Achim erstmals am „globale“-Festival beteiligt: Andrei Kurkows Lesung in der Stadtbibliothek

Engel und Pistolenkugel im Wettlauf

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Andrei Kurkow in der Achimer Stadtbibliothek, wo er aus seinem neuesten Roman „Die Kugel auf dem Weg zum Helden“ vortrug.

Achim - Erstmals ist jetzt auch Achim am mittlerweile neunten „globale“- Festival für grenzüberschreitende Literatur in Bremen und Bremerhaven beteiligt. Zum Auftakt las Schriftsteller Andrei Kurkow in der hiesigen Stadtbibliothek.

Nach Begrüßung durch Dr. Stephan Leenen aus der Stadtverwaltung stellte die stellvertretende Festivalleiterin Dr. Lore Kleiner den Autor kurz vor.

Sein jüngster Roman „Die Kugel auf dem Weg zum Helden“ (Verlag Haymon) erschien im August. Mit „Der wahrhafte Volkskontrolleur“ und „Der unbeugsame Papagei“ bildet das Werk die Trilogie „Geografie eines einzelnen Schusses“.

Der Autor erzählt zunächst über Jugend und Elternhaus. Er gewährt einen kleinen Einblick in die Unterschiede zwischen russischer und ukrainischer Sprache und Mentalität. Vor den Beginn seiner Lesung in Achim stellt er eine kurze Inhalts-angabe des aktuellen Werks:

Eine Pistolenkugel und ein Engel liefern sich einem aufreibenden Wettlauf gegen die Zeit: Sie jagen den Gerechten, den wahren Helden. Während die Pistolenkugel ihm nach dem Leben trachtet, möchte der Engel ihn mit ins Paradies nehmen - doch wer erreicht sein Ziel zuerst?

Volkskontrolleur Pawel Dobrynin wurde einst von der Dorfgemeinschaft als einziger ehrlicher Bauer des Dorfes auserkoren, eine große Aufgabe für den Aufbau des Sowjetlandes zu erfüllen. Nun lebt er in der Stadt Krasnoretschensk mit Dienstwagen und Dienstfrau.

Doch dann wird er an einen abgeschiedenen Ort in den Bergen abkommandiert, wo er von nun an die Herstellung künstlicher Meteoriten überwacht, die der Sowjetunion die uneingeschränkte Macht in der Welt sichern sollen.

Kurkow liest interessante Auszüge, die erahnen lassen, was den Leser erwartet: Eine humorvolle und äußerst unterhaltsame Auseinandersetzung über das Wesen dieses fernen und doch so nahen Landes.

Andrei Kurkow, geboren 1961 in Budogoschtsch, Oblast Leningrad, lebt seit frühester Kindheit in Kiew und erhielt 1983 am dortigen staatlichen Pädagogischen Fremdspracheninstitut den Abschluss.

Der Schriftsteller zählt zur russischsprachigen Bevölkerung, beherrscht aber insgesamt elf – nach eigenen Angaben heute nur noch sieben – Fremdsprachen. Er arbeitete in unterschiedlichen Berufen, darunter Redakteur, Gefängniswärter und Kameramann. Seit 1996 lebt er zeitweise in London.

18 Dokumentar- und Spielfilmdrehbücher stammen aus Kurkows Feder. Seine Romane wurden in viele Sprachen übersetzt. Sie zeichnen sich durch den scharfen, ironischen Blick auf das Leben in der postsowjetischen Gesellschaft aus. Trotz abstruser, ins Extreme oder Surreale verfremdeter Situationen aus dem ukrainischen oder russischen Alltag verliert Kurkow nie den ernsthaft-liebevollen Blick auf seine Figuren.

hem

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