„Achimer Argumente“: Flüchtlingsfrage offen diskutiert / Fairer Schlagabtausch

Behörden und Politik sehen Grenzen, Helfer noch nicht

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Moderator Manfred Brodt (rechts) befragte die Podiumsteilnehmer, hier sind Axel Eggers (Mitte) und Peter Bohlmann im Bild.

Achim - Von Michael Mix. Noch mal eine Million Flüchtlinge auch in diesem Jahr könne Deutschland nur schwer verkraften und ein neuerlicher „Ansturm“ würde auch die Behörden im Landkreis Verden vor erhebliche Probleme stellen. Aber die vielen ehrenamtlichen Helfer in Achim seien noch nicht am Limit angelangt. Das war der Tenor bei der Podiumsdiskussion „Achimer Argumente“ zum Thema „Flüchtlinge – Wie schaffen wir das?“

Rund 100 Besucher verfolgten am Dienstagabend den sachlichen Schlagabtausch im Saal des Kulturhauses Alter Schützenhof. Auch einige aus dem Publikum brachten bei dieser Veranstaltung des Achimer Kreisblatts und des Kasch ihre Meinung ein, zunächst erteilte Moderator Manfred Brodt jedoch den Gästen am Podium das Wort.

„Die Integration gelingt nur, wenn die Flüchtlinge die deutsche Sprache lernen, eine Wohnung finden, die Kinder in die Kita oder die Schule gehen und die Erwachsenen einen Arbeitsplatz bekommen“, stellte Landrat Peter Bohlmann fest. Das alles sei nur mit enormem Aufwand zu schaffen. „Die Kreisverwaltung“, bekannte Bohlmann, „ist am Rande ihrer Leistungsfähigkeit“. Viele seiner Mitarbeiter seien für die Unterbringung und Integration der Flüchtlinge eingespannt.

Das gilt insbesondere für Kerstin Wendt, Leiterin des Jobcenters „Arbeit im Landkreis Verden“, die ebenfalls mit am Podium saß. Solch eine Masse an Leuten sei nur mit Mühe in die heimische Gesellschaft einzugliedern, sagte Wendt. „Das Beherrschen von Deutsch ist dabei die Basis.“

Die überalterte Bevölkerung in Deutschland brauche Zuwanderung. „Und wer wirklich verfolgt wird, ist hier willkommen“, äußerte der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt. Doch die Anzahl der Flüchtlinge und die Geschwindigkeit, mit der sie kämen, seien zu hoch. Mattfeldt, der von einer „gewissen kritischen Haltung“ gegenüber Kanzlerin Merkel und dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Kauder in dieser Frage sprach, hält die von Bayerns Ministerpräsident Seehofer geforderte Obergrenze von 200000 Einwanderern nach Deutschland pro Jahr für sinnvoll.

Eine Obergrenze für die Leistungsfähigkeit der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer in Achim sehe er noch nicht als gekommen an, sagte Uwe Homes, der sich dieser Aufgabe in Baden angenommen hat. Aber die Arbeit für die 200 Aktiven im Stadtgebiet werde schwerer, räumte er ein.

Insbesondere hinsichtlich der kulturellen Integration sei es „hilfreich, die Flüchtlingsfamilien intensiv zu begleiten“, ergänzte Dörthe Eggers, die das Willkommenscafé im Gemeindezentrum Nord mit aufgebaut hat. Sie spreche Brisantes wie „Kopftuch tragen“ oder „Teilnahme von Mädchen am Schwimmunterricht“ gegenüber Muslimen offen an. Meistens trage das Früchte. „Da wächst ganz viel gegenseitiges Verständnis“, erklärte Eggers.

„Ich denke, dass wir denen helfen sollten, die sich auf den Weg zu uns gemacht haben“, lautete das Statement ihres Namensvetters Axel Eggers, Flüchtlingskoordinator bei der Stadt Achim. Für einen Großteil der in der Embser Turnhalle untergebrachten Familien seien bereits Wohnungen gefunden worden. Eggers zeigte sich „optimistisch, dass das auch bei den mehr als 100 Flüchtlingen in der Sporthalle Uphusen gelingt“.

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