Neues Gutachten 

Achim, Bremen und Landkreis profitieren von „Achim-West“

Achim - „Das Industriegebiet Achim-West stößt umfassende regionalökonomische und fiskalische Wirkungen an“, fasste Peter Kaiser von der Prognos AG das Ergebnis der Machbarkeitsstudie zu dem Vorhaben zusammen. Auch wenn die öffentliche Hand hohe Investitionen tätigen müsse, werde sich das Projekt für die Stadt Achim, aber auch für den Landkreis Verden und Bremen sehr wahrscheinlich auszahlen, sagte der Gutachter.

Dem Ratsausschuss für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr stellte er am Dienstagabend die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung zu „Achim-West“ vor. Darin ging es um die „Machbarkeit interkommunaler und sogar länderübergreifender Gewerbegebietsentwicklung“. Wie berichtet, wollen Achim und Bremen dabei mit vereinten Kräften vorgehen und am Ende auch gemeinsam davon profitieren.

Bei dem rund 70 Hektar großen Areal entlang der Autobahnen 1 und 27 im Knick des Bremer Kreuzes handele es sich um eine „absolute Sahnelage“, betonte Kaiser. Im besten Fall seien dort bereits 2034 alle Grundstücke vermarktet, im „Worst Case“ erst 2040. Achim, der Landkreis und Bremen könnten mit Verkaufserlösen von insgesamt bis zu 75 Millionen Euro rechnen.

Dazu kämen die „positiven fiskalischen Effekte bei der Gewerbe-, Lohn- und Einkommenssteuer“, auch für die Hansestadt, wo voraussichtlich ein Großteil der benötigten Arbeitskräfte wohnen würde. Nach den unterschiedlichen Modellrechnungen könne Achim bis 2040 zwischen 18 und 38 Millionen Euro an Steuern erwirtschaften, Einnahmen in nahezu gleicher Höhe seien zudem ebenfalls für die Kreiskasse drin.

Gutachter Kaiser, der auch noch die zu „erwartende Wertschöpfung im einstelligen Milliardenbereich“ anführte, räumte allerdings ein, dass das Projekt „hohe finanzielle Vorbelastungen“ für Achim mit sich bringe. „Deshalb empfehlen wir, Dritte daran zu beteiligen.“

Gemeint ist damit vor allem Bremen, das Kosten für erforderlichen Straßenausbau übernehmen will, dafür aber auch einen Teil der Gewerbesteuereinnahmen auf Achimer Gebiet für sich beansprucht. Was nicht jedem Kommunalpolitiker in den Ratsfraktionen schmeckt.

Nach den vorgelegten Berechnungen würde Bremen drei- bis viermal stärker als Achim von dem vorgesehenen Industriegebiet profitieren, bemängelte Volker Wrede (CDU) im Ausschuss. Auch müssten die Folgekosten für die Unterhaltung der neuen Straßen und für den Bau von weiteren Kindertagesstätten oder auch Schulen, die durch den Zuwachs an Einwohnern sicherlich notwendig würden, beachtet werden.

In welcher Größenordnung Bremen bereit sei, Kosten für „Achim-West“ zu tragen und was von dort an Gegenleistungswünschen in die Betrachtung einfließen müsse, wolle die heimische Verwaltung in den kommenden Monaten mit Verantwortlichen aus der Hansestadt abklären, versprach Erster Stadtrat Bernd Kettenburg. „Das sollte erledigt sein, bevor dort im Herbst der Wahlkampf losgeht.“

Dann werde man sehen, ob Bremen sich aus Achimer Sicht genügend in das Projekt einbringt, meinte Petra Geisler (SPD). „Nicht jetzt, sondern im Herbst entscheiden wir über einen Vertrag mit dem Nachbarn.“

Bis dahin soll die Verwaltung ein Verhandlungsergebnis zustande bekommen, waren sich nahezu alle in der Runde einig. Allein Wolfgang Mindermann, der mit der SPD eine Gruppe im Stadtrat bildet, enthielt sich in dieser Frage in der Ausschusssitzung der Stimme. 

 mm

Rubriklistenbild: © dpa

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