Stadt will Arbeitsgruppe zur Krähenproblematik gründen

Achim: Planvoll zur erfolgreichen Umsiedlung

Bei der Kreuzung an der Borsteler Landstraße haben sich Krähenkolonien angesiedelt. Verwaltungsmitarbeiterin Ines Wolpmann, Silke Brünn, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Verden, und Achims Bürgermeister Rainer Ditzfeld begutachten einen der Bäume, der von den Vögeln besiedelt ist.
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Bei der Kreuzung an der Borsteler Landstraße haben sich Krähenkolonien angesiedelt. Verwaltungsmitarbeiterin Ines Wolpmann, Silke Brünn, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Verden, und Achims Bürgermeister Rainer Ditzfeld (v.l.) begutachten einen der Bäume, der von den Vögeln besiedelt ist.

Achim – Seit Jahrzehnten fühlen sich Anwohner in Achim von Krähen gestört. Viele Maßnahmen hat die Stadt seither unternommen. Dennoch ist die Krähenpopulation in Achim seit Jahren in etwa gleich: Sie umfasst um die 1000 Nester von geschützten Saatkrähen, sagt Ines Wolpmann. Die Biologin ist im Rathaus für Umwelt und Stadtgrün zuständig. Jetzt will die Achimer Stadtverwaltung erstmals eine Arbeitsgruppe zur Krähenproblematik mit Anwohnern und Politik gründen.

Es gelte, planvoll vorzugehen und etwa zu überlegen, wohin man die Vögel umsiedeln könnte. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Verden würde diese fachlich beraten.

„Wir nehmen die Anregungen und Beschwerden der Anwohner ernst“, sagt Bürgermeister Rainer Ditzfeld – auch mit Blick auf den jüngsten Ortstermin mit dem CDU-Stadtverband (wir berichteten). Ditzfeld hat inzwischen Gespräche mit den Amtskollegen aus Thedinghausen und Ottersberg, Harald Hesse und Tim Willy Weber, geführt. In beiden Kommunen gibt es ebenfalls eine Krähenproblematik, wenn auch nicht so weitreichend. Besonders im Frühjahr, wenn die Bäume noch kahl sind, häuften sich die Beschwerden von Bürgern, weiß Silke Brünn, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. Viele krähengeplagte Anwohner fordern, die Vögel zu vergrämen und sie in Gebiete umzusiedeln, wo sie niemanden stören.

Doch das sei leichter gesagt als getan. Saatkrähen stehen seit den 80er Jahren, als sich ihre Population durch Bejagung massiv reduzierte, unter Naturschutz. „Sie sind in die Städte gezogen, weil sie dort nicht geschossen werden. Außerdem finden sie dort, etwa in offenen Mülltonnen, einen reich gedeckten Tisch vor“, erläutert Silke Brünn. Nach dem Landes-Jagdrecht dürften Saatkrähen nicht bejagt werden. Und die Bäume, die den Vögeln als Fortpflanzungsstätte dienen, dürften nicht zerstört werden. Der Landkreis kann aber Ausnahmegenehmigungen zur Vergrämung erteilen, sofern eine Krähenkolonie die Gesundheit von Menschen gefährdet. Dies gelte etwa für Nester in der Nähe von Kindertagesstätten, Spielplätzen oder Krankenhäusern.

Aber das Vergrämen ist laut Brünn sehr aufwendig: Selbst bei abwechslungsreicher Methodenwahl (Krähenklatsche, Spiegel oder CDs im Baum), gebe es keine Erfolgsgarantie. „Wenn ein Nest zerstört wird, fangen sie an, woanders ein neues zu bauen.“ Wenn man Pech hat, könne sich das Problem durch Vergrämung sogar vergrößern.

Am Spielplatz an der Hinrichstraße könnte der Landkreis eine Ausnahmegenehmigung zur Vergrämung erteilen. Rainer Ditzfeld, Silke Brünn und Ines Wolpmann diskutieren, ob es sich um eine Saat- oder Rabenkrähe handelt.

Beispielsweise hat die Stadt jedes Jahr mit Erlaubnis des Landkreises Nester vor Beginn der Brut- und Setzzeit entfernt. „Bei der Kita Schlaumäuse war die Feuerwehr innerhalb von zehn Tagen viermal mit der Drehleiter oben. Nach dem vierten Mal haben die Krähen erst aufgegeben“, schildert Ditzfeld. In Verden habe man in der Nähe des Mars-Betriebsgeländes versucht, Krähen mithilfe eines Falkners zu vertreiben. „Das hat nicht funktioniert, die Krähen haben die Falken vertrieben“, erzählt Bürgermeister Ditzfeld.

Laut Ines Wolpmann konzentriert sich die Krähenpopulation in Achim auf mehrere kleine und drei große Gebiete: die Straßen An der Eisenbahn und Auf dem Born sowie das Magdeburger Viertel. Befeuert werde die Ansiedlung durch offene Mülltonnen oder aus dem Fenster entsorgte Essensreste. „Solange wir das hier für sie attraktiv gestalten, fliegen sie nicht in die Marsch“, so Wolpmann.

In diesem Baum auf dem Spielplatz an der Hinrichstraße brüten eine Elster und eine Krähe (mittiges Nest an der Astgabel).

Auch am Spielplatz an der Hinrichstraße/Albertstraße hat sich offenbar gerade eine Krähe – in Nachbarschaft einer Elster – angesiedelt. Dort könnte die Untere Naturschutzbehörde ebenfalls die Vergrämung erlauben. Jedoch nicht in der nun begonnenen Brut- und Setzzeit. „Da kann man dieses Jahr nichts mehr machen. Die sitzt“, sagt Silke Brünn mit Blick auf das Nest in der Astgabel.

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