Gewerbegebiet soll auf 90 Hektar wachsen

„Achim-West“ um 40 Millionen Euro teurer

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Das geplante, vergrößerte Gewerbegebiet mit Erschließungsstraßen und der neuen Autobahn-Anschlussstelle.

Achim - Von Michael Mix. Das Megaprojekt „Achim-West“ wird deutlich teurer als geplant. Die Stadt Achim hat die Kosten für den Bau der neuen Autobahn-Anschlussstelle an der A 27, eines Gewerbegebiets südwestlich des Bremer Kreuzes und von Erschließungsstraßen um satte 40 Millionen auf nun 140 Millionen Euro nach oben korrigiert. Damit wächst die von der Verwaltung bezifferte Finanzierungslücke von 13 auf 23 Millionen Euro. Das gab der städtische Projektleiter Bernd Kettenburg gestern bei einem Pressegespräch im Rathaus bekannt.

Bei der vorherigen Kostenkalkulation 2015 waren rund 100 Millionen Euro für das Vorhaben veranschlagt worden. Damals sei ein 75 Hektar großes Gewerbegebiet am Kreuz geplant gewesen. Zwischenzeitlich hätten sich etliche Parameter verändert, erläuterte Kettenburg.

Für den Anstieg der Kosten um 40 Prozent führte der Vizechef der Stadtverwaltung verschiedene Gründe an. Zum einen sei das Gewerbegebiet um 15 auf 90 Hektar vergrößert worden. Die zusätzliche Fläche liegt südlich der geplanten Anschlussstelle. Als Weiteres verwies der Erste Stadtrat auf den akualisierten Bundesverkehrswegeplan. Dieser enthalte sowohl den Bau eines dritten Gleises zwischen Bremen und Verden, der einen breiteren Bahntunnel für die Verbindungsstraße zur L 158 erforderlich mache, als auch den achtspurigen Ausbau der A 1, was die vorgesehene Verlängerung der Theodor-Barth-Straße in Form einer Brücke über die „Hansalinie“ hinweg verteuert.

Zudem fehlte in der Kostenberechnung bisher die Anbindung der Theodor-Barth-Straße an die Thalenhorststraße in Bremen. Die dafür veranschlagten acht Millionen Euro soll die Hansestadt stemmen.

Ein weiterer Kostenfaktor ist der auf 16 Millionen Euro taxierte Bau der Anschlussstelle Achim-West zwischen der Abfahrt Achim-Nord und dem Bremer Kreuz. Zwei Drittel dieser Summe übernimmt der Bund, das restliche Drittel muss kommunal aufgebracht werden. „Der Landkreis ist bereit, 1,8 Millionen Euro beizusteuern, dann blieben für die Stadt hierfür noch rund drei Millionen Euro“, informierte Kettenburg.

Ein wesentlicher Kostentreiber ist nach seinen Angaben der spätere Start des Projekts. „Wir sind mal von 2018 ausgegangen.“ Nun müssten Preissteigerungen einberechnet werden.

Die Infrastruktur für „Achim-West“, also vor allem der Straßenbau nach erfolgter Bodenentwässerung und -begradigung, soll von 2020 bis 2025 geschaffen werden. Beim „Errichtungszeitraum“ für das Gewerbegebiet seien auf Wunsch von Bremen, das erheblich zur Finanzierung des Vorhabens beitragen soll und deshalb einen Großteil der Gewerbesteuereinnahmen abbekommen soll, ein „Worst Case“ und ein „Best Case“ betrachtet worden. Im schlechteren Fall könnten die Flächen innerhalb von zwölf Jahren, von 2023 bis 2035, vermarktet werden. Bei der positiveren Variante sind die letzten Grundstücke bereits 2031, nach neun Jahren, weg.

Ein um 15 Hektar größeres Gewerbegebiet verbessere natürlich die Einnahmeseite, betonten Kettenburg sowie Martin Balkausky und Peter Hollwedel, beide Geschäftsführer der Projektgesellschaft Achim-West. Wie hoch diese Summe ausfallen könnte, berechne derzeit das Institut Prognos. Zudem seien die Fördermittel, etwa vom Land Niedersachsen, gestiegen.

Achim habe bisher drei Millionen Euro an Planungskosten bezahlt, während sich Bremen mit einer halben Million Euro beteiligte. Der weitere Finanzierungsanteil der Stadt an dem Vorhaben sei derzeit bei neun Millionen Euro festgeschrieben.

Zahlen, mit denen sich der Ratsausschuss für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr am Dienstag, 19. Februar, 17 Uhr, in öffentlicher Sitzung im Ratssaal befassen wird. Die Kostenexplosion bei „Achim-West“ dürfte an dem Abend ein brisantes Thema sein.

Dass bisher erst „70 Prozent“ der 90 Grundstückseigentümer in dem Gebiet „Verkaufsbereitschaft signalisiert“ hätten, hält Kettenburg im Übrigen für keine Hürde. Notfalls blieben eben „Grüninseln“ im Gewerbegebiet bestehen, merkte er gestern auf Nachfrage an. „Daran wird das Projekt nicht scheitern.“

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