Achimer Bürgerstiftung feiert zehnjähriges Bestehen / „Zu einer maßgeblichen Kraft in dieser Stadt geworden“ / Festredner Henning Scherf

Weil nur „das Ich“ keine Gemeinschaft schafft...

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Christoph Rippich, Präsident des Kuratoriums der Bürgerstiftung, gratulierte.

Achim - Seit ihrer Gründung vor zehn Jahren hat die Achimer Bürgerstiftung nur zwei Vorsitzende gesehen – Ursula Lepper und Dieter Scheid –, aber etliche Unterstützer gefunden. Viele davon waren gestern ins Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch) gekommen, um dort gemeinsam das Jubiläum einer Institution zu feiern, die sich in vergleichsweise kurzer Zeit mit diversen Projekten, die das Bürgerwohl in den Mittelpunkt rücken, einen erstklassigen Ruf erworben hat.

Der Festakt, bei dem das „Duo Sundays“ für die Musik verantwortlich war, geriet zu einer Veranstaltung mit geradezu herzlichem Charakter, auf der die Redner zwar wichtige Stationen und Projekte der Bürgerstiftung anführten, aber vor allem sehr persönliche Worte für die Protagonisten und deren engagierte Arbeit fanden.

Achims Ehrenbürgermeister Christoph Rippich, Präsident des Kuratoriums der Bürgerstiftung, betonte zunächst, dass der Rat der Stadt sich für die Gründung einer Bürgerstiftung eingesetzt habe, dankte Förderern und Sponsoren und betrieb am Ende seiner Ausführungen ein wenig Gesellschaftskritik: „Unsere Gesellschaft neigt dazu, das Ich vor die Gemeinschaft zu setzen. Das Ich schafft aber keine Gemeinschaft.“

Achims Bürgermeister Rainer Ditzfeld attestierte der Bürgerstiftung, innerhalb von zehn Jahren viel bewegt zu haben. Mehr noch: „Die Bürgerstiftung ist zu einer maßgeblichen Kraft in dieser Stadt geworden.“ Als solche habe sie vielen Menschen ermöglicht, sich an Projekten zu beteiligen, die die Lebensqualität verbessern helfen. Ditzfeld nannte als „Großprojekt“ den Rathauspark, der vormals mehr oder weniger der Verwahrlosung preisgegeben war, aber mit dem tatkräftigen Einsatz der Bürgerstiftung zu einer schmucken Fläche umgestaltet wurde, die heute ein Treffpunkt für Generationen ist. Hier könne man sich sportlich betätigen oder auf dem Sommerfest, für das Damen und Herren gerne Hut tragen, ein paar vergnügliche Stunden verleben. „Die Bürgerstiftung“, sagte Ditzfeld, „hat es sich zur Aufgabe gemacht, Projekte für junge und ältere Menschen anzuschieben oder abzusichern.“ Derlei Engagement erwies sich schnell als preisverdächtig. Nur zwei Beispiele: Die Bürgerstiftung Achim trägt seit 2006 ein Gütesiegel als sichtbares Zeichen für Qualität und erhielt 2010 den Niedersächsischen Umweltpreis.

Den Festvortrag hielt Dr. Henning Scherf. Bremens ehemaliger Bürgermeister sprach über Freiwilligkeit und davon, als junger Mensch überzeugt gewesen zu sein, der Staat werde schon alles richten, aber: „Je älter ich werde, desto mehr Fragezeichen sehe ich. Sich auf den Staat zu verlassen, ist zu wenig.“ Vielmehr müssten sich die Menschen für das Gemeinwesen und ihren eigenen Beitrag daran entscheiden. Und Scherf weiter: „Dass Deutschland zu einem Sehnsuchtsland für andere geworden ist, hat auch den Grund, dass hier immer mehr Leute etwas selber in die Hand nehmen.“

Scherf nannte die deutsche Gesellschaft eine, die aus der Vergangenheit gelernt habe. Den Zuzug der Flüchtlinge erkennt Scherf zwar als gegenwärtige Herausforderung, allerdings nicht als eine mit völlig neuen Merkmalen. Scherf erinnerte an den Flüchtlingsstrom nach dem Zweiten Weltkrieg, an die Boat-People, aber auch an den Mauerfall und die Vereinigung der beiden deutschen Staaten: „Die Aufnahme von Menschen, die Hilfe suchen, ist nicht selbstverständlich, aber wichtig.“ Und Henning Scherf schloss: „Eine Gesellschaft mit Eigeninitiative, wobei das Alter keine Rolle spielt, hat Zukunft.“

häg

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