Die Achimer Tafel stößt mit 23 000 Kunden an die Grenze ihrer Kapazität / Weitere Helfer und Spenden willkommen

„Wir werden uns etwas einfallen lassen“

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Das Malerteam der Achimer Tafel, das die Räume renovierte. Mittendrin Lisa Henschel, die die fleißigen Arbeiter versorgte.

Achim - Seinen Optimismus hat er nicht verloren. Ja, geradezu voller Tatendrang wirkte er. Gestern informierte Rainer Kunze, Vorsitzender der Achimer Tafel, in einem Pressegespräch darüber, wie „seine“ Einrichtung den Zustrom an Flüchtlingen meistert. Aufgabe der Tafel ist es, gespendete und gesammelte Lebensmittel an Bedürftige auszuteilen.

Zuvor jedoch ein kurzer Rückblick auf die Renovierung. Dafür war das Tafelhaus an der Unterstraße 9 zwei Wochen lang geschlossen (wir berichteten). „Erst erneuerten wir den Fußboden. Der muss jetzt mindestens zehn Jahre lang halten“, sagte Kunze. Ein Team von 14 Mitarbeitern strich anschließend sämtliche Räume. Dafür war eine Woche eingeplant, doch die fleißigen Arbeiter schafften es in der Hälfte der Zeit.

Dann wurden Regale für die Waren eingebaut und ein Sozialbereich für die Ehrenamtlichen hergerichtet. „Schließlich sollen sich die Helfer hier wohlfühlen“, meint Beisitzerin Lisa Henschel. „Professionell, sauber und ordentlich sieht es jetzt aus“, findet Kunze. Die Renovierung kostete 15000 Euro. „Das Geld haben wir im Laufe der Zeit angespart“, sagte der Vorsitzende. Als Dankeschön will er ein Essen für die Renovierungshelfer organisieren.

Zwei Paletten Pizzen

aus Wunstorf geholt

„Wie steht die Achimer Tafel im Herbst 2015 da?“, leitete Kunze ein ernstes Thema ein. „Seit einem Jahr kommen Flüchtlinge, und in den vergangenen Wochen ist der Zustrom dramatisch geworden. Rund 1400 Flüchtlinge sind jetzt im Landkreis Verden untergebracht“, sagt er und ergänzt: „Die Tafel hat sich von Anfang an ohne große Diskussion darauf festgelegt, jeden aufzunehmen, der sich hier anmeldet – Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht und Familienstand sind egal.“ Die Helfer kümmern sich um die Flüchtlinge, auch in den Ausgabestellen in Bassen und Lunsen. „Die Menschen sehen bei uns Lebensmittel, die sie nicht kennen, beispielsweise Erdbeeren. Wir geben ihnen eine Frucht zum Probieren“, erzählt Henschel. Weitere Obstsorten und Gemüse sind den Flüchtlingen ebenfalls unbekannt.

Der Anteil an Flüchtlingen, die ihre Lebensmittel von der Tafel bekommen, ist gestiegen. In Achim versorgt die Tafel 210 Flüchtlinge, in Bassen 110 und in Lunsen 50. „Das sind rund 70 Prozent der Flüchtlinge, die in unserem Einzugsgebiet Achim, Oyten, Ottersberg und Thedinghausen wohnen“, bilanziert er.

Waren es vor einem Jahr noch insgesamt 7800 Ausweise, die die Achimer Tafel im Nordkreis ausstellte, sind es inzwischen 9600. Dahinter stecken 23000 Menschen.

Eine Herausforderung für die Tafel. „Wir haben nicht vor, einen Aufnahmestopp zu verhängen. Da werden wir uns etwas anderes einfallen lassen“, sagt Kunze klipp und klar. 20 Supermärkte stellen für die Achimer Tafel Lebensmittel bereit – weitere gibt es nicht. Waren zuzukaufen, ist gemäß der Satzung der deutschen Tafeln verboten.

Doch da die Achimer Tafel mit umliegenden Einrichtungen zusammenarbeitet und auch sonst gut vernetzt ist, gibt es immer irgendwo Hilfe. Gestern beispielsweise holten Helfer mit einem der beiden Kühlwagen zwei Paletten Tiefkühlpizzen aus Wunstorf ab. „Die weiten Fahrten sind eine Belastung für unsere ehrenamtlichen Helfer“, sagte Kunze. Deshalb sind weitere Helfer, die das Team der rund 100 Ehrenamtlichen verstärken wollen, willkommen. Und: Die Fahrten gehen ins Geld. Deshalb freut sich der Verein über Spenden. Auch über Lebensmittelspenden.

Eines ist für Kunze klar: „Wir werden das schaffen. Notfalls müssen wir weniger Lebensmittel an die Kunden ausgeben.“

Weitere Informationen gibt es bei der Achimer Tafel unter der Rufnummer 04202/ 953176 und im Internet unter www.achimer-tafel.de. Für Spenden wurde bei der Kreissparkasse Verden das Konto 12534301, BLZ 29152670 eingerichtet.

is

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