Werner Momsen ist Unesco-Botschafter

Detlef Wutschik: „Das Niederdeutsche ist ein Stück Heimat“

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Detlef Wutschik (r.) und sein Alter Ego Werner Momsen freuen sich über die Auszeichnung.

Achim - Werner Momsen, die norddeutsche Klappmaulpuppe, ist neuer Unesco-Botschafter des Niederdeutschen Theaters. Am Mittwochabend wurde ihm und seinem Hintermann, Detlef Wutschik, die Auszeichnung im Freilichtmuseum Molfsee bei Kiel zuteil. Wutschik hat die Figur vor Jahren entwickelt. Sandra Bischoff sprach mit dem gebürtigen Badener über die niederdeutsche Sprache, die Herausforderungen des Puppenspiels und den Einfluss seiner Heimatstadt Achim.

Herr Wutschik, erstmals ist mit Werner Momsen eine Figur und kein Mensch Unesco-Botschafter des Niederdeutschen Theaters. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?

Detlef Wutschik: Es ist eine große Ehre und es fühlt sich gut an. Die Feier war sehr schön, aber man spürt deutlich, wie die plattdeutsche Szene um ihre Zukunft ringt. Die Frage ist, wie kriegt man Leute dazu, auch nur ein Wort Plattdeutsch zu reden? Schließlich ist das Niederdeutsche ein Stück Heimat, ein Teil unserer norddeutschen Identität – das müssen wir fördern.

Seit wann spricht Herr Momsen platt?

Wutschik: Herr Mommsen spricht es schon immer, weil sein Hintermann Muttersprachler ist. Aber ich kultiviere es bei ihm erst seit ein paar Jahren. Momsen ist und bleibt ein hochdeutscher Künstler, der auch plattdeutsch spricht, dort wo es angesagt ist.

Sie verbringen viel Zeit mit Werner Momsen. Nervt er manchmal auch?

Wutschik: Nein, wir wissen, was wir aneinander haben. Wir sind aufeinander angewiesen und uns ist klar, dass wir den Erfolg nicht alleine hätten. Jetzt, während wir miteinander sprechen, ist er ja auch nicht weit weg. Er sitzt unten im Keller auf seinem Sofa. Das ist ganz gemütlich.

Sie bleiben während des Auftritts komplett im Hintergrund. Warum?

Wutschik: Ich möchte nicht, dass es heißt: „Jetzt kommt Detlef Wutschik mit einer Puppe“, sondern ich möchte, dass Werner Momsen kommt. Das Publikum soll es als selbstverständlich ansehen, dass er auf der Bühne steht, und sich voll auf ihn konzentrieren. Und das funktioniert auch. „Nach ein paar Minuten hat man Sie gar nicht mehr gesehen“, sagen die Leute oft zu mir. Momsen kann aus einem anderen Blickwinkel auf die Welt schauen als Wutschik. Er hat die Möglichkeit, die Ebenen zu wechseln. Ich kann ihn als Mensch agieren lassen, aber ich kann ihn auch Puppe sein lassen, zum Beispiel dann, wenn er sich über etwas wundert, was wir Menschen machen.

Was ist das Schwierigste an Ihrem Job als Schattenmann im Hintergrund?

Wutschik: Über zwei Stunden eine Puppe zu spielen, die kurze Bewegungen macht – meine rechte Hand bewegt das Klappmaul – das ist schon anstrengend und danach bin ich echt kaputt. Vor allem spiele ich mit viel Körperspannung und stehe die ganze Zeit im wahrsten Sinne des Wortes stramm. Alles, was ich auf Platt spiele, ist zudem auf Hochdeutsch geschrieben und ich übersetze es direkt. Nebenher behalte ich das Geschehen um mich herum im Auge und improvisiere auch immer mal wieder. Pro Jahr spiele ich etwa 160 oder 170 Jobs. Das trainiert zwar, aber ich muss mich mittlerweile besser aufwärmen als früher und mehr zum Ausgleich machen, Laufen zum Beispiel.

Ist Werner Momsen den Achimern eigentlich ähnlich oder zeigt er etwas, das typisch für die Menschen hier ist?

Wutschik: Insider hören es an seiner Sprache: Da ist was Bremisches drin. Die Bremer sprechen das „R“ anders. Momsens Sprache ist heimatlich geprägt. Zudem zeigt er meine halb dörfliche Sozialisation und die Werte, die in mir sind, die ich vielleicht nicht immer teile, die aber mein Weltbild geprägt haben. Die Lebensphilosophie Wutschiks ist geprägt von einer großen Bodenständigkeit mit einer großen Weltoffenheit. Das gibt mir die Basis, Werner Momsen verschiedene Blickwinkel einnehmen zu lassen.

Zieht es Sie vielleicht irgendwann mal wieder zurück in Ihre alte Heimat?

Wutschik: Im Moment ist es keine Option für mich. Hier in Hamburg nervt zwar manchmal die zunehmende Menschenfülle, überall ist es immer voll. Aber wenn ich zurückginge, dann müsste es auch wirklich richtig ländlich sein.

Zur Person

Detlef Wutschik (Jahrgang 1966) wuchs in Achim-Baden auf. Nach dem Abitur 1986 absolvierte er eine Ausbildung zum Maler und Lackierer, studierte dann und legte das erste und zweite Staatsexamen im Lehramt für Farbtechnik und Raumgestaltung ab.

Erst danach begann seine Laufbahn als Puppenspieler und Puppenbildner. Dafür lernte er am Figurentheaterkolleg in Bochum und an der Fabula Bildungsstätte in Idstedt. 

Die Figur Werner Momsen entstand vor rund 20 Jahren und ist regelmäßig im NDR zu sehen. Wutschik lebt mit seiner Familie in Hamburg.

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