Besserer Schutz für das Grundwasser?

SPD-„Ansprechbar“ zu Gülle: Ministeriumssprecher verweist auf neue Verordnung - Nabu skeptisch

Auf Einladung von Dörte Liebetruth und Wilfried Hirschmann (rechts daneben) diskutierten (von links) Jörn Ehlers, Ludwig Theuvsen, Harald Hesse sowie Rolf Göbbert (sitzend). - Foto: Schmidt
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Auf Einladung von Dörte Liebetruth und Wilfried Hirschmann (rechts daneben) diskutierten (von links) Jörn Ehlers, Ludwig Theuvsen, Harald Hesse sowie Rolf Göbbert (sitzend).

Achim - Der sogenannte Gülle-Tourismus, der Transport von Tierexkrementen aus den Landkreisen Cloppenburg und Vechta nach der Achimer Marsch und das Ausbringen auf Feldern dort, stinkt manch einem Achimer. Dieses „anrüchige“ Thema stand am Donnerstagabend bei der SPD-Veranstaltungsreihe „Ansprechbar“ im Hotel Gieschen auf dem Programm.

Auf Einladung der Landtagsabgeordneten Dörte Liebetruth und des SPD-Ortsvereins Achim mit dem Vorsitzenden Wilfried Hirschmann an der Spitze diskutierten Experten rund um das Thema Gülle. Am Podium saßen Ludwig Theuvsen, Abteilungsleiter im niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Jörn Ehlers, Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen und Kreislandwirt, Rolf Göbbert, zweiter Vorsitzender des Nabu-Kreisverbands Verden, und Harald Hesse, Vorsitzender des Trinkwasserverbands Verden.

Niedersachsen kennzeichne eine hohe Nutztierhaltung, legte Theuvsen dar. 22 Prozent der bundesdeutschen Rinderhaltung, ein Drittel der Schweine- und zwei Drittel der Masthuhnproduktion konzentrierten sich hier. Das führe zu hohen Exkrementeausscheidungen und Nährstoffaufkommen, besonders in den Kreisen Vechta und Cloppenburg, während in Achim und umzu kaum Massentierhaltung verbreitet sei. Obergrenzen wurden laut Theuvsen bisher oft nicht eingehalten, weil zusätzlich zur Gülle auch Gärreste aus Biogasanlagen ausgebracht werden durften.

Mit der neuen Düngemittelverordnung von 2017 sei das Problem aber behoben worden, versicherte der Agrarökonom. Im Rahmen einer Nährstoffstrategie sollen bis Ende Juni 2019 Risikogebiete sowie nitrat- und phosphatsensible Bereiche ausgewiesen werden. Durch Tierwohl-Förderprogramme habe man die Mast teilweise reduziert.

Hesse, der auch Bürgermeister in Thedinghausen ist, erklärte, er sehe eine funktionierende Kooperation mit Landwirten und registriere keine Grenzwertüberschreitungen. Bei Trinkwasser, das in 150 bis 200 Metern Tiefe gefördert werde, gehe die Belastung durch Nitrat gegen Null. Aber eine Kontrolle mittels Düngekataster sei ein zentraler Aspekt des Grundwasserschutzes, denn man wisse nicht, was komme.

„Was die Gülle betrifft, stellen sich einige Bürger schon die Frage, ob Abfälle entsorgt werden oder eine vernünftige Düngung erfolgt“, bemerkte Nabu-Mann Göbbert. Nutztierhaltung habe mit Methan- und Lachgasemissionen einen Anteil von 7,2 Prozent an der Treibhausgasentwicklung. Ungewiss sei zudem der Einfluss multiresistenter Keime und Antibiotika in der Gülle auf Bodenbakterien und Wildtiere. Bei Schäden und Überschreitung von Grenzwerten sollte man die Verursacher stärker in die Pflicht nehmen, forderte der gelernte Landwirt.

Auf Nachfrage aus dem Publikum antwortete Ehlers, dass es keine Kontrollinstanz gebe, aber Meldepflicht und Dokumentation. Die Güllemenge lasse sich nachvollziehen, aber der Anteil mineralischer Dünger bedeute eine unbekannte Größe. „Wir wollen stärker auf Mineraldünger verzichten“, erklärte der Kreislandwirt, er sei weniger hochwertig und klimabelastend in der Herstellung.

Gülle wird laut Ministeriumsvertreter Theuvsen nicht auf Inhalte kontrolliert, denn ein Landwirt werde sein Land kaum freiwillig selbst verunreinigen. Bei 30 Millionen Tonnen Wirtschaftsdünger pro Jahr in Niedersachsen sei eine lückenlose Überprüfung nicht realisierbar. Es gebe jährlich 73 000 Datensätze, die untersucht würden. Bei Auffälligkeiten erfolge eine Kontrolle, sonst nur stichprobenartig. Auch gebe es keine Qualitätskontrolle, aber der Einsatz von Medikamenten habe seit 2012 durch Impfung der Tiere und eine sorgfältigere Desinfektion der Ställe um ein Drittel reduziert werden können.

Auf die Frage nach dem Einfluss von Gülle hinsichtlich eines Anstiegs der Feinstaubbelastung antwortete Jörn Ehlers, dass sich Ammoniak mit Sekundärpartikeln der Luft zu Feinstaub verbinde, deshalb wechselten Landwirte inzwischen zu emmissionsarmer Ausbringtechnik. Ein unkontrollierter Gülleabfluss sei hingegen im Flachland weniger das Problem, und GPS-Technik helfe, Abstände zu Gräben einzuhalten. - sch

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