Zeit, dass sich wieder was dreht

Achimer Mühlenverein lässt Flügel mit Segeln bespannen

Mit Klettergurt und Seil gesichert, hat Müller Sipke Tjepkema das Segel oben angebracht.
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Mit Klettergurt und Seil gesichert, hat Müller Sipke Tjepkema das Segel oben angebracht.

Achim – Wenn die Tür zur Achimer Windmühle offen steht, könne es passieren, dass sich Passanten aufgefordert fühlen, einzutreten, erklärt Hartmut Bank vom Verein zur Erhaltung der Achimer Windmühle. Er hängt daher vorsichtshalber ein Schild in die Tür. „Kein Zutritt für Besucher – in der Mühle wird gearbeitet“, so die Botschaft. Um die Flügel des historischen Bauwerks, zum Beispiel zum nächsten Mühlentag, wieder richtig in Bewegung zu bringen, hat der Mühlenverein Segel anfertigen lassen. Diese soll der Mühlensegelmacher gleich fachmännisch befestigen.

Hartmut Bank ist technischer und historischer Leiter beim Mühlenverein. Das kommt nicht von ungefähr: Vor seinem Ruhestand war er in der Abteilung Denkmalpflege im Bauamt des Landkreises Rotenburg beschäftigt, erzählt der Achimer, der auch den Kontakt zu dem Unternehmen Koning Molenzeilen aus Leeuwarden (Niederlande) hergestellt hat.

„So richtig volles Rohr ist die Achimer Windmühle ewig nicht gelaufen“, so Bank. Wahrscheinlich seit der Renovierung nicht mehr, schätzt er. Die Reet-Bedachung und die Windrose der 1761 erbauten Mühle waren 2016 erneuert worden. Neben weniger Gelegenheiten für Führungen aufgrund von Corona nennt Bank als Hauptgrund für den Stillstand einen technischen Defekt am Bremswerk: „Dass die Mühle sich dreht, ist eine Sache, dass man sie wieder anhalten kann, eine andere“, sagt er. Das Bremswerk sei aber inzwischen repariert.

Unten an der Leiter haben Hartmut Bank, Falk Rossol-Vöge (v.l.) und Janny Koning (verdeckt) alles im Blick.

Jede Windmühle, so auch der Galerie-Holländer mit Blick auf die Bierdener Marsch, hat vier Flügel, davon zwei Haus- und zwei Feldruten. Mit Segeln bezogen werden sollen nur die zur Marsch ausgerichteten Feldruten. Das reiche aus, denn zurzeit sei das Mahlwerk, mit dem sich theoretisch immer noch Getreide zu Mehl verarbeiten lässt, ohnehin nicht in Betrieb. Laut Bank sei das zwar technisch möglich, aber die hygienischen Voraussetzungen seien aktuell nicht gegeben. „Und wenn viel Wind da ist, dreht die Mühle sich von alleine“, so Bank.

Bei großer Windmenge muss der Mühlenverein in der Lage sein, die Segel einzurollen oder sogar abzunehmen. Falk Rossol-Vöge, stellvertretender Vorsitzender des Mühlenvereins, ist daher froh, dass sich Leute wie Bernd Rustedt im Verein engagieren, der über sein Ehrenamt in der Feuerwehr einen Kletterlehrgang besucht hat. „Einrollen geht von unten, aber um das Segel herunterzuholen, muss man hochgehen“, erklärt Rustedt.

Doch zunächst sollen die Segel einmal fachmännisch angebracht werden. Dazu steigt Sipke Tjepkema, von Beruf Müller und Partner der Mühlensegelmacherin Janny Koning, mithilfe einer Leiter den ersten Flügel hinauf, und bringt die sogenannten Kicker an, eine permanente Halterung für die Segel. Die braunen Segel – die Farbe entsteht durch die Imprägnierung – bestehen aus einer Mischung aus Baumwolle und Polyester. „Die haben mein Sohn Jelle und meine Tochter Sanne angefertigt. Ich mache nur die Taue“, erklärt Janny Koning als Leiterin des Familienunternehmens. Die seien ähnlich wie beim Segelschiff, nur etwas dicker. Die Achimer Windmühle sei ein normaler Auftrag, außer, dass es meist nicht notwendig sei, die Kicker auch einzubauen. Außerdem habe die Achimer Windmühle zu kurze Flügel – sie reichen sonst bis zur Galerie hinab: „Das habe ich noch nicht erlebt, dass wir mit der Leiter da rauf müssen“, sagt Koning.

Ein Flügel ist bezogen. Und jetzt wissen die Mitglieder des Mühlenvereins, wie sie die Segel befestigen müssen.

Die etwa 2 500 Euro für die Segel samt Installation hat der Mühlenverein über Spenden finanziert. Nun steht bereits die nächste Investition ins Haus: Die Galerie soll komplett erneuert werden. 100 000 Euro könnten nach Hartmut Banks grober Kostenschätzung dafür anfallen. Für diese bauliche Maßnahme ist allerdings die Stadt Achim als Eigentümerin des historischen Bauwerks zuständig. Rossol-Vöge steht schon wegen des Bauantrags mit Bürgermeister Rainer Ditzfeld im Gespräch, der zugleich Vorsitzender des Mühlenvereins ist.

Unabhängig davon freut sich der Mühlenverein über Spenden oder tatkräftige Helfer – „zur Reinigung der bäuerlichen Handmühle oder um Schulklassen durch die Mühle zu führen, wenn es wieder geht“, so Bank.

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