Achimer Reservisten pflegen Gräber aus dem Zweiten Weltkrieg

„Viele vergessen leider sehr schnell“

Die Mitglieder des Vereins verrichten ihre Arbeit mit viel Freude und Leidenschaft.
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Die Mitglieder des Vereins verrichten ihre Arbeit mit viel Freude und Leidenschaft.

Achim - Von Julia Kösling. Seit 1994 pflegen die Mitglieder vom Verband der Reservistenkameradschaft Achim die 31 Kriegsgräber aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Friedhof am Rathauspark – das ganze Jahr über. Zuvor hatten sich Angehörige oder andere Privatpersonen um die Ruhestätten der gefallenen Soldaten gekümmert. Das jedoch wurde über die Jahre immer weniger.

„Unserem Verein ist die Kameradschaftspflege sehr wichtig“, betont Feldwebel Bernhard Gilster. „Man tut etwas für die Gesellschaft und die Erhaltung der Gräber“, ergänzt Mitglied Karola Titze. Schließlich sei das Thema rund um den Zweiten Weltkrieg sehr wichtig, und es sollte niemals in Vergessenheit geraten, was sich damals alles zugetragen hat. „Dafür sind die Gräber ein Mahnmal, auch für den jetzigen Frieden in Deutschland. Leider gibt es in anderen Ländern, die zum Teil gar nicht so weit weg liegen, immer wieder Konflikte“, fügen die beiden hinzu.

„So ein Krieg wie früher soll bei uns nie wieder vorkommen“, wünscht sich Gilster. Und Titze findet, dass viele Menschen heutzutage gar nicht begreifen, wie gut es der Gesellschaft im Vergleich zu damals eigentlich geht: „Viele vergessen leider sehr schnell.“ Aber sie hat auch schon oft Verwandte oder andere Besucher der Grabstätten der Verstorbenen getroffen.

Gilster weiß eine berührende Geschichte zu erzählen: „Im November legte eine junge Frau ihrem Großvater einen Brief auf das Grab. Sie hatte ihm geschrieben, wie wichtig er ihr war, und dass sie immer an ihn denkt.“

Gilster selbst fühlt sich verpflichtet, der Reservistenarbeit nachzukommen und macht es seit 1994 mit „sehr viel Freude“. Dazu gehört auch einmal im Jahr ein Ausflug zum russischen Kriegsgefangenenfriedhof Zeithain in Sachsen.

Regelmäßig gibt es Versammlungen innerhalb des Vereins, um die anliegende Arbeit zu besprechen und zu planen. „Zu Ostern, Pfingsten und im Herbst sind unsere gemeinsamen Haupttermine für die Grundbepflanzung“, berichtet Gilster.

Im Frühjahr werden die Gräber zunächst mit bunten Stiefmütterchen verschönert, zu Pfingsten folgen dann duftende Begonien. Wenn es kälter wird und der Winter naht, müssen die Gräber gründlich von Laub und Unkraut befreit werden, weiß Gilster. Zusätzlich werden die Grabstätten noch mit Tannenzweigen ausgelegt. Derlei Arbeiten können auch mal mehrere Stunden in Anspruch nehmen.

Für jeden Monat im Jahr werden bei den Versammlungen zusätzlich zwei freiwillige Mitglieder bestimmt, die regelmäßig nach dem Rechten schauen und anliegende Arbeiten verrichten. „Wenn was zu tun ist, wird das von uns ganz automatisch erledigt“, erzählt Karola Titze. Untereinander herrsche nämlich gutes Teamwork.

„Ich kümmere mich sehr gern um die Grabpflege“, sagt Hauptgefreiter Jan Poppen. Bernhard Gilster ergänzt: „Wir können aber auch abschalten.“ Schließlich werden regelmäßig gesellige Gedenkfeiern, Ausfahrten, Besichtigungen oder Weihnachtsfeiern veranstaltet. „Da sind ausnahmsweise nur fröhliche Themen im Vordergrund – das Leben geht ja weiter.“

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