Freibad rettet einiges

Achimer Hallenbad: Wiedereröffnung ungewiss

Schon im kalten Monat Mai nutzten Schulen und Vereine das Achimer Freibad für Schwimmkurse.
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Schon im kalten Monat Mai nutzten Schulen und Vereine das Achimer Freibad für Schwimmkurse.

Achim – „Es ist, wie’s ist“ – mit dieser nüchternen Formel schloss Steffen Zorn, Fachbereichsleiter für Bauen und Stadtentwicklung, seinen Kurzbericht über den aktuellen Stand in Sachen des geschlossenen Achimer Hallenbades. Derzeit prüfe die Verwaltung Regressansprüche wegen des Fliesenschadens, so Zorn. Zudem müsse wegen eines Brandschadens die Decke über dem Nichtschwimmerbecken erneuert werden.

Den finanziellen Schaden schätzt Zorn auf mehrere 100 000 Euro. Die Mitglieder des Ausschusses für Sport und Kultur quittierten dies am Dienstagabend im Rathaus nur mit betretenem Schweigen.

Was den Fliesenschaden betrifft, geht die Stadt Achim von Baupfusch aus. Derzeit warte das Bauamt weiterhin auf ein Gutachten, das für die Sanierung benötigt werde. „Die Stadt Achim hat alle Möglichkeiten ergriffen, hier die Vorgänge zu beschleunigen“, betonte Zorn. Da es sich um ein laufendes Gerichtsverfahren handle, bestehe rechtlich keine Möglichkeit, Fristen zu setzen.

Ein Brand hatte zudem die Außenfassade sowie den Bürobereich beschädigt. „Das lässt sich gut reparieren, aber leider ist auch ins Bad Rauch reingezogen“, erklärte Zorn. Die Deckenanlage samt Lüftungen über dem Nichtschwimmerbecken und den Umkleiden müsse komplett erneuert werden, um eine Gefährdung von Badegästen durch Schadstoffe auszuschließen. Die Kosten deckt die Gebäudeversicherung ab. „Wir hoffen, dass wir zumindest diesen Bereich in den Sommerferien fertig machen können“, so Zorn. „Wir haben massiven Druck und die Kunden sind sauer“, gab Zorn ein Stimmungsbild wieder. „Ich mag nicht sagen, wann bei dem Thema ein Ende und eine Lösung in Sicht ist.“

Wird wohl noch eine Weile so bleiben: das eingerüstete Achimer Hallenbad.

Das Hallenbad bereitet nicht nur der Stadt als Badbetreiberin Kopfzerbrechen, sondern auch dem Landkreis Verden als Hauseigentümer und Hauptnutzer für das Schulschwimmen. Denn der Schwimmunterricht ist dessen gesetzliche Pflichtaufgabe. Damit nicht genug, entfällt eine weitere Sportstätte: „Corona hat auch das Ueser Hallenbad getroffen“, so Steffen Zorn.

Den Bedarf könne das Freibad zum Teil auffangen, wie Bäderchefin Sabine Schulz in einer Zwischenbilanz nach einem Monat Bad-Öffnung mitteilte. Schulen und Vereine dürfen die Freiluftanlage bereits seit dem 17. Mai für Schwimmkurse nutzen. Seitdem kommen vier Schulen regelmäßig: die Astrid-Lindgren-Schule sowie die Grundschulen Sagehorn, Etelsen und Thedinghausen. Um den coronabedingten Mangel auch in der Freizeit anzugehen, bieten zudem fünf Schwimmschulen, darunter die bädereigene Schwimmschule, Kurse an. Rund 200 Kinder würden wöchentlich an den Kursen teilnehmen. Laut Schulz gibt es weitere Kursangebote, allerdings mit Warteliste. „Um die Wartezeit zu verkürzen, bieten wir in den ersten drei Ferienwochen Intensivkurse an“, informierte Schulz.

SPD-Fraktionsvorsitzender Herfried Meyer hakte nach, ob das Freibad je zuvor für Schwimmunterricht genutzt worden sei. Die örtliche Verlegung aufs Freibad sei für manche Schulen schwer zu organisieren, räumte Schulz ein. Die Astrid-Lindgren-Schule ermögliche ihren Schülern aber dafür dreimal pro Woche, im Freibad Schwimmen zu lernen. Auch Schwimmfortbildungen für Erwachsene sind möglich: So seien dort kürzlich 30 Rettungsschwimmer geprüft worden, berichtete Schulz.

Daneben läuft seit 1. Juni der Ticketverkauf: Kunden können sich vorab über den gerade eingerichteten Ticketshop Zeitfenster buchen. Die Abstandsregeln erlauben nicht mehr als 200 Besucher gleichzeitig im Freibad. Um Schlangen und Ärger an der Kasse zu vermeiden, sei es daher sinnvoll, vorab zu buchen. Zum Vergleich: „Früher kamen an heißen Tagen bis zu 2000 Leute“, erinnert sich Sabine Schulz. In Kooperation mit dem Förderverein Achimer Bäder stehen dem Freibad bei personellen Engpässen 17 Rettungsschwimmer zur Verfügung.

Die Bäderchefin legte eine für Corona-Bedingungen gute Bilanz vor: rund 10 000 verkaufte Tickets, 6 695 davon Online-Buchungen. Seit Öffnung Anfang Juni habe das Freibad 18 ausverkaufte Schwimmtage gehabt.

Grünen-Ratsfrau Ute Barth-Hajen, die einen Feierabend-Tarif oder Schüler-Ferientickets für das Freibad anregte, wurde von Schulz vertröstet: „Wir haben noch Corona und begrenzte Schwimmblöcke, da ist es schwer, eine Zielgruppe direkt anzusprechen.“ Oft müsse das Personal Badegäste ohne OnlineBuchung wegschicken, weil die Personenobergrenze erreicht sei. Auch Veranstaltungen wie das Flutlichtschwimmen seien derzeit schwer zu realisieren.

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