Zwischen Kahlschlag und Urwald

Stadt gibt neues Wald-Nutzungskonzept in Auftrag

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Wer Ruhe und Erholung sucht, ist gier genau richtig.

Achim - Von Manfred Brodt. „Rein in den Wald, raus aus dem Wald, rein in den Wald, aber behutsam“. So könnte man die Strategie bezeichnen, die die Stadt Achim in ihrem sogenannten Stadtwald verfolgt.

Wald nennt man hier das ehemalige militärische Öllager wohl nur, weil die Weserstadt extrem waldarm ist. Und so gibt es auch im Gegensatz zu waldreichen Gebieten hier schnell Unruhe, wenn mal ein Baum aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen gefällt wird.

Kaum nachvollziehbar waren so allerdings die Ordnungsmaßnahmen, als die Stadt Anfang 2016 an den Waldrändern breite Streifen roden ließ, um dem Brandschutz zu genügen und benachbarte Häuser zu schützen, auch wenn da gar keine Häuser standen. Kranke und kränkelnde Bäume wurden da ebenso umgehauen wie kerngesunde, stattliche Bäume.

Neben der Fällaktion regten die Beschneidungen vieler Bäume, die eher bösen Verunstaltungen und Misshandlungen gleich kamen, die Menschen mächtig auf.

Einfach liegenlassen und den Wald sich selbst überlassen? Diesen Grundsatzbeschluss von 2016 hat der Achimer Stadtrat jetzt aufgehoben.

Der Achimer Stadtrat beschloss dann Mitte des Jahres,, dass solches nie mehr vorkommen darf, und der Wald möglichst in Ruhe gelassen und nicht forstwirtschaftlich genutzt werden sollte. Totholz sollte einfach liegen bleiben. Lediglich bei Biotopen sollte der Mensch schützend eingreifen.

Doch von dieser beschlossenen Linie ist das Gremium jetzt wieder abgerückt, denn die Stadt hat im Wald auch eine gewisse Verkehrssicherungspflicht. Zwar begibt sich, wer in den Wald geht, damit auch in eine natürliche Gefahr. Liegt bei Unfällen und Verletzungen durch einen fallenden Baum, Löcher oder Gruben aber Verschulden des Waldeigentümers, sprich der Stadt, vor, haftet sie. Da der Stadtwald bewusst der Erholung der Bevölkerung dient und auch zu Erkundungen auf dem Naturerlebnispfad einlädt, hat die Stadt zumindest hier auf und an den Wegen für die Sicherheit Sorge zu tragen.

Weiter haben die Ratsmitglieder wohl auch erkannt, dass es dem Wald wohl nicht zur Zierde gereicht, wenn man ihn wilden Urwald werden und fremde Gewächse heimische verdrängen lässt.

So werden im Auftrag der Stadt jetzt die durch Sturm umgefallenen Bäume im Wegebereich entfernt.

Wie weit die Pflegemaßnahmen im Stadtwald dann aber gehen sollen, bleibt noch einem Konzept vorbehalten, das der Stadttrat jetzt in Auftrag gegeben hat. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen als bisherige fachliche Begleitung und die Niedersächsischen Landesforsten sollen Vorschläge machen zu einer naturnahen und nachhaltigen Entwicklung des Waldes. Klar ist, dass aus dem Holz keine großen Einnahmen erzielt werden sollen. Die Unterhaltung des Wäldchens in Achims Stadtmitte kostet die Stadt im Jahr rund 30.000 Euro.

Mit dem neuen Konzept könnte dann vielleicht auch der Arbeitsgemeinschaft Badener Vereine einmal geantwortet werden, die schon 2014 vorgeschlagen hatte, auf ihre Kosten die Wege im Stadtwald mit kleinen Wegweisern zu versehen, damit Spaziergänger nicht in einen Irrgarten geraten und Rettungsfahrzeuge schnell an einen Unglücksort kommen können.

Bisher hat die Stadtverwaltung auf diesen Vorschlag nicht positiv reagiert, da eine solche Beschilderung in den Stadtwald einladen und die Haftung der Stadt erhöhen könnte,. Eine juristische Sicht, die zumindest umstritten ist.

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