Keine Garantie für Testzentrum

Corona-Modellregion Achim vor Start der Testphase gescheitert

Niedersachsen probt das Öffnen. Unter anderem in Achim sollte ein Stück weit Normalität zurückkehren. Doch jetzt ist das Projekt noch vor dem Start gescheitert.

Update vom 8. April: Achim wird keine Corona-Modellregion. Das hat der Bürgermeister der Stadt, Rainer Ditzfeld, am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz mitgeteilt. Als eine von 14 Modellregionen hatte sich Achim zuletzt intensiv auf weitreichende Lockerungen vorbereitet. Nun zog die Stadt die Reißleine und stoppte das Projekt.

Als Grund nannte Ditzfeld die gegenwärtige Unsicherheit, ob ein für das Projekt notwendiges Testzentrum rechtzeitig einsatzbereit sein werde. Der Anbieter habe keine Garantie für eine Inbetriebnahme geben können, sagte der Bürgermeister. Nach Bekanntwerden der erfolgreichen Bewerbung hatte er betont, alle Beteiligten seien sich einig, dass es kein Schnellschuss werden dürfe. (kom)

Ursprungsartikel vom 5. April: Landkreis Verden/Achim – 14 Kommunen in Niedersachsen können sich schon mal darauf einrichten, dass in Modellprojekten die Öffnung von Läden und ein Start von Kultur und Außengastronomie möglich wird. Die Stadt Achim ist dabei. Die Stadt Verden, die sich ebenfalls beworben hatte, erhielt bei der Auswahl am Sonnabend keinen Zuschlag. Eine Chance bleibt noch bis zur Monatsmitte, wenn im zweiten Schritt elf weitere Kommunen zur Teilnahme ausgewählt werden.

„Alle hoffen, dass es mit den Modellkommunen gelingt, neue Perspektiven für die nächsten Wochen und Monate auf den Weg zubringen, das heißt Konzepte zu erproben, die dann im Erfolgsfall ausgeweitet werden können. Mit der Erfassung der Daten und die damit verbundenen Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen kann und darf so ein Projekt auch scheitern, aber nur so können neue Wege (…durch Impfen, Testen, LucaApp, Kontaktverfolgung usw.) aus der Pandemie aufgezeigt werden“, kommentiert Achims Bürgermeister Rainer Ditzfeld die Teilnahme Achims.

Mit dem Modellversuch soll ein Stück Normalität zurückkehren.

Am Osterwochenende hat Ditzfeld gleich mal die Ärmel hochgekrempelt. „Nachdem am Samstag Achim als Modellkommune ausgewählt wurde, haben am Wochenende schon erste intensive Planungsgespräche stattgefunden. Alle Beteiligten waren sich einig, dass es kein Schnellschuss werden darf und soll“, teilte er mit.

Start der Corona-Modellregion Achim am 16. April

Starten werde die Modellkommune für drei Wochen, ab dem 16. April. Bis dahin haben alle Beteiligten noch einen Berg Arbeit vor sich. Ein zusätzliches Testzentrum soll auf dem Lidl-Parkplatz entstehen, das ganztags von Montag bis Samstag geöffnet ist. Die Genehmigung habe der Landkreis schon erteilt. Vielleicht müssten noch weitere Testmöglichkeiten geschaffen werden. Etwa mobil vom Auto aus.

Die Vereinbarungen mit den teilnehmenden Betrieben müssen geschlossen und ein Sicherheits- und Ordnungskonzept festgelegt werden. Auch die wissenschaftliche Begleitung zur Auswertung der drei Wochen müsse vorbereitet werden und, ganz wichtig: Der Inzidenzwert muss unter 200 bleiben.

Corona-Modellregion: Hohe Anforderungen an die Projekte

„Die Anforderungen an solche Projekte sind hoch“, kommentiert auch die Landesregierung den Modellversuch. Ein überzeugendes Testregime, eine einsatzfähige digitale Kontaktnachverfolgung und die Untersuchung der Infektionsentwicklung vor Ort seien die entscheidenden Kriterien.

Angesichts der Pandemielage und den Risiken einer dritten Infektionswelle in Niedersachsen seien zunächst nur Kommunen zugelassen worden, die eine Inzidenz von 100 nicht überschreiten. Die Auswahl habe das niedersächsische Sozial- und Gesundheitsministerium mit den kommunalen Spitzenverbänden getroffen. Die Städte Aurich, Achim, Braunschweig, Hansestadt Buxtehude, Cuxhaven, Einbeck, Emden, Hann. Münden, Hildesheim, Hansestadt Lüneburg, Nienburg/Weser, Norden und Oldenburg sowie die Samtgemeinde Elbtalaue können nun sichere Zonen einrichten, um Einzelhandelsgeschäfte, die Außenbereiche von Restaurants und Cafés, Fitnessstudios, Kinos, Theater oder Galerien öffnen zu lassen. Der Zutritt zu einer sicheren Zone ist möglich, wenn ein negativer Corona-Test vorliegt und die LucaApp zur Kontaktnachverfolgung genutzt wird.

Ministerpräsident Stephan Weil: „Niedersachsen geht sehr umsichtig vor in der aktuell schwierigen Situation. Wir bleiben vorsichtig. Aber wir wollen einem neuen System mit Testen, Besucherlenkung und AHA-Regeln eine Chance geben. Wir brauchen Perspektiven.“ Sozial- und Gesundheitsministerin Daniela Behrens freute sich über die große Anzahl an interessierten Städten und Gemeinden. Nicht alle hätten schon die Hürde der digitalen Kontaktnachverfolgung nehmen können.

Corona-Teststrategie und rechnergestützte Kontaktnachverfolgung

Die Ergebnisse der Modellprojekte sollen den Weg für sichere Zonen in ganz Niedersachsen ebnen. „Denn mit den Projekten untersuchen wir, wie die Öffnung einzelner Bereiche mit einer konsequenten Teststrategie und unter Einhaltung strenger Auflagen möglich ist. Wir wollen so die Grundlage für spätere kontrollierte und gezielte Lockerungen schaffen“, so Behrens.

Das niedersächsische Modellprojekt war in der aktuellen Corona-Verordnung des Landes geregelt worden. Die Auswahl wurde unter Beachtung aller Vorgaben getroffen, wobei eine landesweit gleichmäßige Verteilung der Modellkommunen angestrebt wurde. Wenn mehrere Kommunen ähnlicher Größe alle Anforderungen erfüllt haben, war der niedrigste Wert bei der Sieben-Tages-Inzidenz ausschlaggebend.

Anforderungen an die Kunden in Corona-Modellregionen

Wer in den Projektgebieten der Modellkommunen Geschäfte oder sonstige Einrichtungen betreten möchte, muss – ebenso wie Mitarbeitende – einen aktuellen negativen Antigen-Schnelltest nachweisen. Selbsttests werden nicht akzeptiert. Zudem muss bei Zutritt die App für die Kontaktnachverfolgung aktiviert sein. Die Modellkommunen müssen sicherstellen, dass genügend Testkapazitäten da sind und die Auflagen befolgt werden. Für die bisher schon geöffneten Geschäfte gilt die Testpflicht nicht. Im Anschluss an die Modellprojekte werden die Kommunen einen Erfahrungsbericht vorlegen.

Kommunen, die wie die Stadt Verden bereits ihre Modellprojekte eingereicht haben, können bis zum 13. April ihre Bewerbung aufrechterhalten und ergänzen, teilt das Land mit. Über die Aufnahme in die zweite Runde werde bis Sonnabend, 17. April, entschieden.

Rubriklistenbild: © Mix

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