Kugelfang einer Schießbahn im Krieg als Spielplatz

Klaus Rummel erinnert sich an seine Kindheit am „Bunker“

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Klaus Rummel spielte als Kind rund um den „Bunker“.

Achim - Von Michael Mix. Der Volksmund bezeichnet den Betonklotz in den ehemaligen Bierdener Bergen als Bunker. „Tatsächlich handelt es sich um den Kugelfang einer Schießbahn aus dem Zweiten Weltkrieg“, sagt Klaus Rummel, der als Kind in dem weitläufigen Dünengelände jahrelang auf Entdeckungstour ging – und dabei ungeahnt sein Leben aufs Spiel setzte.

Er erinnere sich an „Flak-Stellungen, die unbefestigt und flexibel waren und für Übungszwecke dienten“, berichtet der 79-jährige Uphusener. Eine davon habe auf dem Gelände des heutigen Naturschutzgebiets „Sandtrockenrasen Achim“ unweit des Ellisees gelegen.

Rummel war als kleiner Junge Zeitzeuge des kriegerischen Geschehens vor Ort. Nach Ende des Grauens nutzte er zusammen mit anderen Heranwachsenden das alles andere als ungefährliche Areal als riesigen Abenteuerspielplatz. Ereignisse, die mehr als 70 Jahre zurückliegen, aber Rummel noch recht frisch in Erinnerung sind.

Der vom Volksmund als Bunker bezeichnete Betonklotz nahe des Ellisees diente Soldaten im Zweiten Weltkrieg als Kugelfang einer Schießbahn in den damaligen Bierdener Bergen.

„Unsere Familie hatte es nach der Zerstörung unserer Wohnung in Bremen im August 1944 nach Uphusen-Mehren in eine Holzbaracke am Rande der Dünen verschlagen“, erzählt er. In dem Dünengebiet, zum größten Teil mit Heide bewachsen, sei das letzte deutsche Soldatenaufgebot, der sogenannte Volkssturm, im Schnellverfahren mit Schanzarbeiten, Laufgräben, Unterstand-Bau und Schießübungen ausgebildet worden. Vergebliche Mühe, das Ende ist bekannt.

Dem damals Sechsjährigen und anderen „Jungspunden“ bescherte das jedoch ungeahnte, spannende Stunden der Freizeitgestaltung. „Mit dem Kriegsende gehörte uns Kindern und Jugendlichen das ganze Gebiet zwischen Uphusen und Bierden als Spielplatz. Unter anderem eroberten wir die Schießbahn auf Bierdener Gebiet.“

Vom heutigen Betonklotz sei lediglich die Vorderseite mit der Öffnung nach Westen zu sehen gewesen. „Der übrige Teil war mit Sand total zugedeckt und bewachsen“, erinnert sich Klaus Rummel.

Mit seinen Spielkameraden entdeckte er schon bald für die Kinder schier Unglaubliches. „Die Öffnung war das Ende einer tief in die Dünen gegrabenen geraden Schießbahn. Nach meiner Erinnerung maximal 200 Meter lang und an der Sohle etwa 15 Meter breit.“ Auch die Lkw-Zufahrt am Anfang der Schneise und „ein paar Reste von Fundamenten“ hat Rummel noch im Gedächtnis.

Dass sie damals auf lebensgefährlichem Terrain unterwegs waren, wurde allen erst später bewusst. „Ein etwas unheimlicher Spielplatz mit vielen Munitionshülsen und Geschossresten“, sagt Klaus Rummel heute.

Der „Bierdener Bunker“, der im Krieg als Kugelfang diente, steht noch immer. Der Betonklotz, weiß der fast 80-Jährige, sei mit der großflächigen Sandentnahme durch das Hartsteinwerk in Uphusen in den 50er/60er Jahren in seiner jetzigen Form freigelegt worden.

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