Ganz viel Historie in direkter Reichweite

Gästeführerin Elke Gerbers bietet erstmals Rundgang für Menschen mit Gehhilfe in Achim

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Als „Magd Berta“ führt Elke Gerbers Menschen mit einer Gehhilfe durch Achim. 

Achim - Als Gästeführerin Elke Gerbers, alias Magd Berta, vor etwa einem Dreivierteljahr angesprochen wurde, ob sie sich eine Stadtführung für Menschen mit einer Gehhilfe (Rollstuhl, Rollator und andere Hilfsmittel) vorstellen könnte, war sie sofort angetan von der Idee. Am vergangenen Freitag war es dann soweit. Um Punkt 10 Uhr begrüßte Elke Gerbers vor dem Rathaus sechs Personen mit je einem Betreuer aus dem Seniorenpflegeheim Botegunhof in Achim.

In Abstimmung mit der Tourist-Information Achim hatte Gerbers eine 60-Minuten-Stadtführung, die den Anforderungen von Menschen mit einer Gehhilfe gerecht werden, zusammengestellt. Dabei berücksichtigten die Organisatoren die Begehbarkeit, die Entfernung und auch den barrierefreien Zugang zu sanitären Anlagen.

Die Gäste erfuhren zunächst, dass der Ortsname Achim erstmals 1091 urkundlich erwähnt wurde, die Stadt mit den umliegenden Ortsteilen 31 000 Einwohner hat und das Foyer des Rathauses von den Planern „Glasbürgerhalle“ genannt wird. Ein weiteres erheiterndes Detail: Das Standesamt befindet sich vor allem deshalb in der ersten Etage des Rathauses, damit das Kleid der Braut auf der Treppe dorthin besser zur Geltung kommen kann. „Was ja nicht ganz unwichtig ist“, fand Gerbers.

Das Zigarrenmacher-Denkmal bot eine weitere Gelegenheit für Anekdoten aus der Stadtgeschichte: Die Skulptur vor dem Rathaus erinnere an die erste Zigarrenfabrik in Achim, die 1853 von den Kaufleuten Dreyer & Pollius gegründet wurde. Die Zigarrenmacher waren es auch, die die erste „Kinderbewahranstalt“ und eine Sparkasse gegründet haben, war von Elke Gerbers zu erfahren.

Weiter ging es zum Amtsgericht und Gefängnis, ein denkmalgeschütztes Ensemble, das einmalig in Niedersachsen ist. Das Gefängnis wird seit 2012 nicht mehr genutzt, aber bis dahin mussten die Gefangenen, die nicht arbeiten wollten, im Keller „Tüten kleben“. „Eine Frauenabteilung gab es, mangels weiblicher Straftäter, auch nicht“, berichtet die Gästeführerin.

Der Hungerbrunnen, einst eine wichtige Wasserstelle an der Handelsstraße zwischen Verden und Bremen, wird nur durch Oberflächenwasser gefüllt. Gleich gegenüber: Riekes Honigkuchenfabrik, ein Gebäude mit buchstäblich zuckersüßer Fassade, das Elke Gerbers mit den Bremer Stadtmusikanten in Verbindung zu bringen wusste. Auch am Glockenspiel, das fünfmal täglich verschiedene Melodien zu Gehör bringt, machte die Gruppe halt. Dort befindet sich auch die historische „Alte Feuerwache“, die ehemals Stallungen, ein Feuerwehrhaus, 25 Jahre lang die Stadtbibliothek und jetzt ein Restaurant beherbergt.

Die Herbergstraße, die ihren Namen einer preiswerten Herberge für Handwerker verdankt, und das 1789 errichtete Pforthaus, das als Gefängnis und Wohnung des Gefangenenaufsehers und Gerichtspförtners diente, bildeten die letzten Stationen.

Fazit: Gäste und Betreuer waren hoch zufrieden mit der eigens für diese Zielgruppe eingerichteten Stadtführung. „Es war kurz und bündig. Sogar ich als ‘Eingeborene Achimerin’ habe ganz viel Neues erfahren“, sagte eine Teilnehmerin. Im Hinblick auf die Teilhabe für Menschen mit Handicap resümierte einer der Geführten: „Das war heute meine Jungfernfahrt. Ich hätte nie gedacht, dass Achim so pittoresk ist. Danke, dass ich dabei sein durfte.“ 

hem

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