Kommunen zahlten bisher viel Geld

Land erlaubt Hortbetrieb in Schulräumen – „viel zu spät“

Kinder müssen nach Schulschluss künftig nicht mehr das Gebäude wechseln, um einen Hort zu besuchen. - Archivfoto: Mix
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Kinder müssen nach Schulschluss künftig nicht mehr das Gebäude wechseln, um einen Hort zu besuchen.

Achim - Von Michael Mix. Schon Achims früherer Bürgermeister Uwe Kellner beklagte den „Blödsinn, dass Schulräume nicht nachmittags vom Hort genutzt werden können“. Stattdessen müsse die Stadt dafür extra separate Einrichtungen schaffen oder anmieten, was eine Menge Geld verschlinge. Doch nun vollzieht das Land Niedersachsen eine Kehrtwende und gibt Schulräume für die Hortnutzung frei.

„Ich bin froh über diese Erfolgsmeldung“, sagte die heimische SPD-Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth gestern auf Nachfrage dieser Zeitung. Der für viele überfällige, aber auch überraschende Schritt der großen Koalition in Hannover entlaste die Kommunen und komme zudem Schülern entgegen, die nach Unterrichtsschluss für die Nachmittagsbetreuung im Hort nicht mehr das Gebäude wechseln müssten.

Vor etlichen Jahren habe ihr bereits der damalige Bürgermeister Kellner mit dem Thema in den Ohren gelegen, und dessen Amtsnachfolger Rainer Ditzfeld habe das Ansinnen ihr gegenüber ebenso weiterverfolgt wie die SPD-Ratsfraktion in Achim. Aber auch aus anderen Teilen des Landkreises sei das Anliegen hartnäckig vorgetragen worden. „In meinem roten Rucksack habe ich es in die Landespolitik genommen und dann immer wieder nachgehakt“, teilt Liebetruth mit.

Die Abgeordnete aus Kirchlinteln, aber auch zahlreiche andere Akteure haben in diesem Punkt offenbar erfolgreich dicke Bretter gebohrt. „Das hat ganz viele Städte und Gemeinden bedrängt“, weiß Liebetruth. Aber Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) sei dafür auch aufgeschlossen gewesen.

Die Debatte drehte sich vor allem um die Qualitätsstandards der Räume

Mit Vertretern der kommunalen Spitzenverbände habe der Ressortchef in den vergangenen Monaten viele Gespräche geführt. Und nun hätten der Niedersächsische Städtetag, der Städte- und Gemeindebund sowie der Landkreistag ihr Ziel erreicht. Die von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) geführte große Koalition mit der CDU sei sich einig: Schulräume dürfen unter bestimmten Voraussetzungen auch für den Hortbetrieb genutzt werden.

Warum die nicht nur für Ex-Bürgermeister Kellner auf der Hand liegende, jetzt gefundene Lösung so lange auf sich warten ließ? Bei Fachleuten innerhalb des Kultusministeriums habe „erhebliche Skepsis geherrscht, ob dann die Qualitätsstandards für die Horte eingehalten werden können“, erklärt Dörte Liebetruth. „Da bedurfte es starken politischen Drucks.“

Der kam auch vom Koalitionspartner in Hannover, lässt der hiesige christdemokratische Landtagsabgeordnete Axel Miesner durchblicken. Die von Kultusminister Tonne im Kabinett vorgestellte „Mustervereinbarung“ habe „den Weg für die von der CDU geforderte Doppelnutzung freigemacht“, formuliert der Lilienthaler.

Schul- und Hortkinder rücken so näher aneinander

Miesner lobt die Entscheidung: „Das ist der richtige Schritt, um die Raumnot in unseren Städten und Gemeinden zu mildern und zugleich gemeinsame Aktivitäten von Schul- und Hortkindern zu ermöglichen. Mit dieser Änderung folgt die Landesregierung einem ausdrücklichen Wunsch unserer Kommunen.“

Nach bisheriger Rechtslage war die Nutzung schulischer Räume für den Hortbetrieb nur in wenigen Ausnahmefällen möglich. Stattdessen steht die Schule „nebenan“ leer. Dies sei keinem zu vermitteln, so Axel Miesner. „Die bisherige Praxis war pädagogisch fragwürdig und teuer.“

Für die Neuerung musste nicht mal das Kindertagesstättengesetz geändert werden. Für Hortbetrieb in Schulräumen ist laut dem Kultusministerium „entscheidend, dass mindestens zwei Quadratmeter Bodenfläche pro Kind zur Verfügung stehen, um die Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsarbeit angemessen zu ermöglichen“.

Ditzfeld: „Das hätte viel früher passieren müssen“

Achims Bürgermeister Rainer Ditzfeld reagiert zunächst mal angefasst auf die Nachricht aus der Landeshauptstadt. „Das kommt viel zu spät, das hätte viel früher passieren müssen“, entfährt es ihm als erstes auf Nachfrage dieser Zeitung.

Die bisherige Regelung, wonach getrennte Räume für Schule und Hort vorgehalten werden müssen, habe die Stadt Achim „viel Geld gekostet“, empört sich Ditzfeld. Auch hält er es für „Unsinn, dass vormittags immer der Hort leersteht und nachmittags die Schule“.

Endlich sei die Regierung in Hannover umgeschwenkt, was die Kommunen natürlich finanziell entlasten werde. Denn bei einem Hort in eigenen Räumen fielen ja nicht nur Kosten für den Bau oder für die Anmietung des Objekts an, sondern auch für Strom, Wasser, Heizung und Reinigung, führte der Bürgermeister aus.

Allerdings gebe es in Zeiten des wachsenden Ganztagsschulbetriebs immer weniger Horte. Ditzfeld fallen nur noch die in Uesen und Uphusen ein. Wie mit denen nun umgegangen werden solle, damit werde sich der Schulausschuss des Stadtrates in seiner Sitzung am Montag, 24. September, befassen.

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