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Achimer Speeldäl will zurück auf die Bühne

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Von: Lisa Duncan

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Da gab es noch was zu lachen: Szene aus dem Stück „Neurosige Tieden“, das die Achimer Speeldäl 2019 auf die Bühne brachte, eine Verwechslungskomödie rund um eine Nervenklinik.  Das Foto zeigt Jessica Heinevetter, Anika Bosenius, Brigitte Diddens, Günter Kothe und Nena Kelm (v.l.).
Da gab es noch was zu lachen: Szene aus dem Stück „Neurosige Tieden“, das die Achimer Speeldäl 2019 auf die Bühne brachte, eine Verwechslungskomödie rund um eine Nervenklinik. Das Foto zeigt Jessica Heinevetter, Anika Bosenius, Brigitte Diddens, Günter Kothe und Nena Kelm (v.l.). © Achimer Speeldäl

Achim – Ausharren und die Aktivitäten herunterfahren – das war in den zwei Jahren, die die Corona-Pandemie inzwischen andauert, in vielen gesellschaftlichen Bereichen angesagt. Besonders betroffen war der auf Publikum angewiesene Kultursektor, professionelle Bühnen genauso wie Amateurtheater. Die Achimer Speeldäl hatte mit ihren jährlichen plattdeutschen Theateraufführungen seit Jahrzehnten im Weserort Erfolge gefeiert. Nun musste sie zum ersten Mal zwei Jahre hintereinander pausieren. Zaghaft regt sich aber Hoffnung bei den Laiendarstellern, im Oktober und November 2022 wieder ein Stück aufführen zu können.

„Wir sind gerade dabei, eins auszusuchen“, sagt Tim Beinker, aktuell Pressesprecher der Achimer Speeldäl. Für den 10. April, um 18 Uhr ist zudem die Jahreshauptversammlung im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch) geplant.

Auftritte, Applaus und Gelächter – davon lebt normalerweise das Laientheater. Wenn all dies fehlt, kann der Kontakt zum Publikum verloren gehen. „Darum habe ich versucht, diese Verbindung auch ohne Auftritte am Leben zu halten“, erklärt Beinker. Wenn also nicht im direkten Kontakt, dann eben digital. Nach Art eines Web-logs stellt Beinker jeden Donnerstag einen neuen Wortbeitrag auf die Internetseite – mit Erfolg. „Die Klickzahlen, die wir damit erreicht haben, finde ich famos“, freut sich der 47-Jährige. Insgesamt um die 130 000 Klicks hat die Achimer Speeldäl erzielt, „davon sind allein etwa die Hälfte seit 2020 dazugekommen“, berichtet Web-Administrator Beinker.

Online stellte Tim Beinker zunächst Fotos und kurze Berichte aus dem umfangreichen Archiv der Speeldäl, das Klaus Ulrich und Alfred Wilkens einst für den Verein angelegt und sorgfältig gepflegt hatten. Zur Abwechslung kommentierte Beinker auch mal das politische Geschehen auf plattdeutsch, natürlich auch den russischen Überfall auf die Ukraine.

Bei allem Ernst der Lage auch mal einen Spaß machen – „ich glaube, dass das ganz wichtig ist“, betont Beinker. Durch die Verknappung öffentlicher Veranstaltungen gewinne das einzelne Event an Bedeutung. „Mittlerweile macht man sich sogar schick für das Richtfest beim Nachbarn“, sagt er scherzhaft.

Aktuell ist auch die Theatergruppe nicht in voller Stärke vertreten. „Wir hoffen, dass wir sieben Leute zusammenkriegen, um die Rollen für das nächste Stück zu besetzen. In der Zeit, wo wir nicht aufgetreten sind, war es auch schwierig, Kontakt zu den Mitgliedern zu halten“, erzählt Beinker. Aber es gibt auch Positives zu vermelden: nämlich, dass „über persönliche Gespräche im Bekanntenkreis“ zwei bis drei neue Leute dazugekommen sind. So etwa Annette Gerlach, die früher schon Darstellerin bei der Speeldäl war und jetzt wieder zurückkommt, sowie Helmut Masemann, der beim TV Baden bereits Theater gespielt hat. „Er hat schon gezeigt, dass er es kann“, sagt Beinker – beim einzigen Auftritt in zwei Jahren Pandemie, am 9. Dezember 2021 auf der Adventsfeier des DRK Baden. Gegeben wurden die Sketche „Sin letzten Willen“ und „De leeve Ollen“. „Das hat so gutgetan und auch die Leute waren wieder voll dabei“, erinnert sich Beinker. Das Lachen der Zuschauer sei auch durch die Masken hindurch deutlich zu hören gewesen. Zwei weitere Auftritte waren für die Seniorenfeiern der Stadt Achim geplant, die aber aufgrund erneut hochschießender Ansteckungszahlen ausfielen.

Corona hatte zuvor auch der Theatersaison 2021 einen Strich durch die Rechnung gemacht. Am 5. April 2021 gibt Beinker auf der Internetseite die schwere Entscheidung bekannt: „Se ahnt dat seker al: mit Theater speelen warrt dat düt Johr nix! Wi hebbt överleggt, hin un her, aber wi kriegt dat eenfach nich hin.“

Sollte die Speeldäl mit neuem Stück für 2022 in die Planungen gehen, würden die Proben spätestens im Mai beginnen. Durch eine von Günter Kothe eingeführte Umstellung der Probeweise begann die Achimer Speeldäl zuletzt sogar etwas früher. Statt das gesamte Stück durchzugehen, werden einzelne Szenen geprobt. „Sonst gingen die Proben manchmal bis spät in die Nacht“, erinnert sich der 47-Jährige. Durch die Aufteilung seien die Proben nicht nur kürzer und intensiver, es stelle sich auch beim Text ein besserer Lerneffekt ein.

Knapp ist es übrigens schon lange beim Bühnenpersonal der Achimer Speeldäl. Das hat Beinker zufolge mit einem Generationswechsel zu tun. „Jahrelang ging es der Speeldäl sehr gut, aber dann sind viele ältere Schauspieler weggegangen“, so Beinker. Der Verein habe dies nicht rechtzeitig erkannt und gegengesteuert. Das Durchschnittsalter liegt aktuell bei 60 plus. Beinker befürchtet: „Irgendwann müssen sich die Schauspieler auch noch um das Bühnenbild kümmern.“ Außer Darstellern seien auch dringend Mitstreiter in den Bereichen Maske, Technik und Bühnenbau gefragt. Handwerkliches Talent sei nebensächlich – „es reichen zwei gesunde Hände“. Denn vielfach gehe es vor allem darum, die Kulissen hin und her zu tragen.

Wer mitmachen möchte, kann sich über das Kontaktformular melden. Auf der Jahreshauptversammlung am 10. April sind laut Beinker zudem Vorstandsposten neu zu besetzen, etwa Schriftführer und Bühnen-Obmann.

Mehr Infos und Kontaktformular unter

https://achimer-speeldael.webnode.com

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