Patent zu verschenken

Ingenieur Georg Neumann will Rechte für sein Blumen-Bewässerungssystem abgeben

Simpel, aber erfolgreich erprobt ist das Blumen-Bewässerungssystem, dessen Patent der Erfinder Georg Neumann nun verschenken will.
+
Simpel, aber erfolgreich erprobt ist das Blumen-Bewässerungssystem, dessen Patent der Erfinder Georg Neumann nun verschenken will.

Achim – Georg Neumann tüftelt für sein Leben gern, und sein Hobby hat ihm eine Reihe von ungewöhnlichen Zertifikaten eingebracht: 28 Patente hat der 84-Jährige nach eigenen Angaben im Lauf seines Lebens angemeldet. Eins davon will er nun verschenken.

„Wasser begleitet mich mein ganzes Leben“, sagt der Diplom-Ingenieur für Wasserwirtschaft. Nachdem er zuerst in Saudi-Arabien gearbeitet hatte, machte er sich mit einem Ingenieurbüro für Wasserwirtschaft und Umwelttechnik in Achim selbstständig und entdeckte dabei seine Tüftel-Leidenschaft. „Immer wenn es neue Probleme gab und die Industrie keine Lösung dafür hatte, habe ich versucht, sie zu finden“, sagt Neumann. So habe er beispielsweise vor 40 Jahren eine Art Bürstenrechen für Kläranlagen entwickelt. Die Flusen, die sich in der Waschmaschine bildeten, vergrößerten sich in der Kläranlage zu Zöpfen, die dort Abflüsse verstopften. Der Rechen hole diese Zöpfe heraus, erklärt Neumann das Prinzip.

Vor einigen Jahren habe seine Frau ihn gebeten, ein Bewässerungssystem für Blumen zu erfinden. Der Ruheständler entwickelte einen speziellen Übertopf, der auf vier Stützen steht. Diese wiederum stehen mit ihren Öffnungen in einem geschlossenen und mit Wasser gefüllten zweiten Topf. Das Wasser drücke sich durch die Stützrohre nach oben bis zu einer eingebauten Bewässerungsscheibe aus Vlies. Die kleinen Haarwurzeln der Pflanze krallten sich in diese weiche Platte und saugten soviel Feuchtigkeit auf wie sie benötigten.

Das sogenannte Gebrauchsmuster, das kleine Patent, bestehe seit April 2018 und gelte zehn Jahre, das große Patent mit einer Gültigkeit von 20 Jahren, habe er beantragt und er warte nun täglich auf dessen Erteilung. „Ich verschenke das Patent, weil ich zu alt bin, das Produkt zu vermarkten. Außerdem bin ich Ingenieur und kein Verkäufer“, sagt der Achimer.

Er gebe die Schutzrechte allerdings nur dann ab, wenn der neue Patentbesitzer eine Verkaufsfirma für das Bewässerungssystem betreibe und das Produkt aktiv vermarkte. Im Gegenzug will der Erfinder ein Euro pro verkauftem System so lange die Schutzrechte gelten. „Außerdem gebe ich die Kontaktdaten meiner chinesischen Lieferanten bekannt“, sagt der 84-Jährige. Wer Interesse hat, meldet sich bei Georg Neumann unter der Telefonnummer 04202 / 39 17.

Stolz ist der Ingenieur auch auf das Gebrauchsmuster „Vorrichtung zum Neu- und Umbau von Gehwegen mit integriertem Niederschlagswasser-Stauraum, hergestellt mit drei Formteilen“. „Die Kommunen müssen laut Gesetz Starkregenvorsorge betreiben, aber keine weiß wie“, sagt Neumann. Seine Idee: den Bereich unter Gehwegen und Parkplätzen nutzen und dort einen Stauraum schaffen. Der Niederschlag werde darin nicht nur aufgefangen, sondern versickere im Erdreich. Ein Substrat verhindere, dass Verschmutzungen wie Öle und Schwermetalle ins Grundwasser gelangten.

Für Neumann hat dieses System nur Vorteile, weil der Grundwasserspiegel steige und das Wasser nicht über die Kanalisation in den sogenannten Vorfluter, also die Weser, abgeleitet werde, wie der Ingenieur erklärt.

„Wenn wir die Landschaft weiter versiegeln, bringen wir uns selber um. Überall sehe ich bei Neubauten Pflaster. Es ist grausam.“ Er plädiert vielmehr dafür, dass jeder Grundstückseigentümer einen Ausgleich für versiegelte Flächen auf seinem Grundstück schaffen müsse.

Aber es gebe auch gute Beispiele in Achim, so etwa im Gewerbegebiet Uesen. „Die Versickerungsbecken funktionieren gut. Die Becken sind begrünt, dadurch erfolgt eine Reinigung des Wassers. Das ist eine gute Lösung“, findet der Ingenieur im Ruhestand.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

An der Autobahn 27: Ein Blechpfeil und bei Rot über die Ampel

An der Autobahn 27: Ein Blechpfeil und bei Rot über die Ampel

An der Autobahn 27: Ein Blechpfeil und bei Rot über die Ampel
Halterin aus Morsum ärgert sich über freilaufende Hunde

Halterin aus Morsum ärgert sich über freilaufende Hunde

Halterin aus Morsum ärgert sich über freilaufende Hunde
Fastfoodketten planen Mehrwegsysteme

Fastfoodketten planen Mehrwegsysteme

Fastfoodketten planen Mehrwegsysteme
„VERbündet“: Werden weiterhin Signale setzen

„VERbündet“: Werden weiterhin Signale setzen

„VERbündet“: Werden weiterhin Signale setzen

Kommentare