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Achimer Bürgerradio wird von sieben Leuten gemacht

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Von: Dennis Bartz

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Auch der mit 17 Jahren Jüngste im Team, Merlin Hankel, sitzt gerne vor dem Mikro.
Auch der mit 17 Jahren Jüngste im Team, Merlin Hankel, sitzt gerne vor dem Mikro. © Bartz

Achim – Seit Sommer 2018 geht der Achimer Bürgerfunk regelmäßig auf Sendung. Treue Zuhörer wissen: Jeden zweiten Montag im Monat um 16 Uhr kommt auf Frequenz UKW 92.5 MHz ein neuer Teil „Der Spaziergang“ – eine Stunde Geschichten aus Achim und umzu mit Musik aus den 1980er- und 1990er-Jahren.

Aber das ist vorbei: Wegen einer Programmumstellung beim zuständigen Sender Radio Weser.TV ändert sich ab April der feste Sendeplatz: „Wir veröffentlichen künftig alle vier Wochen eine neue Folge, dadurch verschieben sich die Sendetermine“, bedauert Gründer Wolfgang Mindermann.

Diese Zeitung hat die Radiomacher bei ihrer Redaktionskonferenz in der Alten Feuerwache in Achim besucht. Nur 50 Meter entfernt von dort, an der Heilbronnstraße 7 inmitten der Achimer Fußgängerzone, ist ihr professionelles Studio.

Viel Zeit zum Planen bleibt nicht mehr, denn bereits am Montag, 11. April, um 16 Uhr startet die nächste Sendung, die dann auch über die Internetseite www.derspaziergang.de abgerufen werden kann. Zusätzlich gibt es dort ein Archiv mit bereits gesendeten Folgen.

Genaue Hörerzahlen lägen ihnen zwar nicht vor, erklärt das Team, aber die Zugriffsdaten seien eindeutig: „Immer mehr Menschen hören uns zu“, freut sich Mindermann. Dass die Fangemeinde wächst, hat auch Hartmut Bleckwenn, Reporter und mit 74 Jahren der Älteste in der Runde, festgestellt: „Ich kenne sogar jemanden, der hat sich extra ein neues Radio gekauft und es auf unsere Frequenz einstellen lassen, um keine Sendung mehr zu verpassen.“

Während des Treffens geht es dieses Mal nicht nur um Themen für die nächste Sendung, denn auch das erste kleine Jubiläum im Sommer beschäftigt die ehrenamtllichen Mitareiter bereits. Im August steht die 50. Sendung an – ein guter Anlass, um auch mal zurückzublicken.

Das Team des Bürgerfunks in Achim: (von links) Sibylle Boysen, Hartmut Bleckwenn, Wolfgang Mindermann, Hermann Wahlers, Merlin Hankel und Sönke Lohmann. Es fehlt Moderator Marvin Bollmann.
Das Team des Bürgerfunks in Achim: (von links) Sibylle Boysen, Hartmut Bleckwenn, Wolfgang Mindermann, Hermann Wahlers, Merlin Hankel und Sönke Lohmann. Es fehlt Moderator Marvin Bollmann. © Bartz

Die Idee dazu, eine eigene Sendung zu machen, kam Wolfgang Mindermann bereits 2015, als er zusammen mit seiner Frau Flüchtlinge aus Syrien unterstützt hat. „Damals habe ich so viele tolle Menschen kennengelernt, die sich wie wir engagiert haben, aber nicht groß darüber geredet haben. In mir wuchs damals der Wunsch, ihnen eine Stimme zu geben.“

Im Februar 2018 setzte er dann seinen Plan um und lud interessierte Bürgerinnen und Bürger zu einem Gespräch ins Rathaus ein. Sein Ziel: eine Radiosendung von Achimern für Achimer, eine bunte Mischung aus Reportagen, plattdeutschen Geschichten und Beiträgen einer Schüler-AG der Realschule. „Jeder sollte seine Stärken und Interessen einbringen. Und so ist es bis heute. Das Beste daran ist: Wir harmonieren toll miteinander, uns macht das viel Spaß“, betont Mindermann.

Dass damals zwar die meisten von ihnen bereits eine große Leidenschaft fürs Radio, aber keinerlei Erfahrung damit hatten, machte Gründungsmitglied Dietmar Gode wett, der lange als Tontechniker gearbeitet hatte. Er sorgte dafür, dass bei der Premiere am 11. Juli 2018 alles glatt lief.

Als Gode später aus Altersgründen ausschied, stieß Sibylle Boysen zum Team, die bei Radio Bremen und für eine Filmproduktionsfirma als Cutterin gearbeitet hatte. Sie bringt die gelieferten Beiträge in Form, schneidet alle störenden „Ähs“ der Sprecher heraus und kürzt, was aus dem Rahmen fällt. „Etwa zwei bis drei Stunden, dann ist alles fertig“, berichtet Boysen.

Die einstündige Sendung setzt sich aus etwa 20 Minuten Wortbeiträgen und 40 Minuten Musik zusammen. Aber wie lange brauchen die Radiomacher, um die Inhalte zu recherchieren und umzusetzen? „Insgesamt sind wir eine Woche damit beschäftigt“, erklärt Mindermann, Kopf des Teams, ehemaliges Achimer Ratsmitglied und Fan klassischer Musik. Er sorgt dafür, dass die Mischung stimmt.

Hermann Wahlers, der für die plattdeutschen Geschichten zuständig ist, findet es besonders gut, dass der Achimer Bürgerfunk unpolitisch und überparteilich agiert: „Das bedeutet nicht, dass wir nicht auch mal kritisch berichten. Aber wir bleiben dabei immer neutral.“

„Der Spaziergang“ ist kein Seniorenradio: Fest zum Team gehören mit Moderator und IT-Spezialist Marvin Bollmann, Schüler Merlin Hankel und Auszubildendem Sönke Lohmann auch drei junge Mitglieder. „Mir macht es großen Spaß, hier dabei zu sein. Ich stecke gerade mitten in den Abiturvorbereitungen und lerne bei jedem Beitrag hier etwas dazu“, sagt das mit 17 Jahren jüngste Mitglied Hankel. Sönke Lohmann, nur ein Jahr älter, macht gerade eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker und bringt ebenfalls eigene Ideen ein: „Ich bin viel unterwegs, und wenn ich etwas Spannendes sehe, mache ich etwas daraus.“

Durch die Arbeit fürs Bürgerradio habe sich nicht nur das Bewusstsein für eine klare Aussprache verändert, weil jedes Nuscheln im Radio deutlich zu hören ist. Einige Mitglieder berichten auch davon, dass sie durch ihre Arbeit die Stadt Achim und deren Umgebung noch einmal neu kennengelernt hätten: „Ich habe ein viel engeres Verhältnis zur Stadt entwickelt“, berichtet Wahlers, der in Sagehorn wohnt.

Auch wenn die Sendung „Der Spaziergang“ inzwischen auch im Livestream übers Internet empfangbar ist, für Wolfgang Mindermann steht fest: Er hört sie lieber direkt übers Radio. „Für mich ist das Zuhören darüber wie das Knistern beim Lesen der Lokalzeitung, die man selbst in der Hand hat“, so Mindermann, der als Autor und Sprecher auch die Beiträge in der „lyrischen Ecke“ übernimmt und als „Sprücheknacker“ Leute auf der Straße interviewt.

Wer die siebenköpfige Gruppe kennenlernen will, den lädt Hartmut Bleckwenn für Samstagvormittag, 7. Mai, an den Infostand auf dem Achimer Wochenmarkt ein. Dort kann sich jeder melden, der selbst Lust hat, das Format mitzugestalten. „Wenn wir zu viele Beiträge haben, dehnen wir unsere Sendung eben auf zwei Stunden aus“, sagt Wolfgang Mindermann und lacht.

Info

Wer Ideen und Anregungen zur Sendung liefern will oder Fragen hat, meldet sich per E-Mail an weser-radio@stadt.achim.de oder informiert sich auf www.derspaziergang.de.

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