„Bringt mehr Verkehr und ist Kostenfalle“

Bürgersprecher in Uphusen kritisieren „Achim-West“

Nicht weit entfernt vom letzten Haus am Moordamm soll das neue Industrie- und Gewerbegebiet entstehen. Parallel zur A 27 (im Hintergrund) ist eine „Entlastungsstraße“ geplant. - Fotos: Mix

Achim-Uphusen - Von Michael Mix. Gebe es in Achim überhaupt Bedarf für ein riesiges Industriegebiet? Würden Wohnviertel tatsächlich vom Verkehr entlastet? Und wie sehe es mit der Finanzierbarkeit der geplanten weiteren Autobahn-Anschlussstelle an der A 27 samt Anbindung an das vorhandene Gewerbeareal am Bremer Kreuz und an die Bremer Straße aus? „Achim-West“ werde von Rat und Verwaltung schön geredet, bemängeln Holger Schierenbeck und Nadine Focke, gewählte Sprecher der Bürgerinnen und Bürger in Uphusen bei diesem Mega-Projekt.

Die Stadt sollte da nicht ohne weiteres zig Millionen Euro hineinstecken. „Es braucht belastbare Gutachten, dass das Vorhaben sich rechnet“, fordert Schierenbeck.

Der 59-Jährige und Focke (28) wohnen in Uphusen in dem Wohngebiet nördlich der Bahn. Nicht weit von diesem Viertel zwischen Moordamm und Morgenland soll die Verlängerung der Theodor-Barth-Straße über die A 1 hinweg verlaufen und das rund 70 Hektar große neue Industrie- und Gewerbegebiet entlang der A 27 entstehen. „Wir sind angetreten, dass diese ohnehin lärmbelastete Wohnlage sich nicht verschlechtert“, nennen sie dem Reporter beim Gespräch vor Ort ihr Ansinnen.

Er sei ja nicht grundsätzlich gegen neue Gewerbeflächen oder eine Entlastungsstraße, sagt Schierenbeck, der in der Geschäftsleitung eines Elektronikunternehmens arbeitet. Aber dann müsse es dafür eben plausible Gründe geben und ein „vernünftiger Lärmschutz durch Erdwälle“ gewährleistet sein.

Zusammen mit Nadine Focke, die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Steuer-Fachbereich der Universität Bremen ist, wolle er den Bürgerinnen und Bürgern erläutern, was das Projekt für Auswirkungen habe, „nicht nur positive, auch negative“. Die Stadt sollte keinen Lobgesang auf „Achim-West“ anstimmen, sondern das Vorhaben „offen und transparent gegenüber der Bevölkerung darstellen“. Da sei „längst nicht alles toll.“

Stichwort „Verkehrsentlastung“: Erfahrungsgemäß produziere eine neue Autobahn-Anschlussstelle auch neue Verkehre, sagt Schierenbeck. Insbesondere durch Bierden, aber auch durch die Achimer City, „bis hoch zum Kreisel“, wälzten sich dann noch mehr Fahrzeuge als ohnehin schon. Aber für die Anwohner der Uphuser Heerstraße würde es dank der Entlastungsstrecke doch deutlich ruhiger? „Auf den 300 Metern von der Abfahrt Uphusen/Mahndorf bis zur Thalenhorststraße sind dann vielleicht ein paar Lkw weniger unterwegs, ansonsten wird sich die Verkehrssituation nicht verbessern“, ist Schierenbeck überzeugt.

Die Stadt sollte „den Bürgern klar mitteilen, dass es bei dem Projekt nicht in erster Linie darum geht, Einwohner vom Verkehr zu entlasten, sondern um Gewerbe ansiedeln zu können“, formuliert der Sprecher. Allerdings stelle sich die Frage, ob in einer Zeit, in der Firmen oft nur wenige Jahre an einem Standort produzierten und dann weiterzögen, überhaupt Bedarf für solch eine ausgedehnte Fläche bestehe. Das Beispiel des Automobilzulieferers Dräxlmaier, der sich mit erheblicher Unterstützung durch die öffentliche Hand kurz nach der Jahrtausendwende im Gewerbepark Uesen ansiedelte und 2017 dort rausgehen wolle, lasse grüßen.

Als Drittes führt Schierenbeck das Finanzierungsproblem an. „Mit den 100 Millionen Euro, die immer wieder als Kosten für das Vorhaben genannt werden, wird man nicht hinkommen“, sagt er. Denn bei einem Großteil der Fläche, auf der Betriebe und Straßen geplant sind, handele es sich um „Moorboden, der aufwändig entwässert und ausgekoffert werden müsste“. Zudem habe Bremen, das über genügend eigene, bessere Gewerbepotenziale als das Gebiet am Bremer Kreuz verfüge, „doch gar kein Interesse, das Projekt zu realisieren“. Das benachbarte Haushaltsnotlageland werde kaum etwas beisteuern, meint Holger Schierenbeck, „und damit dürfte alles vermutlich Jahrzehnte dauern und immer teurer werden“.

„Achim-West“ schaffen? „Achim hat andere Probleme“, ist er sich mit Nadine Focke einig. „Die Stadt muss zum Beispiel dringend in Kita-Plätze investieren.“

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