Raus aus dem Fokus der Öffentlichkeit

Achimer Fachbereichsleiterin Wiltrud Ysker geht in Altersteilzeit

Wiltrud Ysker, Fachbereichsleiterin für Bildung, Soziales und Kultur, verlässt das Rathaus.
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Tschüss, Rathaus: Wiltrud Ysker, Fachbereichsleiterin für Bildung, Soziales und Kultur, geht im Mai in die passive Altersteilzeit.

Achim – Als sich Wiltrud Ysker vor 39 Jahren bei der Stadt Achim bewarb, war das Magdeburger Viertel noch ein sozialer Brennpunkt und der Rechtsanspruch von Eltern auf einen Kindergartenplatz pro Kind noch Zukunftsmusik. Am 1. Mai wechselt die langjährige Leiterin des Fachbereichs für Bildung, Soziales und Kultur im Rathaus in den passiven Teil der Altersteilzeit.

„Das habe ich mir vor vielen Jahren nicht erträumt, dass es so kommen würde“, blickt die 63-Jährige zurück. „Als ich im Kindergarten Achim-Nord anfing, gab es dort nur sechs Gruppen mit Vormittags- und Nachmittagsbetreuung“, erinnert sie sich. Mittlerweile sei der pädagogische Aufgabenbereich enorm gewachsen und eine Kita-Leiterin übernehme Aufgaben „wie im mittleren Management“.

Noch ist Ysker dabei, ihre Nachfolgerin Katja Luschei einzuarbeiten. „Ab Mai bin ich hier raus.“ Von „Ruhestand“ spricht Ysker aber ungern: Eher von einem „Übergang in die nächste Lebensphase mit selbstbestimmten Möglichkeiten“. Ein paar Monate Pause will sich die Wahl-Achimerin dann gönnen – wenn auch der ursprüngliche Plan, in den Urlaub zu reisen, aufgrund steigender Corona-Fallzahlen erstmal nicht zur Debatte steht.

Die Pandemie prägte auch das letzte Jahr von Wiltrud Yskers Berufsleben. „Das hatte ich mir anders vorgestellt“, sagt sie. Die ihren Fachbereich betreffenden Kultureinrichtungen, Kindertagesstätten und Schulen waren und sind stark beeinträchtigt durch Covid-19 und die damit einhergehenden Einschränkungen. „Seit einem Jahr stehen wir vor der Herausforderung, die Lebensqualität zu erhalten, dem Bildungsauftrag gerecht zu werden und dennoch das Pandemiegeschehen einzudämmen. Gerade haben wir wieder eine neue Verordnung erhalten.“ Achims Panne in Sachen Modellkommune sei auch der zu schnellen Organisation geschuldet. Verordnungen umzusetzen sei umso schwieriger, je jünger die Kinder sind. „Erklären Sie mal einem Kleinkind, dass es Abstand halten soll und nicht mehr bei der Erzieherin auf dem Schoß sitzen darf“, so Ysker, die ihre berufliche Laufbahn 1982 als Pädagogische Mitarbeiterin in der Kita Achim-Nord begann.

Die gebürtige Bremerin studierte Sozialpädagogik in Braunschweig und lernte im Anerkennungsjahr in Achim ihren späteren Ehemann Dirk Ysker kennen. „Der Liebe willen“ zog sie in den Weserort und übernahm 1985 die Leitung der Kita im Magdeburger Viertel. 1993 wurde Wiltrud Ysker Frauenbeauftragte, wie eine Gleichstellungsbeauftragte damals hieß, bei der Stadt. Im Zuge der Verwaltungsreform entstand die Abteilung Bürgerservice und Beschwerdemanagement. Diesen Prozess prägte Ysker maßgeblich mit: „Ziel der Reform war es, die Möglichkeiten bürgerschaftlichen Engagements zu vergrößern.“ 2009 übernahm sie den Fachbereich, als weibliche Abteilungsleiterinnen eine Seltenheit waren. „Und es ist nach wie vor eine Herausforderung der Gender-Förderung, weibliche Führungskräfte bei entsprechender Qualifikation einzubinden.“

In ihrer Berufslaufbahn habe sie sich stets von der Motivation leiten lassen, „den Bildungsprozess im weitesten Sinne voranzubringen“. Das schließt für Ysker Chancen auf Bildung ein – und dafür sei die Verzahnung der Bereiche Kita, Schule, Jugendarbeit, Freiwilligenagentur und Integrationsmanagement ein gutes Mittel. Durch die Neu-Konzeption der Jugendarbeit, die vor zwölf Jahren gemeinsam mit der Universität Lüneburg begann, sei für die Stadt „ein Mehrwert entstanden“, findet Ysker.

Was hätte Wiltrud Ysker rückblickend anders gemacht? „Anders? Schneller!“, kontert sie wie aus der Pistole geschossen. „Ich hätte mir gewünscht, dass wir in der Schulentwicklung weiter wären“, meint sie, auch im Hinblick auf ein mögliches Abitur an der Integrierten Gesamtschule Achim. Zurzeit bangt die IGS um den von Stadtrat und Eltern befürworteten und vom Landkreis abgelehnten Ausbau ihrer Schule. Ysker hat die 2017 gegründete IGS Achim stets wohlwollend begleitet.

Auch die Entwicklung des Kindergartensektors hätte Ysker gern schneller vorangetrieben. Für den schleppenden Ausbau der Kitas musste sie immer wieder harsche Kritik einstecken. Die Erfüllung des Rechtsanspruchs der Eltern auf Kinderbetreuung, der seit 2013 auch Krippenkinder einschließt, stellt die Stadt bis heute vor Probleme. „Das war in einer Zeit, als die Stadtentwicklung mit der Vermarktung von Baugebieten stark vorangetrieben wurde – und das gepaart mit einer angespannten Haushaltslage“, erläutert Ysker. Vom Bau der Einrichtungen bis zur Rekrutierung des Personals habe Achim mit den knappen Ressourcen umgehen müssen.

Ihrer Nachfolgerin Katja Luschei wünscht Wiltrud Ysker „Kraft und Optimismus“, wegen der vielen unterschiedlichen Anforderungen, die das Amt mit sich bringe. Viele Entscheidungen stießen zudem auf „breites öffentliches Interesse“.

Nach besagter schöpferischer Pause hat Ysker sich für diesen Sommer vorgenommen, sich bürgerschaftlich zu engagieren – in welcher Form, sei noch nicht entschieden, „aber auf jeden Fall in Achim“. Am Weserort schätzt sie „die Lebensqualität mit kulturellen Angeboten und Erholungsflächen, guten Wohnmöglichkeiten und sozialer Infrastruktur sowie die kurzen Wege der Kommunikation“.

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