„Lernatmosphäre und Vertrauen aufbauen“

Achimer Schulen begrüßen Präsenzunterricht trotz Omikron

Omikron zum Trotz will die Landesregierung den Präsenzunterricht an allen Schulen ermöglichen – so auch an der IGS Achim. Das erfreut sowohl die Schulsprecher Alena Schröder und Serhat Senol als auch Schulleiterin Kerstin Albes-Bielenberg.
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Omikron zum Trotz will die Landesregierung den Präsenzunterricht an allen Schulen ermöglichen – so auch an der IGS Achim. Das erfreut sowohl die Schulsprecher Alena Schröder und Serhat Senol als auch Schulleiterin Kerstin Albes-Bielenberg.

Achim – Serhat Senol und Alena Schröder haben „keine Lust auf zu Hause“ und sind froh, dass sie zur Schule gehen dürfen. Die beiden wurden im November zu Schulsprechern an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Achim gewählt. Wie alle Schulen im Land Niedersachsen bleibt die Bildungseinrichtung trotz explodierender Infektionszahlen durch die ansteckende Omikron-Variante des Coronavirus geöffnet. Denn der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) stuft Schulen für Kinder und Jugendliche als kritische Infrastruktur ein. Durch den politischen Kurswechsel ist ein Distanzlernen per Videokonferenz vorerst nicht zu erwarten.

Das Aufrechterhalten des Präsenzunterrichts begrüßt auch Schulleiterin Kerstin Albes-Bielenberg: „Bislang waren wir noch nicht davon betroffen, große Teile des Kollegiums in Quarantäne schicken zu müssen – auch, wenn die Einschläge durch Omikron näher kommen“, sagt sie. Nach einer neuen Landesverordnung müssen Schüler, Lehrer und alle weiteren Beschäftigten an Schulen bis Ende Januar täglich einen Corona-Schnelltest vorweisen. Schüler sind verpflichtet, täglich Testkit und Unterschrift der Eltern vorzuzeigen. „Wir erhalten die Tests von der Landesschulbehörde, also gehen wir davon aus, dass die Qualität ausreichend ist“, sagt Albes-Bielenberg zur Debatte über unzuverlässige Testkits.

Das sieht ihr Berufskollege vom Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasium Dr. Stefan Krolle anders: „Damit könnten wir arbeiten, wenn wir bessere Tests hätten. Nach unserer Recherche sind unsere Testkits nur zu 17 Prozent zuverlässig.“ Schulöffnungen hält aber auch Krolle für alternativlos: „Natürlich wollen wir den Präsenzunterricht ermöglichen. Auch wenn es angesichts der Inzidenzzahlen atemberaubend schwierig werden könnte.“

Eine Booster-Impfaktion für alle Schulbediensteten hat Kerstin Albes-Bielenberg bereits für Mitte Dezember über einen privaten Arzt organisiert. Auch das Cato-Gymnasium und das Gymnasium am Markt trafen laut Krolle gemeinsame Vorkehrungen, um das gesamte Schulpersonal bereits vor den Weihnachtsferien boostern zu lassen. „Ich bin ganz deutlich für eine Impfpflicht. Es kann nicht sein, dass es diese für Masern gibt, aber für Corona nicht“, so Krolle. Beeinträchtigungen gab es ihm zufolge vor allem durch Infektionen von Schülern. Krolle sieht hier die jüngeren Geschwisterkinder – Stichwort: Testpflicht an Kitas – als Sollbruchstelle. Es sei aber erfreulich, dass die Schüler selbst so diszipliniert seien.

Neuntklässler Serhat ist von einer Covid-19-Erkrankung genesen, Alena (14) ist geboostert, also müssen sich beide nicht testen lassen, „aber ich teste mich trotzdem jeden Tag, weil ich so viele Kontakte habe“, erzählt Alena. Zudem gilt nun auch für unter 14-Jährige, dass sie ganztägig OP-Masken in der Schule tragen müssen. Für Alena kein Problem – mit FFP2-Maske sei dies schon etwas anstrengender, findet Serhat. Das maskenlose Luftschnappen heben sich beide meist für die große Pause auf.

Mit gemischten Gefühlen blicken die Schüler auf die vielen wechselnden Öffnungsszenarien des vergangenen Schuljahrs zurück. „Das war schon anstrengend“, sagt Alena. „Manchmal haben wir Freitag erst erfahren, dass wir Montag in den Distanzunterricht gehen“, ergänzt Albes-Bielenberg. Um den Schülern, die über den Bildungsserver IServ ihre Aufgaben erhielten, dennoch eine Tagesstruktur zu geben, gab es morgens um 8 Uhr eine Videokonferenz für alle, „aber das hat nicht immer funktioniert“, so Albes-Bielenberg. „Einmal bin ich bei der Videokonferenz eingeschlafen, das war mir so peinlich. Ich gehe lieber zur Schule“, sagt Serhat Senol. Oder es hakte an der Technik: „Manchmal wurde ein Aufgabenmodul nicht abgespeichert und war plötzlich weg“, schildert Alena. Auch das Wlan im Schulgebäude ist laut Albes-Bielenberg verbesserungswürdig.

Die Schulsprecher merken zudem, dass ihre Mitschüler nach dem langen Hin und Her zwischen Präsenz- und Distanzunterricht demotiviert sind: „Es ist unruhig in der Klasse, es wird viel geredet, jeder macht sein eigenes Ding“, sagt Alena.

Die IGS Achim ist als öffentliche Bildungseinrichtung an die Weisungen der Landesregierung gebunden. Wenn sie die Form des Unterrichts frei wählen könnte, würde sich Albes-Bielenberg angesichts aufzuholender Lernrückstände und Klassen mit bis zu 30 Schülern für Hybridunterricht in täglich wechselnden Kleingruppen entscheiden. „Beim Wechselunterricht waren wir nur zehn Leute, das war entspannt. Es war viel ruhiger und die Lehrer hatten mehr Zeit“, berichtet Alena. Nun stehe die Schule vor der Herausforderung, „eine Lernatmosphäre und Vertrauen wieder aufzubauen, den Alltag wieder reinzukriegen“, so Albes-Bielenberg. „Corona zeigt Missstände auf, die wir vorher schon hatten.“ Ein kreiseigener Schulpsychologe sei wünschenswert, denn „die Kollegen können das nicht noch on top leisten“. An der IGS sind zwei Sozialpädagogen mit jeweils 30 Stunden über die Landesschulbehörde angestellt, „aber die Bedarfe sind größer“, weiß die Leiterin.

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