Kommentar

Finanzierung von Achim-West.

Von Manfred Brodt. Das 100-Millionen-Projekt Achim-West enthält noch viele Luftbuchungen – nicht nur, weil Großprojekte fast nie so preiswert zu haben sind, wie es einst auf dem Papier stand.

Manfred Brodt.

Auch die Einnahmeseite ist schöngerechnet. Der unsicherste Kantonist ist das Land Bremen. Entgegen den Ankündigungen des Achimer und Bremer Bürgermeisters hat Bremen in dieser Woche nicht mitgeteilt, mit welcher Summe es sich an den Planungskosten von 2,3 Millionen Euro beteiligen will. „Mit 10 000 Euro ist es da sicher nicht getan“, hatte Bürgermeister Rainer Ditzfeld noch vor einer Woche im Kreisblatt-Interview gesagt.

Wie viel Bremen später von den rund 100 Millionen des Projekts übernehmen will, bleibt völlig offen. Außer schönen Worten aller bisherigen Bremer Regenten und einer Passage im Bremer Koalitionsvertrag hat Achim nichts in den Händen. Es wäre ja auch das erste Mal, dass Bremen den Nachbarn Achim nachhaltig bei seinen Problemen und Vorhaben unterstützt.

Bremen plant zusammen mit dem Bund die Verlängerung der Stadtautobahn A281 als Querverbindung von der A27 zur A1 und den achtspurigen Ausbau der A1 im Bereich des Bremer Kreuzes. Glaubt jemand, dass da die Anschlussstelle Achim-West mit den sonstigen Straßen und Brücken Priorität hat oder dass alle drei Projekte gleichzeitig verwirklicht werden?

Die knapp sechs Millionen Euro des Bundes und der Bahn für die Eisenbahnunterführung im Uphuser/Bierdener Triften dürfen nur gezahlt werden, wenn die Stadt Achim überzeugen kann, dass es sich bei dem Ersatz des bisherigen einspurigen Tunnels für landwirtschaftliche Fahrzeuge durch einen neuen Tunnel für die Verbindungsstraße von Landesstraße zur Autobahn nur um eine Veränderung und keinen Neubau der Unterführung handelt. Da gehört schon Argumentationskunst dazu.

Schließlich ist auch noch keineswegs ausgemacht, dass der Kreistag Millionen für die Stadt Achim locker macht.

Im übrigen handelt es sich auch bei den Erlösen aus Grundstücksverkäufen an Unternehmen um Schätzungen, die auch laut Prognos-Gutachten um mindestens 15 Millionen Euro auseinander gehen können. Wie schon der unnachahmliche Winston Churchill sagte: „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“

Dennoch ist es richtig, dass die Stadt Achim sich diese Zukunftsoption eines höchst attraktiven Gewerbegebietes erhält und in der mehrjährigen Planungsphase all diese kritischen Fragen prüft. So überlegt man auch, Bremen am Achimer Gewerbegebiet zu beteiligen, und sucht nach potenten privaten Investoren.

Stellt sich dann aber schließlich heraus, dass das Vorhaben die Stadt in den Konkurs treiben würde, muss noch rechtzeitig die Notbremse gezogen werden.

Rubriklistenbild: © Mediengruppe Kreiszeitung

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