Auf Schottergärten verzichten

Achimer Nabu-Sprecherin appelliert an Bevölkerung

Es geht auch ohne Versiegelung, sagt Sabrina Kernhoff und zeigt auf einen Naturgarten, Auf dem Mühlenfeld.
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Es geht auch ohne Versiegelung, sagt Sabrina Kernhoff und zeigt auf einen Naturgarten, Auf dem Mühlenfeld.

Achim – „Täglich wird Lebensraum vernichtet“, beklagt Sabrina Kernhoff. Dabei hätten das Artensterben, die Klimakrise und allgemein die Umweltzerstörung längst „dramatische Ausmaße“ angenommen, sagt die Sprecherin der Achimer Gruppe des Naturschutzbundes (Nabu) im Gespräch mit dieser Zeitung.

„Das wir in Achim allein das Weltklima nicht retten können, ist unbestritten. Aber das wir unseren Beitrag dazu leisten können und müssen, ist sicherlich ebenso unbestritten“, betont Kernhoff. Es sei nicht nur der Klimawandel, der bedrohlich wirke, „sondern auch die Ausrottung der Natur, denn sie bietet uns die Lebensgrundlagen“. Kernhoff nennt unter anderem Insekten mit ihrer Bestäubung von Blüten als Basis zahlreicher menschlicher Nahrungsmittel, Vögel als Schädlingsvertilger sowie große, alte Bäume als Schadstoffschlucker und Produzenten sauerstoffreicher Luft.

Jeder Einzelne könne dazu beitragen, Natur zu erhalten oder neu zu schaffen. Oft passiere leider genau das Gegenteil. „Eigentümer oder Mieter versiegeln schicke Flächen, vergessen, dass sie nicht allein auf der Welt sind“, führt die Nabu-Sprecherin ein Beispiel an. Insekten, Igeln, Eichhörnchen, Vögeln werde der Lebensraum genommen.

Schottergärten und andere versiegelte Flächen könnten auch kein Regenwasser speichern. Darunter auf dem Boden ausgelegte Folien seien eher nutzlos, weil deren Löcher meist schnell verdreckten. Durch fehlende Flora könne jedoch keine Verdunstung entstehen. „Dabei machen Bäume und andere Pflanzen Klima.“

Und schon ein kleines Stück Humusboden sei ein höchst lebendiger Organismus, der unzählige Lebewesen beherberge. „Da stirbt dann alles ab.“

Wenn die Sonne vom Himmel knallt, werde ein Schottergarten „total aufgeheizt“, zeigt Kernhoff ein weiteres Problem auf. „Zum Glück hatten wir in diesem Sommer keine großen Hitze- und Trockenperioden.“

Leider gestatteten die Stadt und der Landkreis den Bürgerinnen und Bürgern, Schottergärten anzulegen, obwohl Gesetze vorschrieben, dass ein bestimmter Anteil der Gärten begrünt sein müsse. „Die Bauordnung gibt es her, übermäßige Versiegelung zu ahnden“, sagt Kernhoff. Bisher handelten die Behörden allerdings nur in den seltensten Fällen.

Wer rund ums Haus einen Garten oder Vorgarten im ursprünglichen Sinne, also grün und blühend, bevorzuge, sollte auf die Auswahl der Pflanzen achten, rät die Naturschützerin. „Kirschlorbeer zum Beispiel bringt der heimischen Tierwelt nichts.“

Und es sei auch nicht gut, jetzt im Herbst, sämtliches Laub im Garten zu beseitigen. „Wo sollen denn die Tiere im Winter unterkommen?“ Igel und Co. benötigten Rückzugsräume. „Auch Vögel brauchen knapp zwei Meter breite Grünschneisen, um dort Deckung zu finden.“

Sabrina Kernhoff schlägt vor, nur eine Hälfte des Gartens zu pflegen, die andere dann im nächsten Jahr dranzunehmen. Und Zäune sollten Schlupflöcher bieten, damit Kleinsäuger dort hindurchhuschen können und nicht einen langen Umweg über die gefährliche Straße nehmen müssen.

Im Garten vor allem Ordnung schaffen zu wollen, hält die Achimerin für den falschen Ansatz. Den Mähroboter ständig kreisen zu lassen, oder Areale gleich großflächig zu versiegeln, sei für den Arten-, Klima- und Umweltschutz alles andere als zielführend. „Wenn Menschen Lebensraum für bedrohte Tiere und Pflanzen zerstören, zeugt das von einer unglaublichen Empathielosigkeit.“

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