„Durchpeitschen“ des Projekts

Ehepaar wendet sich gegen Achim-West: „Beim Verkehr droht Achim der Super-Gau“

Staugefahr: Der Gieschen-Kreisel ist schon jetzt ein viel befahrener Verkehrsknotenpunkt.
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Staugefahr: Der Gieschen-Kreisel ist schon jetzt ein viel befahrener Verkehrsknotenpunkt.

„Dieses Projekt ist für Achim eine Nummer zu groß“, sagen Hans-Dieter und Ingvild Pöhls. Die Rede ist von „Achim-West“. „Es würde erhebliche, negative Folgen und Konsequenzen für die Stadt und deren Bürger nach sich ziehen“, behauptet das Ehepaar und sieht ein „unkalkulierbares Risiko für den Stadthaushalt“.

Achim – Im Übrigen klaffe bei dem Vorhaben eine beträchtliche Finanzierungslücke von 23 Millionen Euro und der angedachte Projektpartner Bremen werde diese, anders als im Achimer Rathaus erhofft, infolge der Kostenbelastungen durch die Corona-Krise nicht schließen können und wollen. In einem Schreiben an die Stadt und den Landkreis bringen Hans-Dieter und Ingvild Pöhls ein Bündel an Einwendungen zum Planfeststellungsverfahren für den Bau einer Erschließungsstraße für den Gewerbe- und Industriepark Achim-West vor. Diesen lehnen sie in der geplanten Art und Weise und einem Umfang von 90 Hektar ab.

Achim: Enorme Verkehrsbelastung statt Verkehrsberuhigung

Stichwortartig machen die Einwender folgende Gründe geltend: „unsichere und ungeklärte finanzielle Situation, enorme Verkehrsbelastung statt Verkehrsberuhigung, riesiger Landverbrauch und Zerstörung bäuerlicher Höfe und Existenzen, enorme Versiegelung von Natur- und Landwirtschaftsflächen, Verstoß gegen Artenschutz, fehlender Gleisanschluss, enorme Lärmzunahme statt Lärmminderung, Zerstörung des sozialen Gefüges der Stadt, Beeinträchtigung der Lebensqualität, Wertverluste für Grundstücke und Häuser von Anliegern“. Nicht zuletzt bemängelt das Achimer Ehepaar, dass Politik und Verwaltung die Bürger nur ungenügend über das Projekt informiert und nicht ausreichend in Planungsprozesse eingebunden hätten.

Der Entwurf für das „komplexe Vorhaben“ habe gerade mal zwei Wochen bei der Stadt ausgelegen, die Einspruchsfrist sei bereits 14 Tage später, am 9. November, verstrichen. „Hinzu kommt, dass Planungsunterlagen nicht unter achim.de einzusehen waren, sondern unter landkreis-verden.de“, kritisiert das Paar. Dort seien diese auch noch „versteckt und äußerst schwierig zu finden“ gewesen. Hans-Dieter und Ingvild Pöhls verlangen daher eine „gebührende Verlängerung“ der Einspruchszeit bis zum 7. Dezember.

Achimer Ehepaar fordert transparente Kommunikation

Darüber hinaus fordern sie Bürgermeister Rainer Ditzfeld und Verwaltungsvize Bernd Kettenburg auf, das Projekt den Bürgern „in transparenter und klarer Weise offenzulegen, mit ihnen gleichberechtigt und auf Augenhöhe zu diskutieren, ihre Ideen und Vorstellungen anzuhören“. Ein Investitionsvorhaben von „derart komplexem und brisantem Umfang“ und daraus folgenden Konsequenzen dürfe in einem demokratischen Gemeinwesen nicht noch einmal so „durchgepeitscht“ werden wie das bei der Ansiedlung von Amazon geschehen sei. Am Ende müssten die Bürgerinnen und Bürger darüber abstimmen können.

Ein Gewerbegebiet südlich des Bremer Kreuzes lehnen Hans-Dieter und Ingvild Pöhls nicht generell ab. Die Planung sollte aber „stufenmäßig aufgebaut sein, beginnend mit einer Fläche am Autobahnkreuz von etwa 20 Hektar“. Das Gelände könne ja später noch einmal um maximal weitere 20 Hektar erweitert werden. „Einen ausgewogenen Branchenmix vorausgesetzt, könnte dann eine Win-Win-Situation für ansässige Unternehmen, Achimer Bürger und die Stadtverwaltung entstehen.“

Aus Gründen des Klima- und Umweltschutzes hält das Ehepaar einen Anschluss des neuen Gewerbegebiets an die Bahnstrecke Bremen - Hannover für notwendig. „Ein Güterzug verursacht pro Tonnenkilometer nur ein Viertel so viel Kohlendioxid wie ein Lkw“, merkt Hans-Dieter Pöhls an. Und Achim-West könnte für den modernen Containerverkehr über die Schiene sogar an die wiederbelebte historische Seidenstraße auf der Route von Schanghai bis nach Duisburg angebunden werden. Was seiner Meinung nach auch schon heute stark frequentierte Autostrecken entlasten würde.

Viele Achimer müssten mit Schleichverkehr durch Wohnviertel rechnen

Das vorliegende Verkehrsgutachten sei im Übrigen unzureichend. Das Büro PGT habe nur punktuell untersucht, welche Fahrzeugströme durch Achim infolge des Projekts fließen werden. Viele Achimer müssten mit Schleichverkehr durch ihre Wohnviertel rechnen. Für die Sicherheit, insbesondere der Kinder, sei es erforderlich, auf der Bremer Straße, für die PGT eine Mehrbelastung von täglich 3 000 Autos und Lkw prognostiziert hat, Tempo 30 einzuführen sowie ein Parkverbot zu erlassen.

„Der Nachweis eines reibungslosen Gesamtverkehrs ist noch nicht erbracht“, urteilt Pöhls. Staus auf den Autobahnen, die immer wieder zu Umleitungen durchs Stadtgebiet führten, seien nicht berücksichtigt worden. Das Ehepaar fordert, das Gutachten mit „veralteten Zahlen“ von 2015 „von einem weiteren, neutralen Verkehrsbüro überprüfen zu lassen“ und ein belastbares Mobilitätskonzept für den Nordkreis vorzulegen.

Sollte die Stadt das Projekt nicht stoppen, sehen Hans-Dieter und Ingvild Pöhls für das örtliche Straßennetz und die Bevölkerung schwarz: „Wenn Amazon-Verkehre und Achim-West-Verkehre aufeinandertreffen werden, dann bekommt Achim seinen Super-Verkehrsgau.

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