Lesung erheitert und dient als Lebensratgeber

Bestsellerautor Ernest van der Kwast zu Gast in der Buchhandlung Hoffmann

+
Extrem sympathisch dieser Typ: Der Niederländer Ernest van der Kwast las aus seinem dritten Roman und „plauderte aus dem Nähkästchen“. 

Achim - Von Ingo Schmidt. In ihrer Lesereihe hatte die Buchhandlung Hoffmann am Freitagabend den niederländischen Bestsellerautor Ernest van der Kwast zu Gast. Der Schriftsteller mit indischen Wurzeln präsentierte seinen dritten Roman mit dem Titel „Mama Tandoori“, der zwar bereits 2010 erschienen war, aber jetzt erst in deutscher Übersetzung in den Handel kam.

Gastgeber Feit Hoffmann freute sich ganz besonders über den Besuch aus Rotterdam, den seine Lesereise nach 2015 zum zweiten Mal nach Achim führte: „Das Buch bietet mehr als tragisch-komische Fiktion, denn es kann auch als Ratgeber verstanden werden“, verkündete der Buchfachmann vor etwa 20 Zuhörern vielversprechend. Attribute wie Sparsamkeit und Geiz seien ihm aus seiner Heimat Lippe sehr wohl vertraut, aber die Geschichten um Mama Tandoori hätten ihn tief beeindruckt.

Entstanden sei der Roman aus drei kleinen Kurzgeschichten: Von seinem Verlag habe er, und auch andere Schreiber-Kollegen, den Auftrag erhalten, kurze Essays zum Thema Mutter zu verfassen – seine Texte waren derart unterhaltsam, dass ein Roman dazu gefordert wurde. Das Ergebnis können Interessierte nun genießen.

Ernest van der Kwast beschreibt eine größtenteils autobiografische Familiengeschichte, in der eine indische Krankenschwester mit einem Niederländer in Rotterdam eine Familie gründet. Der Vater, ein angehender Mediziner – und im realen Leben inzwischen angesehener Pathologe und Prostata-Experte – unterwirft sich der leidenschaftlichen Sparsamkeit seiner Gattin bedingungslos. Ebenso die Kinder, denn sie verleiht ihrem Handeln Nachdruck mit einem Nudelholz.

Im Mittelpunkt stehen zwei Koffer, welche die Inderin gefüllt mit allerlei Tand und Schmuck aus der Heimat mitbringt. Dieser Schatz dient ihr als Basis für den angestrebten Reichtum. Die Leser erwartet irrsinnige, gleichzeitig liebevoll und witzig formulierte Familien-Episoden, in denen sie viel über indische Kultur erfahren – und Wege der Sparsamkeit.

Die Lesung glich mehr einem sehr unterhaltsam geführten Interview, in dem Feit Hoffmann Passagen des Buches gezielt hinterfragte und der Autor teils las, aber auch viele Hintergrundinformationen lieferte: Ob seine Mutter ihm die Ausführungen nie übel genommen hätte, fragte der Gastgeber. „Nun ja, vieles ist eben auch übertrieben“, erwiderte der 37-Jährige.

Sie habe lange nicht verstehen können, weshalb er Schriftsteller habe werden müssen. Das dritte Buch aber habe sie tief berührt und sie habe dabei gemerkt, was Literatur im Menschen bewirken kann. „Inzwischen liefert sie mir sogar mehr Anregungen, als mir lieb ist“, erklärte der Autor – und bangt darum, dass sie eines Tages selbst mit dem Schreiben beginne.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Brände in Kalifornien - Trump wütet auf Twitter

Brände in Kalifornien - Trump wütet auf Twitter

Flammenhölle von Malibu trifft auch Promis

Flammenhölle von Malibu trifft auch Promis

Wie werde ich Manufakturporzellanmaler?

Wie werde ich Manufakturporzellanmaler?

Brexit: Neue Dynamik, aber kein Durchbruch

Brexit: Neue Dynamik, aber kein Durchbruch

Meistgelesene Artikel

Großalarm für Verdener Feuerwehr: Gasgeruch an der Hohen Leuchte

Großalarm für Verdener Feuerwehr: Gasgeruch an der Hohen Leuchte

Kollision in Verden: Auto überschlägt sich

Kollision in Verden: Auto überschlägt sich

19-Jähriger fährt gegen Kinderwagen - Säugling fällt auf die Straße

19-Jähriger fährt gegen Kinderwagen - Säugling fällt auf die Straße

Feuer auf Raiffeisen-Gelände: Experten ermitteln Brandursache

Feuer auf Raiffeisen-Gelände: Experten ermitteln Brandursache

Kommentare