„Wir hatten ja nicht mal ein paar Socken“

Hausbrand in Achim: Was eine Familie nach dem Verlust ihres Zuhauses erlebt

Die Brandruine an der Lindenstraße in Achim.
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Die Brandruine an der Lindenstraße. Wegen Feuer und Löschwasser ist der Hauptteil des Hauses nicht mehr zu retten.

Anfang März hatte sich ein Küchenbrand innerhalb von Minuten fast im ganzen Haus ausgebreitet. Michael Höptner und seine Frau Natalia Kormiltseva blicken auf ein schlimmes Jahr, aber viel Hilfsbereitschaft zurück.

  • Rund zehn Monate ist es her, dass das Haus der Familie Kormiltseva-Höptner fast vollständig abgebrannt ist.
  • Von der Hilfsbereitschaft der Achimer sind Michael Höptner und Natalia Kormiltseva noch immer gerührt.
  • Der Bauantrag für den Wiederaufbau ist bereits gestellt, aber die Versicherung macht Probleme.

Achim – „Alles gut“, sagt Michael Höptner. Es ist seine Antwort auf die Frage nach dem Befinden. Der Achimer hat sich seinen Optimismus nicht nehmen lassen. Obwohl er und seine Familie gerade Weihnachten in einer neuen Bleibe feiern mussten und ein ganz schlimmes Jahr hinter sich gebracht haben. Und das hat erst mal nichts mit Corona zu tun.

Bundesland:Niedersachsen
Landkreis:Verden
Einwohner:31.923 (31. Dez. 2019)
Fläche:68,01 km^2

Die Familie, zumindest einige Mitglieder, musste im März mit ansehen, wie ihr Haus an der Lindenstraße durch ein Feuer zerstört wurde. Was folgte, war eine Hilfsbereitschaft der Mitmenschen, die Michael Höptner und seine Frau Natalia Kormiltseva noch immer rührt.

Feuer in Achim: Flammen breiten sich schnell aus

Rückblende: Binnen Minuten hat sich der Küchenbrand an diesem Montagnachmittag Anfang März über fast das gesamte Haus ausgebreitet. Verletzt wird zum Glück niemand. Der 16-jährige Sohn kann sich gerade noch in Sicherheit bringen. Doch die insgesamt achtköpfige Patchworkfamilie steht vor dem Nichts. „Wir hatten ja nicht mal ein paar Socken zum Wechseln“, erinnert sich Höptner.

Von der Küche aus breitet sich das Feuer rasch in das Dachgeschoss aus.

Doch fast so schnell wie der Brand und die Feuerwehrleute sind auch die Helfer zur Stelle – und versorgen die Betroffenen mit Kleidung und Windeln. „Das kam von Menschen, die wir vorher nicht gekannt hatten.“ Zunächst kommt die Familie mit den jüngeren Kindern im Hotel Gieschen unter. Dann bietet ihnen eine allein erziehende Bekannte aus der Kita an, in ihre Wohnung zu ziehen, während sie sich selbst mit ihren beiden Kindern bei ihrer Mutter einquartiert.

Hausbrand: Zum fehlenden Wohnraum in Achim auch noch Corona-Lockdown

Drei Wochen Zeit eine neue Bleibe zu suchen. Doch das gestaltet sich schwierig. „Für so viele Leute wie wir es sind, gibt es keinen Wohnraum in Achim“, sagt Höptner und spricht von einem grundsätzlichen Problem, und zwar nicht nur bei Bestandsimmobilien. Bei Neubauten würden in der Regel auch nur Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen gebaut. Doch dann bekommen sie das Angebot, für zwei Jahre ein Haus in der Marsch zu mieten. Es stand schon ein Jahr leer, nachdem der Onkel des Vermieters gestorben war. „Wir haben es uns angeguckt und gleich dingfest gemacht.“ Einmal durchgestrichen geht es rasch ins neue Heim.

Doch dann schlagen Corona und der erste Lockdown zu: „Wir hatten keinen Topf, keine Pfanne und kein Besteck. Und die Geschäfte waren zu.“ Über den Online-Handel und abermalige Hilfe über Facebook von den Achimern ist auch dieses Problem schnell gelöst.

Feuer in Achim: Familie will Haus wieder aufbauen und steht vor neuen Problemen

Doch das „wunderschön“ an der Weser gelegene Haus in der Marsch soll nicht die dauerhafte Bleibe sein. Die Kormiltseva-Höptners wollen ihr Heim wieder aufbauen. Das ist aber leichter gesagt als getan. Stand Jahreswechsel gibt es noch nicht mal eine Abrissgenehmigung. Zudem darf, wenn sie vorliegt, nicht alles abgerissen werden. Der unversehrte Teil, eine Einliegerwohnung neben der Brandruine, muss erhalten bleiben. So will es die Versicherung. Für Teil-Abriss und Teilneubau rechnet er mit Kosten von bis zu 500. 000 Euro, wohlgemerkt auf dem eigenen Grundstück. Dadurch, dass nicht alles abgerissen werden darf, sind die Ausgaben höher als bei einer Tabula rasa.

Natalia Kormiltseva und Michael Höptner mit Nesthäkchen Sofia.

Es gibt darüber hinaus noch nicht mal die Zusage, dass alle Kosten übernommen werden. „Doch wozu habe ich eine Brandschutz-Versicherung, wenn sie nicht alles zahlt?“, fragt Höptner rhetorisch. „Das kriegen wir aber auch noch hin“, sagt der Finanzwirt und hofft, dass ein Rechtsstreit mit der Versicherung vermieden werden kann.

Nach Feuer in Achim: Folgen für die Psyche nicht gelöscht

Ein Architekt hat schon alles durchgeplant. Der Bauantrag liegt zurzeit bei Stadt und Landkreis. Wenn alles gut geht, kann die Familie vielleicht schon das nächste Weihnachtsfest im neuen Haus auf dem alten Grundstück feiern. Bis ins Frühjahr 2022 läuft der Mietvertrag für die jetzige Unterkunft. „Wir hoffen, dass es spätestens dann klappt.“

Zehn Monate nach dem Feuer sind die Folgen für die Psyche noch nicht gelöscht, vor allem die fünfjährige Tochter trägt noch daran. „Bei den Großen ist alles gut, aber bei der Kleinen ist das noch Thema.“ Die Spielsachen würden noch immer so parat liegen, dass sie sie schnell zusammenraffen und mitnehmen kann. Anders als ihr gleichaltriger Bruder habe sie selbst mit angesehen, wie das Haus in Flammen stand. „Das brennt sich ein in so einen kleinen Kopf.“

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