Streit um nächtliches Fernsehen

Zoff in Flüchtlingsunterkunft

Achim - Auch wenn man als Flüchtling aus der Elfenbeinküste ein gemeinsames Schicksal hat, muss man sich noch lange nicht grün sein, besonders wenn man auf engem Raum im fremden Land zusammenleben muss. Das zeigte sich jetzt auch bei einem Prozess vor dem Achimer Amtsgericht. Angeklagt war ein heute 28-jähriger Ivorer der gefährlichen Körperverletzung und falschen Verdächtigung gegen Landsleute in einer Achimer Flüchtlingsunterkunft.

In der Nacht des 2. Januars diesen Jahres war es zu einem Konflikt zwischen dem Angeklagten, seinen Zimmergenossen und einem eingeladenen, übernachtenden Freund gekommen, als der Angeklagte in dem gemeinsamen Schlafzimmer nachts gegen 3 Uhr den Fernseher laut liefen ließ, was die anderen am Schlafen hinderte. 

Den Bitten, den Fernseher mitten in der Nacht doch auszuschalten, kam er nicht nach, da er über die Fernsehprogramme doch Deutsch lernen wolle und die anderen doch auch nachts oft genug laut ihre Musik gehört hätten. Es entwickelte sich dann eine nicht nur verbale Auseinandersetzung. Der Angeklagte behauptete, er sei auf dem Bett liegend oder sitzend mit einer Kopfnuss und einem Messer angegriffen worden. 

Widersprüchliche Aussagen

Am Arm sei er geschnitten worden, was zwei fast parallele Schnitte beweisen sollten. Die minutiöse Befragung durch Richter Matthias Hahn offenbarte jedoch viele Widersprüche in diesen Behauptungen: Lag oder saß der Angeklagte auf dem Bett bei den angeblichen Angriffen, kam die Kopfnuss vor oder nach der Schnittattacke, wurden die Armverletzungen durch ein Messer oder die Scherben eines Glases oder einer Flasche beigebracht?

Die Staatsanwältin und der Richter glauben, dass sich der Angeklagte die Verletzungen selbst zugefügt hat. Das bestätigten auch die damaligen Zimmerkollegen. Sie berichteten, dass nach der wütenden Auseinandersetzung um den unters Bett gestellten oder in die Ecke geworfenen Fernseher der Angeklagte ein Glas oder eine Flasche gegen die Tür geworfen habe und dann mit einem Küchenmesser zurückgekommen sei, das er mit dem Griff einem unter das Auge gerammt habe mit Worten wie: „Das wirst Du bereuen. Du bekommst, was Du verdienst.“

Der Angeklagte sieht auch in diesen Äußerungen ein schon länger angelegtes Komplott seiner Landsleute gegen ihn. Die verneinen das und verweisen darauf, dass er aus einem Teil der Elfenbeinküste komme, der für die Aggressivität seiner Bewohner bekannt sei.

Angeklagter verletzt sich selbst

Für die Staatsanwältin und den Amtsrichter war jedenfalls klar, dass der Angeklagte sich der gefährlichen Körperverletzung mit dem Messer, der Bedrohung und der falschen Verdächtigung gegenüber den anderen Flüchtlingen schuldig gemacht hatte. Da die Zeugen sich in den wichtigen Punkten nicht widersprachen, andererseits in Details aber sich durchaus nicht abgesprochen zu haben schienen, hielt der Amtsrichter ein Komplott gegen den Angeklagten für unwahrscheinlich.

Während die Staatsanwältin das Messer nicht als Waffe, sondern als gefährliches Werkzeug einstufte und auf eine Bewährungsstrafe von sieben Monaten und eine Woche als Warnung plädierte, entschied der Amtsrichter auf acht Monate und zwei Wochen. 

Er verdeutlichte dem Angeklagten, dass bei weiteren Vergehen ihm die Abschiebung drohe, und empfahl ihm dringend, zur Integration Deutsch zu lernen. Die Lebensgefährtin des Angeklagten holte dabei wie zur Bestätigung ein Langenscheidt-Wörterbuch Deutsch aus ihrer Tasche.  

mb

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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