Landgericht: Sicherungsverfahren läuft

Achimer eine Gefahr oder jetzt friedlich?

Achim/Verden - Ein 46-jähriger Achimer soll am frühen Morgen des 13. Juli 2015 die Nachbarin in einem Achimer Mehrfamilienhaus mit dem Messer bedroht haben. Weil die Staatsanwaltschaft Verden von einer Schuldunfähigkeit des Mannes ausgeht, muss er sich am Landgericht Verden nun keinem Prozess, sondern einem Sicherungsverfahren stellen. Ziel ist die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Die Nachbarin schilderte vor Gericht, wie der 46-Jährige mit einem Messer in der Hand im Treppenhaus vor ihr stand. Dabei habe er schnell und undeutlich geredet und Stichbewegungen in ihre Richtung ausgeführt. Dicht hinter der Frau ging ihr Cousin.

Sie wirkte offenbar besänftigend auf den Beschuldigten ein: „Ruhig, ruhig. Alles ist gut“, will sie gesagt haben. Der 46-Jährige habe sich daraufhin in seine Wohnung zurückgezogen. Schockiert alarmierte die Frau dennoch die Polizei.

Sofort bemerkten die Beamten, die den Mann in seiner Wohnung aufsuchten, psychische Auffälligkeiten. „Er machte einen komischen Eindruck und hatte Schwierigkeiten, unseren Ausführungen zu folgen. Ich hatte das Gefühl, dass bei ihm gar nicht ankam, was wir ihm sagten“, so einer der Polizeibeamten vor Gericht.

Das von der Bedrohten beschriebene kleine Schälmesser habe in der Küche gelegen, und auf einem Couchtisch entdeckten die Polizisten Marihuana. Das passte zu dem auffälligen Geruch in der Wohnung. Der Beschuldigte habe keinerlei Aggressivität gezeigt und sich bereit erklärt, mitzukommen und sich nach Rotenburg in die Psychiatrie zu begeben.

Das Landgericht hat nun zu prüfen, ob der Mann wirklich im Zustand der Schuldunfähigkeit handelte. Das würde ihn zwar vor Strafe bewahren, aber gleichzeitig wäre zu untersuchen, ob von ihm noch „erhebliche rechtswidrige Taten“ zu erwarten sind und er deshalb für die Allgemeinheit gefährlich ist.

In der Antragsschrift geht die Staatsanwaltschaft von einer zum Tatzeitpunkt „akuten Episode einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis“ aus. Der Achimer wurde mittlerweile aus der Klinik wieder entlassen und kam als freier Mann ins Gericht. Er wirkte sehr ruhig und beantwortete alle Fragen.

Damals habe er wegen Lärms aus dem Keller Angst verspürt. „Ich habe Leute hochkommen hören. Als ich die Frau gesehen habe, war ich erleichtert“, so der Beschuldigte.

Allerdings war dies nicht der einzige Vorfall. Er soll einige Wochen zuvor den Mann der Zeugin getreten haben, was der aber nicht mal erwähnenswert fand. Etwa vor einem Jahr soll der Angeklagte zudem einen Jungen aus einer Gruppe Kinder, die ihn offenbar geärgert hatten, geschlagen haben. Der Junge selbst konnte sich daran aber nicht erinnern.

Seinen damaligen Zustand führte der arbeitslose 46-Jährige darauf zurück, dass er eigenmächtig Medikamente abgesetzt und statt dessen verstärkt Hasch geraucht habe. An dem Tag im Juli sei er genauso wie bei den anderen Vorfällen psychotisch gewesen. Er beschrieb diesen Zustand als innere Aufgeregtheit, verbunden mit Angstzuständen. „Seit ich wieder Medikamente nehme und nicht mehr kiffe, ist das weg und alles normal“, beteuerte er.

Der Prozess soll am Freitag fortgesetzt werden.

wb

Rubriklistenbild: © dpa

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