„Es werden hier nicht ganze Gruppen ausgeschlossen“

Achimer Tafel: Essen kein Vorbild

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Die Achimer Tafel heißt künftig Tafel Achim und bekommt dazu ein neues Logo. Das präsentieren hier, von links: die ehrenamtlichen Mitarbeiter Bruno Kroehn, Norbert Nickel, Lisa Henschel und Tafel-Vorsitzender Rainer Kunze. Zwischen ihnen Brigitta Eilers und Alexander Raake vom Tafel-Sponsor Immobilien Eilers. Rechts Jürgen Hille, Vorsitzender des Rotary-Stadttombola-Vereins.

Achim - „Unglücklich“ nennt der Achimer Tafel-Vereinsvorsitzende Rainer Kunze die Entscheidung der Essener Kollegen, neue Bezugskarten für Lebensmittel vorerst nur noch an deutsche Bedürftige auszuhändigen. In Achim werde nicht eine ganze Gruppe Hilfsbedürftiger ausgeschlossen, betonte er jetzt im Pressegespräch und verwies auf Tafel-Statuten. Unabhängig von politischer Einstellung und Konfession sei demnach Hilfe zu gewähren und Rassismus nicht zu dulden.

Zwar seien die Probleme der Stadt im Ruhrpott nicht mit denen Achims zu vergleichen, räumte Kunze ein. Die hiesige Tafel versorgt derzeit wöchentlich etwa 650 Bedürftige mit Lebensmitteln. In Essen sind es zehnmal so viele – bei einem Flüchtlingsanteil von 75 Prozent. In Achim liegt dieser bei 47 Prozent.

Probleme wie Wegschubsen Älterer oder Vordrängeln seien hier gerade aus Zeiten der großen Flüchtlingswelle ebenfalls bekannt. Regelverstöße begingen aber nicht nur Flüchtlinge, und es sei sofort „konsequent durchgegriffen worden“, so Tafel-Mitarbeiterin Lisa Henschel. Auch einzelne Ausschlüsse gab es. Inzwischen hat sich die Lage laut Kunze beruhigt.

Die Vergabe von Einlassnummern an Tafelkunden samt Angabe des Zeitraums, in dem der oder die Betreffende am besten vorbeikommen sollten, haben das Entstehen langer Warteschlangen und Ausrasten Ungeduldiger außerdem spürbar verringert.

Rund 50 Helfer seit Gründung dabei

Etliche Flüchtlinge und andere Menschen mit Migrationshintergrund sind inzwischen nicht mehr nur Kunden, sondern gehören zum insgesamt gut 100-köpfigen Team ehrenamtlicher Tafel-Helfer. Besonders beachtlich: Rund 50 der Helfer sind seit Gründung dieser Einrichtung 2007 mit dabei.

Genug Lebensmittel für alle Bedürftigen halte die Achimer Tafel weiterhin auch an ihren Ausgabestellen in Lunsen und Bassen bereit, versicherte Kunze. Er lobte die große Bereitschaft von Märkten und regionalen Lebensmittelproduzenten, überschüssige Waren bereitzustellen. Neben dem einen Hauptziel „Menschen helfen“ werde so zugleich dem zweiten – „Lebensmittel retten“ – Rechnung getragen.

Personelle Engpässe gibt es bei der Achimer im Gegensatz zu Tafeln anderswo nicht. Da habe sich auch die Beschäftigung junger Menschen bewährt, die ihr „Bundesfreiwilligendienst“-Jahr ableisten.

50.000 Euro aus Tombola-Erlösen

Kunzes besonderer Dank galt abschließend allen Unterstützern, Spendern und Sponsoren. Zum Rotary-Stadttombolaverein existiert eine Art Win-Win-Beziehung: Tafel-Kräfte helfen seit 2002 bei Losverkauf und Gewinnverteilung. Im Gegenzug flossen seitdem gut 50.000 Euro aus Tombola-Erlösen der Tafel zu. Jährliche Unterstützung im vierstelligen Bereich gibt es von den Kommunen Achim, Oyten, Ottersberg und Thedinghausen.

2000 Euro spendet seit einiger Zeit jedes Jahr das Achimer Immobilienbüro Brigitta Eilers, das sich auch bei der Vermittlung bezahlbaren Wohnraums für ärmere Menschen sehr engagiert. Nicht zuletzt beschert die vom heutigen Bürgermeister Ditzfeld initiierte jährliche Wiegewette der Tafel Einnahmen.

Hohe Ausgaben erfordert 2018 die Anschaffung eines neuen Kühltransporters. Auch Mieten und andere Kosten wollen finanziert sein. Nur Personalausgaben fallen bei der Tafel nicht an. 

la

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