Achimer Kleingärtner bringen gemeinschaftlich Vereinsheim auf Vordermann

„Wir haben keine Nachwuchsprobleme“

Im Laufe der Jahre zu einer Gemeinschaft herangewachsen: der Kleingartenverein an der Potsdamer Straße. - Fotos: Hägermann

Achim - Von Bernd Hägermann. Nicht nur für romantisch veranlagte Gemüter ist die Kleingarten-Parzelle ein Rückzugsort, wo „die Seele baumelt“ und Abstand gewonnen wird von hektischer Betriebsamkeit. Wenn der Kleingärtner dann auch noch umgeben ist von verträglichen Nachbarn, scheint das kleine Glück nahezu perfekt. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere zeigt Arbeit.

Am Vereinsheim griffen die Parzellenbesitzer zum Pinsel...

Von der gab es am Samstag reichlich in der Kleingarten-Kolonie an der Potsdamer Straße. Der dortige Kleingartenverein verfügt immerhin  über ein Vereinsheim und fast achtzig Gärten. All das war Gegenstand einer großen Reinigungs- und Verschönerungsaktion, die in dieser gemeinschaftlichen Konsequenz erstmals seit etlichen Jahren wieder durchgeführt wurde. Ein durchaus gewollter Nebeneffekt dabei: Die handwerklichen Arbeiten und die Gartenpflege stärken das Zusammgehörigkeitsgefühl der Vereinsmitglieder.

Die sind von ganz unterschiedlicher Art. Dem vor gar nicht allzu langer Zeit noch angestaubten Image von Kleingärtnern jedenfalls entsprechen sie nicht. In Achims Kleingartenverein ist an diesem Samstag viel Multikulti und nur sehr bedingt gediegene Beschaulichkeit. Dafür sorgen schon die ganz Jungen: „Wir haben hier viele Kinder“, sagt Silke Struckmeyer. Sie ist erst seit einigen Jahren im Verein, aber schon zweite Vorsitzende.

... und nahmen auch notwendige Dacharbeiten vor.

Struckmeyer hat eine Stadtwohnung. Der Kleingarten ist zu ihrem zweiten Zuhause geworden. Ähnlich verhält es sich bei ihrer Freundin Meike Mewes. Die Achimerin bewohnt ein Stadthaus, ergriff jedoch vor fünf Jahren eine günstige Gelegenheit und kaufte ein Grundstück. Damals war die Parzelle heruntergekommen. Unter tätiger Mithilfe des Ehemannes, von Freunden und Nachbarn erwuchs daraus ein Kleinod, in dem Beeren wachsen und „heimliche Ecken“ das Interesse von Gästen wecken.

Ohnehin scheint der vielstrapazierte Begriff von der Willkommenskultur im Kleingartenverein praktisch umgesetzt. Unter den Mitgliedern gilt Erkan Belut als Meister der Dahlie („Dahlien sind dankbar“) und Navad Srrad, die aus dem Libanon nach Deutschland kam, als die Frau mit dem besten grünen Daumen. Ihr Garten ist nach arabischen Prinzipien angelegt und bringt immer reiche Ernte: „Was ich in die Erde stecke, das wächst“, sagt Navid Srrar, während einige Gartenfreunde um sie herum bewundernd lächeln.

Andere richten das neue Eingangstor, streichen Bänke, mähen Rasen, hämmern, messen, begutachten oder kümmern sich um das Vereinsheim, das, neu möbliert, bald in neuem Glanz erstrahlen soll.

Seit dreißig Jahren im Kleingartenverein sind Käte und Roland Hüfe. Vorher hatte das Ehepaar eine Parzelle in Bremen besessen: „Die Entscheidung, nach Achim zu kommen, haben wir gemeinsam getroffen.“ Bereut haben sie es nicht. Die Hüfes sind um die 80.

Die meisten Kleingärtner sind wesentlich jünger: „Wir haben keine Nachwuchsprobleme“, sagt Silke Struckmeyer, die wie so viele im Verein die Kleingärtnerei nicht als Hobby betreibt, sondern aus Liebhaberei. Diese Liebe gilt es zu schützen. Potentiellen Ganoven rät Meike Mewes von Einbrüchen ab, denn: „Unsere Anlage ist videoüberwacht.“

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