54-jähriger Bremer erhält Bewährungsstrafe

Blutiger Streit um ungewürzte Hähnchen

Achim - Von Lisa Duncan. Eine fehlerhafte Hähnchenlieferung versetzte einen Bremer mit türkischen Wurzeln derart in Ärger, dass er ein Klappmesser zückte und damit seinem Achimer Lieferanten in den Rücken stach. Am Dienstag war der 54-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Achimer Amtsgericht angeklagt.

Der Beschuldigte, der von einem Achimer Unternehmer gelegentlich küchenfertiges Geflügel kauft, war offenbar unzufrieden mit einer vorherigen Charge gewesen. Dem Fleisch habe die Marinade gefehlt. Dabei war der 51-jährige Geschädigte am Abend des 16. Juni 2016 nur ausnahmsweise als Lieferant für einen Bekannten eingesprungen. Im Fastenmonat Ramadan wollten sie zusammen zum Fastenbrechen im Achimer Moscheeverein. Damit sie es rechtzeitig zum Essen schaffen würden, hatte er den Dienst kurzfristig übernommen.

Es war gegen halb zehn Uhr abends, als er dem Kunden die Hähnchen-Palette auf den Transporter laden und die Modalitäten abwickeln wollte. Doch der Beschuldigte soll bald angefangen haben, den 51-jährigen Achimer zu beschimpfen. Auch ein Telefonat mit dem Verantwortlichen habe den aufgebrachten Kunden nicht besänftigen können. 

Streit eskaliert

Vielmehr sollen auf beiden Seiten harsche Worte gefallen sein: etwa eine Beleidigung auf türkisch, die sinngemäß „Mensch ohne Ehre“, „Lügner“ oder „charakterloses Schwein“ bedeutet. Der genaue Wortlaut blieb unklar. Nun sei der Angeklagte zunehmend aufbrausender geworden und habe den Geschädigten geschubst. Um sich aus der aggressiv angeheizten Situation zurückzuziehen, sei dieser in die Halle des Betriebs geflüchtet. 

Ihm folgend, soll der Angeklagte etwas aus der Tasche gezogen haben. Um sich zu schützen, habe der Geschädigte nach einem an der Wand lehnenden Besenstiel oder einer Schaufel greifen wollen – und plötzlich die Klinge im Rücken gespürt. Eine Videoaufnahme, die vor Gericht gezeigt wurde, bestätigte die Schilderung des Zeugen weitgehend.

Der Beschuldigte, der sich vor Gericht nicht äußern wollte, verstrickte sich in Widersprüche. Gegenüber der Polizei gab er an, das Messer aus Notwehr gegen eine Schaufel-Attacke des Zeugen gezogen zu haben. Das Opfer sei ihm dann ins Messer gelaufen. Nachdem die Polizeibeamten das Videomaterial gesichtet hatten, vernahmen sie den Angeklagten erneut und erhielten eine leicht abgewandelte Geschichte. 

DNA und Video überführen Angeklagten 

Dem Beschuldigten fiel zudem plötzlich ein, wo er das Messer hingeworfen hatte. Doch die Tatwaffe tauchte später nicht wie besagt an den Bahnschienen, sondern in einem Müllcontainer wieder auf. Das habe man eindeutig anhand von DNA-Analysen der Klinge feststellen können, berichtete ein Polizist.

Mit acht Monaten Haftstrafe zur Bewährung folgte Richter Andreas Minge dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Darüber hinaus muss der Angeklagte die Kosten des Verfahrens und 500 Euro an die Landeskasse zahlen. Der Angeklagte ist nicht vorbestraft. Das Video als objektives Beweismittel habe die Version des Angeklagten allerdings eindeutig widerlegt. 

Richter Minge sah keine Gesichtspunkte für Notwehr. Die geäußerten Beleidigungen seien „in unserem Kulturkreis keine, aber da, wo der Angeklagte herkommt, möglicherweise schon.“ Es sei dennoch nicht einzusehen, wie dies eine Messerattacke rechtfertige. Der Angeklagte habe sogar in Kauf genommen, den anderen lebensgefährlich zu verletzen. „Mit erheblichen Bedenken“ setzte Minge daher die Bewährungszeit auf zwei Jahre fest.

Rubriklistenbild: © dpa

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