„Großer Tanker“ überwindet „schwere See“

Achim: Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasium entlässt 108 Abiturienten

Freudestrahlend nahmen die Teilnehmer des Deutsch-Leistungskurses als erste ihre Zeugnisse entgegen.
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Freudestrahlend nahmen die Teilnehmer des Deutsch-Leistungskurses als erste ihre Zeugnisse entgegen.

Achim – Eine Abiturfeier während einer Pandemie? Kann das eine Schule verantworten? Dr. Stefan Krolle, Leiter des Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums Achim, konterte auf die selbst gestellte Frage: „Wenn im Londoner Wembley-Stadion trotz des Coronavirus 60 000 Menschen trinkend, grölend und ohne Mundschutz Fußball schauen können – dann kann es auch eine Abiturfeier am Cato geben.“

Als Sinnbild für die Herausforderungen, denen sich der Abiturjahrgang 2021 stellen musste, sprach er von einem „großen Tanker in schwerer See“ und betonte: „Großartig, dass ihr es geschafft habt in diesen schweren Zeiten.“

Mit einem Notendurchschnitt von 2,41 insgesamt haben am Cato-Gymnasium 108 Schülerinnen und Schüler die Abiturprüfungen bestanden, weitere vier schafften die Fachhochschulreife. Die Abiturienten mit dem besten Notendurchschnitt im Jahrgang 2021 des Cato-Gymnasiums heißen Lukas Wagner (1,0), Hendrik Rummel (1,2) und Leni Leyens (1,3). Als Beleg für die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen führte Krolle an, dass unter den Absolventen zehn ehemalige Realschüler sind. Der Direktor verschwieg nicht, dass es Schüler auf dem Weg zum Abitur gegeben habe, die im Wirrwarr von Homeschooling und Wechselunterricht „vor der Playstation 5 versackt“ und gar nicht mehr zur Schule erschienen seien.

Fast gewohntes Bild: Das Publikum in der Aula des Cato-Gymnasiums konnte sitzend weitgehend auf Masken verzichten, weil zuvor alle einen Antigentest gemacht hatten.

Er sparte nicht mit Kritik an der Seuchenbekämpfung der Bundesregierung: „Es klappte fast gar nichts.“ Allem Anschein nach sei man auf die Situation „null vorbereitet gewesen“. Auf der anderen Seite habe er sich von Erziehungsberechtigten anhören müssen, Ausführender einer „Corona-Diktatur“ zu sein. Beim aus Krolles Sicht schlecht durchdachten Übergang von der Schule zum Studium zähle nur eins: „Dass Sie nicht darunter leiden.“ Dabei sei es auch an den Schülern selbst, Gerechtigkeit einzufordern. Kritik übte er zudem an den versprochenen Corona-Hilfen der Bundesregierung für Schulen, um die Lernrückstände wieder aufzuholen. Da seien die Niederlande mit 8,5 Millionen Euro zugesagter Bildungsförderung viel weiter. Lobend hob er die Zusammenarbeit mit dem Landkreis Verden als Schulträger, etwa bei der Digitalisierung, hervor. Angesichts des Vorhabens, eine Sporthalle auf dem Gelände des Cato-Gymnasiums bauen zu wollen, versprach er: „Das Sport-Abitur wird wieder eingeführt werden.“ Im Hinblick auf die Bundestagswahl im September forderte Krolle die Absolventen auf, bei den Parteien an den Wahlkampfständen genau nachzufragen – etwa, was den Maskenbeschaffungsskandal oder Nebeneinkünfte betreffe. „Begehrt auf, seid stark!“, schloss Krolle.

„Nach dem Abitur ist vor dem Abitur, nur irgendwie anders“, wandelte der stellvertretende Bürgermeister Rüdiger Dürr ein aus dem Fußball bekanntes Bonmot ab. „Wollen Sie die Dinge passieren lassen oder selbst gestalten?“, fragte Dürr, und ermutigte die jungen Leute, ihren eigenen Verstand zu gebrauchen – egal, ob sie nun studieren, die Welt bereisen, ein Freiwilliges Soziales Jahr beginnen oder beruflich durchstarten wollen.

Um die Schulentlassungsfeier (fast) im gewohnten Modus über die Bühne zu bringen, hielt sich das „Cato“ übrigens an ein Hygienekonzept. Die Maßnahmen umfassten Frischluftzufuhr durch geöffnete Türen, Antigentests für alle Teilnehmer, Maskenpflicht beim Aufstehen und eine gründliche Raumpflege.

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