Tipps zur Selbstbehauptung

Drei L wichtig gegen Kriminelle: Licht, Leute und Lärm

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Andreas Reddig (links), Katja Brammer und Joachim Kopietz vom Präventionsteam der Polizei informierten über Selbstbehauptung, die nicht mit Heldentum zu verwechseln ist.

Achim - Selbstbehauptung – ein Wort, das Katja Brammer von der Achimer, Joachim Kopietz von der Verdener und Andreas Reddig von der Osterholzer Polizei mit Leben füllten. Zwei Stunden lang informierten die Mitglieder des Präventionsteams der Polizeiinspektion Verden-Osterholz am Dienstagabend im Achimer Bürgerzentrum zu dem Thema. Es war ein lehrreicher Abend, aber auch ein humorvoller. Abgerundet mit kleinen Übungen, die alles anschaulich gestalteten. Eine perfekte Mischung, und die Zeit verging wie im Flug. Die etwa 50 Teilnehmer dankten dem Trio mit kräftigem Beifall.

Grundlagen bildeten Situationen, die sich im täglichen Leben ereigneten, die also jedem geschehen könnten. Und geschahen, denn der Polizist las Pressemeldungen vor.

Doch als erstes trat Kopietz‘ Katze Paula in Aktion. Das zierliche Tier machte auf dem Foto einen Riesenbuckel und sträubte das Fell. Furchterregend sah die Katze aus. „Auch wer klein ist, kann Gefahren rechtzeitig erkennen und sich vorbereiten“ stand darunter. Ein Satz, der sich wie ein roter Faden durch den Abend zog, man muss ihn nur kennen und beherzigen.

Ein Mann, der laut Pressebericht des Nachts angesäuselt durch die Straßen schwankte und mit seinem Smartphone hantierte, tat das nicht. „Er trug sein Smartphone offen mit sich herum. Das lädt zum Diebstahl ein“, analysierte Kopietz. Gegenbeispiel: die Seniorin, der ein junger Mann die Handtasche stehlen wollte. Die Frau drohte ihm lautstark, ihn mit ihrem Gehstock zu verprügeln, wenn er nicht sofort von ihr abließe. „Die Frau trat selbstbewusst auf, hatte ein geschärftes Bewusstsein und die Gefahr erkannt. Obendrein hatte sie einen Plan entwickelt – Voraussetzungen, um die Situation zu meistern.

Von Pfefferspray hält Joachim Kopietz gar nichts

Ob bei Belästigungen oder Remplern in Bus, Bahn, auf der Straße, an der Tankstelle oder wo auch immer – wichtig seien die drei L: „Licht, Leute, Lärm.

„Das lehren wir schon die Kinder. Also gehen Sie dorthin, wo es hell und belebt ist und machen Sie dort auf sich aufmerksam. Sprechen Sie dabei die Leute direkt an“, rät Kopietz. Übrigens: Von Pfefferspray hält er gar nichts: „Um es richtig anwenden zu können, muss man trainieren. Sonst sprüht man es sich selbst ins Gesicht. Pfefferspray gibt einem nur scheinbar Sicherheit.“ Sinnvoller sei es, sich eine Körpersprache zuzulegen, die Selbstbewusstsein ausstrahlt: breiter Stand, Arme offen, sich also groß und breit machen. Ganz so wie Katze Paula es eingangs zeigte. „Jedes Opfer findet seinen Täter – es gibt Menschen, die ziehen Täter an“, sagte Kopietz. Eben durch von Angst zeugender Körpersprache.

Die Handtasche und Papiere schützen

Weitere Tipps: Handtaschen sollten vor dem Körper getragen und festgehalten werden, vor allem im Gedränge. Zu deren Inhalt: „Man sollte sich fragen: Was muss ich wirklich dabeihaben? Müssen es Autopapiere und -schlüssel sein, wenn ich auf eine Party gehe und weiß, dass ich Alkohol trinke und mit dem Taxi nach Hause fahre?“, regte Kopietz zum Nachdenken an. Dann: „Den Personalausweis muss man haben, steht im Gesetz“, sagte er seinem erstaunten Publikum. Von dabeihaben stehe dort nichts. Also im Zweifel die Papiere zu Hause lassen. Wichtig seien lediglich Name, Adresse und Medikationsplan für den Rettungsdienst.

Selbstbehauptung gelebt, und man landet unweigerlich beim Thema „Zivilcourage“. Die sei nicht zu verwechseln mit Heldentum, mahnte Kopietz. Zivilcourage bedeutet, zu helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, andere direkt zur Mithilfe aufzufordern, genaues Beobachten einer Situation und sich das Aussehen des Täters einzuprägen, die Polizei unter 110 anzurufen, sich um Opfer zu kümmern und sich als Zeuge zur Verfügung zu stellen.

Zum Schluss sprach eine Besucherin aus, was viele dachten: „Solch ein Abend ist gut, um sich schon mal Gedanken darüber zu machen, wie man sich in gewissen Situationen verhalten könnte.“

is

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