Dennoch entstünden aus diesem Wurf nach einem Jahr zwölf Katzen, nach zwei Jahren 69 Katzen, nach drei Jahren 398 Katzen und so weiter. „Die Kastration kann das Leid verhindern, bevor es entsteht“, betont Puvogel. Darum kann sie auch nicht verstehen, „dass nicht alle Landkreise an einem Strang ziehen und die Kastrationspflicht durchsetzen“. Die kastrierten Tiere könnten dann ihr freies Leben in der Nähe von Futterstellen weiterführen, wo sie die Mitstreiterinnen des Vereins im Auge behalten, um sie bei gesundheitlichen Auffälligkeiten erneut zu fangen und zum Tierarzt zu bringen. Das diene dem Seuchenschutz und sei sowohl für Streuner als auch Wildtiere gut.

„In Westertimke lief es gut: Tierärzte haben die Katzen kastriert, auch die Kommune hat etwas dazugegeben“, berichtet Rebecca Holle, die in Westertimke wohnt. Der Verein überwacht seine Futterstellen zudem per Video (mit Infrarotsicht), um die Vermehrung der Katzen unter Kontrolle zu bringen – oder Sabotage von Wildtieren. „An der Futterstelle am Waldrand hatte sich der Fuchs bedient. Auf dem Video haben wir gesehen, wie er die Näpfe geklaut hat. Das konnten wir lösen, indem wir die Futternäpfe richtig befestigt haben“, so Holle. Auch für die Streuner sollen die Futterstellen nicht als Vollversorgung, sondern lediglich als Zubrot dienen.

Technik erleichtert Kastration von Katzen

Mittels moderner Technologie kann der Verein punktuell die richtigen Tiere für die Kastration einfangen. „Hier in Achim habe ich auf den Knopf gedrückt und vor Ort die richtige Katze gefangen“, sagt Sabine Puvogel.

Doch nicht nur in Sachen Streuner, sondern auch für den Fall, dass Tierhalter mit ihrer Aufgabe überfordert sind, wird der Verein beratend und/oder vermittelnd aktiv. „Manche Leute schaffen sich ein Tier an, ohne sich vorher Gedanken über die richtige Pflege zu machen“, erklärt Nicole Asendorf. So rettete das Trio ein Kaninchen, das auf dem Balkon in einem Wäschekorb hauste. Ebenfalls auf dem Balkon hatte eine Familie zwei Enten halten wollen. „Die hatte jemand als Küken für sein Kind gekauft“, erzählt die stellvertretende Vorsitzende. Dass dieses Umfeld alles andere als artgerecht für die Vögel war, zeigt der Umstand, dass eine Ente bereits tot war, als die Tierschützerinnen eintrafen. Oder Kater Krümel: Er hatte Blutohren, als „Lost & found animals“ ihn aus seiner Familie holte. Die Besitzerin schaffte es nicht mehr, die Katzenohren regelmäßig zu spülen. Krümel verstarb kurz vor Weihnachten 2021 im Alter von 13 Jahren.

Auch die Kenntnisse, die es für die Haltung exotischer Tiere braucht, werde von Haltern oft unterschätzt. So wendete sich ein überforderter Besitzer dreier Bartagamen, einer australischen Echsenart, an den Verein. Das Männchen hatte sich mit den zwei Weibchen paaren wollen, wobei er das eine, für ihn viel zu kleine und zarte Exemplar, mit Bissen traktiert hatte. Nicole Asendorf brachte die kleinen Weibchen woanders unter und holte für das Männchen die robustere „Brunhilde“. Nun leben beide im vereinseigenen Terrarium, wo sie als Nachbarn einer weißen Kornnatter untergebracht sind.

Es sei verpönt, darüber zu sprechen, dass Tierhalter Hilfe brauchen, stellt Puvogel fest. „Dabei können sich ihre Lebensumstände während der Tierhaltung ändern. Wir wollen den Leuten helfen, ihrer Verantwortung für das Tier weiter gerecht zu werden“, sagt sie. „In Zeiten von Corona ist das Tier manchmal der einzige soziale Kontakt“, weiß Nicole Asendorf. Das gelte gerade auch für Menschen, die kaum Geld für andere Freizeitaktivitäten haben.

Tiertafel für bedürftige Tierhalter eingerichtet

In diese Kerbe schlägt der Verein mit seiner durch Futterspenden ermöglichten Tiertafel. Nachweislich bedürftige Tierhalter können die mobilen Ausgabestellen ansteuern, etwa am Achimer Bahnhof, bei Netto in Ottersberg oder Edeka in Dörverden. Der Verein rettet auch Lebensmittel vor dem Müllschlucker und gibt sie an die Tierhalter weiter. 30 Personen nutzten die Tiertafel 2021, pro Monat verteilte „Lost and found animals“ 270 Kilogramm Nass- und 80 Kilogramm Trockenfutter.

Eine weitere Säule der Vereinsaktivität befinde sich im Aufbau: Mit der „Umweltschule“ haben sich die Tierschützerinnen vorgenommen, „Natur- und Umweltthemen altersgerecht aufzuarbeiten und aktiv in Schulen und Kindergärten zu präsentieren“, heißt es im Flyer. Der Gedanke: Wenn Kinder früh Respekt und Wertschätzung für die Umwelt lernen, könnten sie sich später dafür einsetzen. Dazu will Sabine Puvogel in ihrem Vorgarten eine Art Lerngarten einrichten, es gibt aber noch viele weitere Ideen.

Wer Lust hat, den Verein durch Mitarbeit oder Spenden zu unterstützen, wendet sich an Sabine Puvogel unter Telefon 0170/ 4877232 oder Nicole Asendorf unter 0176/20611922 oder schreibt sie unter folgender E-Mail-Adresse an: lost.and.found.animals.achim@gmail.com. Auch Sachspenden in Form von Futter oder ausrangiertem Tierzubehör nimmt der Verein gerne an. Aktiv werden kann man zudem als Futterstellen- oder Streunerpate sowie mit einer Pflegestelle für die kurzfristige Unterbringung von Haustieren.

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