„Drücken, bis der Arzt kommt“

Achim: Gymnasium am Markt macht Projekttage zum Thema Erste Hilfe

Malte Lübbecke erklärt, wie man einen Bewusstlosen in die stabile Seitenlage bringt.
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Malte Lübbecke erklärt, wie man einen Bewusstlosen in die stabile Seitenlage bringt.

Achim – Immer weniger Menschen betätigen sich im Ernstfall als Ersthelfer. Grund sind oft Berührungsängste aufgrund fehlender Kenntnisse. Deshalb wird aktuell darüber diskutiert, dass Schulen bundesweit Erste Hilfe verpflichtend im Unterricht behandeln sollten. Das Gymnasium am Markt (Gamma) hat nun für die Inklusionsklasse 9c Projekttage zum Thema organisiert und sich nicht nur in der Theorie mit Erster Hilfe auseinandergesetzt, sondern auch ganz praktisch Grundlagen und Handgriffe vermittelt.

Dazu kam der Medizinstudent und Rettungssanitäter Malte Lübbecke am Freitag an seine ehemalige Schule zurück und gab in der Aula eine Unterrichtseinheit.

„Manche Schüler haben gesagt, sie leisten keine Erste Hilfe, weil sie Angst davor haben, zu viel verkehrt zu machen“, berichtet Klassenlehrerin Steffi Heers, die am Gamma auch Deutsch, Sport sowie Werte und Normen unterrichtet. „In der Theorie sind die Schüler am Gymnasium gut, aber das Praktische kommt oft zu kurz“, so Heers weiter. Die Idee zur Erste-Hilfe-Aktion habe sie bereits im vergangenen Jahr gehabt. Dafür den Anstoß gegeben habe die Corona-Pandemie und die Tatsache, dass die 9c als Inklusionsklasse mit einer Schülerin, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist, ohnehin besonderes Augenmerk auf den sozialen Umgang miteinander legt. Da kam das Angebot von Malte Lübbecke gerade recht. Der 22-Jährige studiert im zweiten Semester an der Medizinischen Hochschule Hannover.

„Wie tief muss man bei der Reanimation auf den Brustkorb drücken?“, fragt Lübbecke und zeigt den Schülern am Plastiktorso der Erste-Hilfe-Puppe die Handgriffe, die für eine Herzdruckmassage erforderlich sind. „Die Antwort lautet fünf bis sechs Zentimeter. Aber wie ihr bin ich auch nicht so einer, der immer ein Lineal dabei hat“, fügt er scherzhaft hinzu. Für die bessere Hebelwirkung sei es von Vorteil, die Schultern auf Höhe des Patienten und die Arme durchgestreckt zu halten. „Und dann: drücken, bis der Arzt kommt“, bringt er die Aufgabe eines Ersthelfers ziemlich einprägsam auf den Punkt. Dabei sei manchmal viel Geduld und Körpereinsatz gefragt, erzählt Lübbecke. „Meine längste Reanimation als Rettungssanitäter hat zwei Stunden gedauert.“ Wer sich darum sorge, dass er dabei die Knochen des Patienten brechen könnte, solle sich bewusst machen, dass dies in der gegebenen Situation das kleinere Übel sei: „Also Rippen brechen oder wiederbeleben?“

Nachdem er auch noch die Funktionsweise des Defibrillators erklärt hat, gibt Lübbecke den Schülern die Gelegenheit, selbst an den Puppen zu üben. Mit seiner Ausrüstung, die technisch auf dem neuesten Stand ist, bestehe zudem die Möglichkeit, mit einer App auf dem Smartphone zu messen, wie gut es gelingt, die verlangsamte Herzfrequenz wieder auf Touren zu bringen. 60 bis 80 Mal pro Minute pumpt das Herz laut Lübbecke normalerweise. Bei der Reanimation soll das Organ aber auf 100 bis 110 Schläge pro Minute gebracht werden. „Ich will ja nicht angeben, aber ich hab es gestern gemacht und schaffe 100 Prozent“, fügt er anspornend hinzu.

Mit überstrecktem Hals fließt der Atem frei.

Begonnen hatten die Projekttage am Mittwoch mit Rechercheaufgaben zu einer akuten Situation, darunter Krampf-, Schlag- und Herzanfall, Asthma und Diabetes. Ihre Ergebnisse präsentierten die Schüler anschließend. Sie lernten zudem, wie man einen Druckverband anlegt und was bei verschiedenen Verletzungen zu tun ist.

Alle Schüler sollten Malte Lübbecke zufolge möglichst frühzeitig die Erste-Hilfe-Grundlagen kennenlernen. „Es gibt nichts Schlimmeres als Hilflosigkeit bei einem Notfall“, findet er. Dieser Meinung ist auch die 14-Jährige Emma Krakowski: „Ich halte es für notwendig, das im Unterricht zu behandeln. Auch wenn wir noch keinen Führerschein haben, fahren wir ja auch mit unseren Eltern im Auto mit. Oder es kann etwas in der Schule passieren.“ Dies einmal im Jahr zu wiederholen, hält auch der Neuntklässler Marvin Fastenau für sinnvoll: In seiner Grundschule in Riede habe er durch einen Schulbesuch der Feuerwehr schon Grundlagen gelernt, aber mittlerweile vieles wieder vergessen.

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