Fährtenleserin mit Ausdruckskraft

Spuren stehen im Mittelpunkt der Arbeiten von Brigitte Gläsel

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Alles steht in Verbindung: Die aufrechten Ölbilder zeigen Abstraktionen von Fotodokumenten zu Abrissarbeiten auf der Apfelwiese. Auf dem Boden präsentiert Brigitte Gläsel ihre Ergebnisse vom Papierdruck-Seminar, die daraus entstanden sind. 

Achim - Von Ingo Schmidt. Wie ein Teppich liegen auf dem Boden ihrer Wohnung bedruckte Blätter ausgebreitet – sie sind das Ergebnis eines zweiwöchigen Kunst-Seminars der Sommerakademie, von dem Brigitte Gläsel eben zurückgekehrt ist. „Das war genau das, was ich erwartet und gesucht habe“, sagt die Achimer Künstlerin erfreut. Ihre Drucke zeigen Spuren der Veränderung im Achimer Stadtbild.

Spuren stehen im Zentrum vieler Arbeiten von Brigitte Gläsel. Die Künstlerin interessiert sich besonders für Spuren, die Menschen hinterlassen oder sich in ihnen widerspiegeln. Wie eine Fährtenleserin fahndet sie nach Ereignissen der Vergangenheit, die aktuelle Phänomene hervorrufen, oder sie deckt gegenwärtige Spuren auf, und beleuchtet damit Vergangenes. So beschreiben ihre Bilder in Acryl und Öl, die Holzschnitte und Zeichnungen Lebenssituationen und Emotionen. Gegerbte Gesichter „alter Schachteln“ deuten auf ein bewegtes Leben.

Collagen aus Briefen von Paula Modersohn-Becker beispielsweise machen auf Schwierigkeiten der jungen Künstlerin aufmerksam, die sich von konventionellen Ausdrucksformen löst und gegen erheblichen Widerstand erwehren muss.

In ihrem neuen Projekt bilden von Menschen geschaffene Spuren den Kern ihrer Arbeit: Brigitte Gläsel hat die Abrissarbeiten auf der Apfelwiese am Gieschen-Kreisel fotografisch dokumentiert und in Öl auf Leinwand verarbeitet.

Weitere Collagen und Zeichnungen waren hinzugekommen und anschließend habe sie den Prozess abstrahiert in Druckverfahren darstellen wollen. „Das Papierdruckverfahren erschien mir als ein geeignetes Mittel“, erklärt die Kunstpädagogin und Psychotherapeutin, und sie habe sich deshalb für ein Seminar eines Prager Künstlers angemeldet.

Die „Druckstöcke“ auf dem Tisch bilden das erste Seminar-Ergebnis ab – sie dienen Brigitte Gläsel als Grundlage für zahlreiche weitere Werke im Tiefdruckverfahren.

Die Technik mit dem Titel „Drucken von Papier auf Papier“ war ihr bisher vollkommen unbekannt, sagt sie, dabei habe sie die Vorgehensweise sehr beeindruckt und inspiriert. Ein Karton wird mit einer Lackschicht versehen. Noch frisch, erschafft die Künstlerin mit Sand und einem scharfen Gegenstand darauf gewünschte Strukturen und Linien. Anschließend folgt zum Fixieren eine weitere Lackschicht. Der fertige „Druckstock“ bietet nun vielfältige Variationen und Experimentiermöglichkeiten im Tiefdruckverfahren.

„Druckverfahren haben mich schon immer begleitet und seit Anfang des Jahres hat mich dieses Projekt besonders beschäftigt“, beschreibt die gebürtige Wolfsburgerin den Entstehungsprozess der aktuellen Ergebnisse, die nun den Fußboden ihrer Wohnung bedecken.

Kein Werk gleicht dem anderen: Brigitte Gläsel arbeitet zyklisch und gestaltet zu einem bestimmten Thema, oder einer Technik, stets eine ganze Serie ihrer Bilder – und auch im Druck schafft sie nur Unikate.

Eigene Spuren wird sie ab dem kommenden Semester an der Achimer Kunstschule hinterlassen. Dann leitet sie einen Ölmalkurs zum Thema Porträtmalerei in einem Grund- und anschließenden Aufbaukurs, und gibt darin Wissen und Erfahrung an interessierte Kunstschüler weiter.

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