Betriebe am Bremer Kreuz und IHK machen Dampf in Sachen „Achim-West“

Achim-West: Vitakraft droht mit Wegzug von Bremer Kreuz

Vitakraft will expandieren. archiv
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Vitakraft will expandieren. archiv

Tierfutterhersteller Vitakraft und der Lebensmittellogistiker Nagel sowie die „Interessengemeinschaft Industrie- und Gewerbegebiet Bremer Kreuz“ wollen Achim-West.

Achim – „Achim-West“ muss her! Das verlangen der Tierfutterhersteller Vitakraft, der Lebensmittellogistiker Nagel und überhaupt die „Interessengemeinschaft Industrie- und Gewerbegebiet Bremer Kreuz“. Dabei werden die Unternehmen, die zum Teil expandieren wollen und mit Wegzug drohen, von der Handelskammer Bremen sowie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade für den Elbe-Weser-Raum unterstützt.

„Achim-West“ mit dem geplanten 90 Hektar großen Industrie- und Gewerbegebiet südlich des Bremer Kreuzes und neuer Anschlussstelle an der Autobahn 27 müsse verwirklicht werden, heißt es in Schreiben an Achims Bürgermeister Rainer Ditzfeld, seinen Bremer Amtskollegen Andreas Bovenschulte und auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil.

„Für uns als Unternehmen ist dieses Projekt aufgrund der katastrophalen Verkehrssituation im Gewerbegebiet am Bremer Kreuz von übergeordneter Bedeutung“, da „Achim-West“ die Verkehrsströme deutlich entzerren würde, schreibt Vitakraft-Geschäftsführer Dirk Strelow an Ditzfeld. Durch den aktuellen Neubau des Hochregallagers unweit der „Hansalinie“ seien die Flächenkapazitäten an den Standorten in Achim und Bremen „weitestgehend ausgeschöpft“. Ein Gewerbegebiet auf der anderen Seite der A 1 wäre für Vitakraft, größter Arbeitgeber in Achim, durch ein Brückenbauwerk „logistisch perfekt nutzbar. Wir präferieren unseren heutigen Standort und würden uns nur ungern einer anderen Region öffnen wollen“, merkt Strelow an.

Achim-West statt Gewerbegebiet Bremer Kreuz für Spedition Nagel ein Muss

Auch die Spedition Nagel lechzt nach „Achim-West“. „Im Gewerbegebiet Bremer Kreuz bieten sich uns keine Kapazitäten für bauliches Wachstum, die wir in den nächsten Jahren aber aller Voraussicht nach benötigen werden“, informiert Niederlassungsleiter Johannes Boelter. Und fügt in den an Ditzfeld und Bovenschulte adressierten Schreiben hinzu: „Mit knapp 600 Arbeitsplätzen haben wir einen gewissen Anteil sowohl an den Beschäftigungs- wie an den Wertschöpfungseffekten. Gleichzeitig entsteht durch uns eine Reihe von Lkw-Bewegungen.“ Durchschnittlich 450 Mal pro Arbeitstag steuerten Laster-Fahrer über die Anschlussstellen Sebaldsbrück oder Uphusen / Mahndorf das Betriebsgelände an der David-Ricardo-Straße in Uphusen an. Ein möglicher Umzug nach „Achim-West“ würde die Verkehrssituation verbessern und jetzt lärmgeplagten Anwohnern helfen.

Auch die IG Bremer Kreuz mahnt die beiden Bürgermeister, das Projekt in die Tat umzusetzen. Das vorhandene Industrie- und Gewerbegebiet sei nur „mangelhaft“ erschlossen. „Die Lage ist dort täglich durch Staus geprägt.“ Und länderübergreifende Finanzierungen von Großprojekten seien an anderer Stelle erreicht worden, etwa beim Jade-Weser-Port, nimmt IG-Beauftragter Gero Rosik Bürgermeister Bovenschulte ins Gebet. „Zumal eine Bremer Investition in Achim-West für Bremen wirtschaftlich sein wird. So betragen die Bremer Aufwendungen nur etwa ein Zehntel der Kosten, die Bremen für andere neue Gewerbegebiete realisiert.“ Darüber hinaus habe die IG signalisiert, das Projekt mitzufinanzieren und sich an Ausgleichsmaßnahmen für Umwelt- und Klimaschutz zu beteiligen. Gemeinsam mit der Stadt Achim sei hierfür ein Sponsoring-Vertrag vorbereitet worden.

Projekt Achim West: Niedersächsischer Regierungschef soll helfen

Die Handelskammern wollen auch den niedersächsischen Regierungschef mit ins Boot holen. Das länderübergreifende Gewerbegebiet Bremer Kreuz mit mehr als 8 000 Arbeitsplätzen gelte es „als Top-Destination zu erhalten und weiterzuentwickeln (...) Straßenanschlüsse, teilweise durch Wohngebiete mit Tempo 30 und Nachtfahrverbot, stellen massive Engpässe dar“, leiten die beiden IHK ihre Schreiben an Weil und Bovenschulte ein. Sie fordern beide Landesregierungen auf, „die Projektidee sowie deren zügige Planung und Umsetzung mit höchster Priorität“ zu unterstützen.

Die Mitglieder des Finanz- und des Planungsausschusses des Achimer Stadtrates bekommen diese Schriftstücke allesamt zur Kenntnisnahme für die Sitzungen am 18. beziehungsweise 23. Februar. In einer sogenannten Mitteilungsvorlage geht der Verwaltungsvorstand mit Bürgermeister Ditzfeld und dem Ersten Stadtrat Bernd Kettenburg, zugleich Projektleiter für „Achim-West“, auf die Schreiben ein und begründet zunächst, warum eine für den 29. Januar geplante Informationsveranstaltung der Städte Achim und Bremen für die Unternehmen im Gewerbegebiet am Bremer Kreuz bei der Firma Vitakraft zum Stand des Projekts Achim-West „auf unbestimmte Zeit vertagt wurde“. Einerseits sei das coronabedingt erfolgt, „andererseits aber auch wegen der noch nicht abgeschlossenen Verhandlungen zwischen Bremen und Achim“.

Auf Grund der Aussagen der Unternehmen „mit den deutlichen Hinweisen auf fehlende Entwicklungsmöglichkeiten in Achim“ zeigen sich Ditzfeld und Kettenburg alarmiert. Gerade auch deshalb, weil die Stadt derzeit über keine eigenen vermarktungsreifen Grundstücke für industrielle und gewerbliche Flächen mehr verfüge. Sowohl bei der einheimischen Wirtschaft, als auch bei weiteren externen Interessenten, werde der Bedarf für „Achim-West“ als „überaus hoch“ angesehen.

Bald weg? Die Acker- und Wiesenflächen südlich des Bremer Kreuzes werden für das 90 Hektar große Gewerbegebiet „Achim-West“ benötigt.

„Sollte das Projekt nicht wie geplant realisiert werden können, wird die wirtschaftliche Entwicklung Achims zunächst stagnieren, mittel- bis langfristig aber sehr wahrscheinlich durch absehbare Standortverlagerungen rückläufig sein“, folgert der Verwaltungsvorstand. Spiegelbildlich lasse sich dieser Niedergang auch auf die Steuererträge prognostizieren. „Da diese den wesentlichen Beitrag zur dauerhaften finanziellen Leistungsfähigkeit der Stadt Achim leisten, dürften mittel- bis langfristige Nachteile für den Haushalt und die Leistungsfähigkeit der Stadt Achim nicht ausbleiben.“ Von Michael Mix *kreiszeitung.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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